vom 06.01.1998

Anti-Atomkraft-Konferenz in Dannenberg

Solidarität mit Turmbesetzern - International für Sofortausstieg

Ir Dannenberg. Gemeinsam, mit "internationalem Druck", soll der sofortige Ausstieg aus der Atomenergie gefordert werden. Dies ist das Ziel von AtomkraftgegnerInnen , die sich zu einer Amti-AtomKonferenz in Dannenberg getroffen hatten . Neben Teilnehmern aus dem französischen La Hague und Sellafield/Großbritannien waren auch Gäste aus den atomkraftwerksfreien Ländern Dänemark und Österreich erschienen, wie die Bürgerinitiative Umweltschutz berichtet.

In Arbeitsgruppen wurden aktuelle Themen erörtert: Eingehend widmeten sich die Konferierenden den Atommülltransporten zu Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA), Planungen zum europäischen Druckwasserreaktor und dem "Boykott des Reaktorherstellers Siemens".

Ein Vertreter aus La Hague berichtete, daß die dortige WAA, in den 50er Jahren gebaut, nach dem deutschen Atomrecht nicht genehmigungs- und betriebsfähig wäre. So werde die Anlage auch als militärisches Objekt für die französische Atomwaffenproduktion genutzt. Neueste Untersuchungen hätten ergeben, daß die radioaktiven Abwässer der WAA um das 2 000fache über den genehmigten Werten lägen. Auch sei inzwischen eine Erhöhung der Leukämierate in der Umgebung der WAA nachgewiesen worden.

Ähnliches war auch von der Vertreterin aus Sellafield zu hören. Radioaktive Verseuchung durch die dortige Wiederaufarbeitungsanlage habe zur Folge, daß die Umgegend und der Strand von den Einheimischen gemieden würden. Der WAAStandort liege, wie auch Gorleben, in strukturschwacher
Region mit hoher Arbeitslosigkeit.

Wie im Verlauf der Konferenz zu hören war, seien die technischen Planungen für einen europäischen Druckwasserreaktor (ERP) abgeschlossen. Nach den Vorstellungen des Herstellers NPI - ein Zusammenschluß von Siemens und Framatome könne bereits 1998 mit einem standortunabhängigen . Genehmigungsverfahren begonnen werden. Der Kooperationsvertrag sehe jeweils einen Prototypen in Frankreich und in Deutschland vor, hieß es in Dannenberg. In Deutschland seien als Standorte Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern sowie mehrere Orte in Bayern im Gespräch.

Wie die Konferenzteilnehmer beschlossen, solle der Boykott von Siemens-Produkten durch Atomkraftgegner europaweit ausgedehnt werden. Siemens, so wurde angemerkt, sei mittlerweile das einzige Unternehmen, das die Nutzung der Atomkraft in Deutschland technisch und politisch vorantreibe. Durch die Politik von Siemens werde die Atomwirtschaft in Osteuropa am Leben erhalten, die Chance einer Energiewende auf Jahrzehnte hinaus vertan.

Während eines Besuchs an den Atomanlagen in Gorleben berichtete eine Vertreterin der "Turmbesetzer", warum diese wegen der drohenden Schadensersatzforderungen vor das Bundesverfassungsgericht gehen. Die Konferenzteilnehmer erklärten sich ausdrücklich solidarisch mit denen, die seinerzeit den Turm auf dem Gelände des Gorlebener Erkundungsbergwerks bestiegen haben und erklärten: Durch die Geldforderung solle das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit ausgehebelt, zumindest aber eingeschränkt werden.


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