vom 05.01.1998

98er Protestauftakt am Gorlebener Zwischenlager - Französischer Atomkraftgegner fordert:
Schon Hinweg nach La Hague blockieren

gel.Gorleben. Atomkraftgegner wollen ihre Arbeit intemational stärker vernetzen. Diese Absichtserklärung ist am vorigen Wochenende deutlich auf der internationalen Anti-AtomKonferenz in Dannenberg geäußert worden - eine Forderung, die gestern vor dem Gorlebener Zwischenlager auch von Michel Fremand unterstrichen wurde. Der Vertreter der Anti-AtomInitiative CRILAN aus dem französischen La Hague sagte, daß im Sinn der internationalen Vernetzung beispielsweise dies wichtig sei: die Atommülltransporte bereits auf ihrem Hinweg nach La Hague zu blockieren und nicht erst die Transporte, die den Müll nach Deutschland zurückbringen.

Teilnehmer der Anti-AtomKonferenz, unter anderem aus dem englichen Sellafield und dem französischen La Hague, sowie hiesige Atomkraftgegner hatten sich gestern vor dem Zwischenlager versammelt. Die rund 60 Protestler erfuhren von Michel Fremand Details zur Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in La Hague - Details, die teilweise auch frappierendeParallelen zu Gorleben aufweisen.

Das Projekt La Hague sei in den 60er Jahren der Öffentlichkeit als Elektrizitätswerk verkauft worden, so Fremand. Er sagte: "Der Beginn von La Hague war eine Lüge." Die Region um La Hague sei vergleichbar mit Lüchow-Dannenberg: dünnbesiedelt. Der Standort sei mit Bedacht gewählt worden um den größten Teil der Radioaktivität in das Meer einleiten zu können, meinte der französische Atomkraftgegner. Er sprach von auffälligen Leukämiefällen um La Hague die dreimal höher lägen als in anderen Regionen Frankreichs.

Gegen die WAA habe es in den 70er Jahren anfangs Demonstrationen mit bis zu 30 000 Menschen gegeben. Mittlerweile habe der Protest etwas nachgelassen. Fremand hat zwei Gründe dafür ausgemacht: Zum einen hätten sich viele mit der WAA abgefunden - das Werk sei nun einmal da. Zum anderen haben viele Menschen dort Beschäftigung gefunden: 10 000. Und das in einer Region mit 20 Prozent Arbeitslosigkeit.

Die Menschen in La Hague, so Fremands Einschätzung, seien hin- und hergerissen: zwischen der Angst vor Verseuchung einerseits und der Angst vor Arbeitslosigkeit andererseits. Für viele sei das eine schwierige Lebenssituation. Und wie sich die Begleiterscheinungen gleichen:
Fremand berichtete von viel, viel Geld, das die WAA-Betreiberin COGEMA in die Region pumpe. Nahezu jede Gemeinde habe eine Sporthalle.

In Frankreich setze insgesamt ein Stimmungswechsel zum Thema Atomenergie ein, sagte Fremand. Er berichtete, daß in der Republik inzwischen 60 Prozent der Bevölkerung gegen die Atomenergie seien. Immerhin hat Frankreich auch eine grüne Umweltministerin. Doch deren Politik in Sachen La Hague sei biher eine "große Enttäuschung" gewesen, so Fremand.


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