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vom 02.05.1998      

ARD: Wiener Experten wiesen auf Schwachstellen der Alommüll-Behälter hin
Bonn seit 1985 informiert ?

dpa Hamburg. Das Bundesumweltministerium War nach ARD-Informationen seit 1985 detailliert über das Risiko überhöhter Strahlung von Atommüll-T'ransporten informiert. Die Internationale Atomenergiebehörde in Wien (IAEO) habe 1985 das Innenministerium und 1990 das inzwischen geschaffene Umweltministerium ausführlich über konstruktionsbedingte Schwachstellen an den Atommüll-Behältern unterrichtet, berichtet das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus in seiner heutigen Sendung unter Hinweis auf ihm vorliegende Unterlagen. Das Ministerium wies die Vorab-Informationen gestern als falsch zurück. Mit dem Atomtransporte-Skandal befassen sich heute in Bonn die Umweltminister von Bund und Länder.

Laut Plusminus wurde in dem IAEO-Bericht das Problem ausführlich beschrieben: An Behältern, auf denen zu Beginn eines Transportes keine radioaktiven Partikel gefunden wurden, könne am Ende eine erhöhte Strahlung festgestellt werden. Wie ein Mitarbeiter erläuterte, wurde genau dargestellt, wie sich bestimmte radioaktive Stoffe in Poren, Rissen und Spalten der Stahlbehälter festsetzen und beim Transport auch durch Witterungseinflüsse gelöst werden. Die IAEO habe 1985 den Bericht auf Diplomatenweg übermittelt.

Laut Umweltministerium seien ausschlaggebend für den Bericht der IAEO geringfügige Überschreitungen des Grenzwertes Ende der 70er Jahre bei Transporten von Japan nach Europa gewesen. Das Auftreten von "hotspots" durch das Ablösen von kleinen Partikeln von Schraubverbindungen an der Oberfläche der Behälter sei nicht Grundlage des Berichts gewesen. Hierüber sei erstmals anhand konkreter Grenzwertüberschreitungen,von französischer Seite am 5. Mai dieses Jahres berichtet worden, hieß es.

Unterdessen nimmt der politische Streit der Atom-Skandal an Schärfe zu. Das Bündnis 90/Die Grünen will die Bundestagswahl am 27. September zu einer Volksabstimmung über einen Ausstieg aus der Atomkraft machen. Dies kündigte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Michaele Hustedt, am Sonntag an. Der Atomwirtschaft warf sie "organisierte Kriminalität" vor. Die Hamburgischen Electrieitätswerke (HEW) wollen nun rechtliche Schritte gegen Hustedt prüfen. Die SPD forderte zur vollständigen Aufklärung der Vorfälle eine Sondersitzung des Umweltaussehusses.

Bearbeitet am: 02.05.1998   /ad


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