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vom  02.07.1998

Atomtransportskandal Thema im Gorleben-Forum - BMU-Mitarbeiter:
Sicherheitskultur gefährdet

gel Gorleben. Das Vertrauensverhältnis zu den Energieversorgern sei bis in die "inneren Fasern hinein" gestört. Was geschehen sei, gehe "an die Sicherheitskultur heran". Und: Er selbst habe sich niemals vorstellen können, daß Überschreitungen radioaktiver Kontaminationen bei Atommülltransporten nicht weitergemeldet werden. Der das sagte, ist nicht etwa Mitglied der Bürgerinitiative Umweltschutz oder ein Grünen Bundestagskandidat, sondern Ministerialrat im Bundesumweltministerium. Dr. Herbert Dreisvogt ging am Dienstag im Gorleben-Forum hart mit der Atomwirtschaft ins Gericht, relativierte aber auch einiges in der erhitzten Atomtransportskandal-Debatte. Ulrich Flöter, Leiter des Gorleben-Forums, bilanzierte nach der informativen Veranstaltung zweierlei: Zum einen gehe von den in Gorleben eingelagerten Behältern keine Gefährdung aus. Zum anderen sei es dringend nötig, den Kompetenzwirrwarr bei der Kontaminationsüberprüfung zu klären.

Denn Wirrwarr ist das richtige Wort. Zum einen sind mehrere Institutionen wie das Eisenbahnbundesamt oder das Gewerbeaufsichtsamt für die Kontrolle auf den TYansportstrecken zuständig. Dr. Dietmar Kopp aus dem niedersächsisehen Umweltministerium (NMU) skizzierte den Ablauf, wie er eigentlich sein sollte: Der Absender einer atomaren Fracht habe dafür zu sorgen, daß der Transport "sauber" herausgehe. Stelle der Empänger - wie geschehen - erhöhte Kontaminationen fest, habe er das dem Absender mitzuteilen. Auf Leitungsebenen seien die Überschreitungen zwar bekannt gewesen, aber nicht an die Spitze der Energieversorgungsunternehmen weitergegeben worden.

Auch im BMU habe man keine Kenntnis gehabt von den erhöhten Kontaminationen, betonte Dr. Dreisvogt. Und ganz offensichtlich gibt es auch "Lücken im Regelwerk", so Dr. Kopp, weswegen die Überschreitungen nicht an die Atomaufsicht, die Länder, weitergemeldet worden seien. Die Meldeverordnung für AKWs sehe nämlich vor, daß nur bei Kontaminationen von über 50 Becquerel (Bq) pro Quadratzentimeter und einer Gesamtaktivität von über 500 000 Bq gemeldet werden müsse, sagte Dr. Dreisvogt gegenüber der EJZ. Juristen hätten inzwischen angemerkt, daß diese Meldeverordnung auslegungsfähig sei.

So auslegungsfähig offenbar, daß die EVU's der Meinung seien, keine Fehler gemacht zu haben, auch wenn eine Kontamination von über 50 bq pro Quadratzentimeter erreicht wurde, so Dr. Dreisvogt.

Der Grenzwert von vier Bq pro Quadratzentimeter sei eine "absolut geringe Menge, die man vernachlässigen könnte", meinte Dr. Dreisvogt. Auch die bei einem Ahaus-Behälter festgestellte erhöhte Kontamination von sieben Bq sei "von der Strahlung her völlig harmlos". Dreisvogt: Der Atomtransportskandal sei "kein radiologisches Problem, sondern ein Vertrauensproblem". Sowohl Dr. Kopp als auch Dr. Dreisvogt betonten, daß bei diesen Vorfällen "nichts vertuscht" worden sei: weil die Überschreitungen schließlich dokumentiert worden seien. Sie seien nur nicht weitergemeldet worden.
BLG-Geschäftsführer Reinhard König sagte, daß es sich bei den aufgefallenen Behältern immer nur um mehrfach verwendete Transportbehälter gehandelt habe, nicht aber um Castor-Einlagerungsbehälter wie in Gorleben.

Bearbeitet am:  02.07.1998 /ad


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