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vom  06.06.1998        

BLG-Infozentrum besetzt - Neuer Name: "Desinformationshaus"
Gegen "undurchschaubaren Filz"

tj Gorleben. Das Büro der Lüchow-Dannenberger Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) in Lüchow sei "einfach ein bißchen klein", und man habe "es ein bißchen näher vor Ort bringen" wollen. Etwa 70 Mitglieder der BI und der Bäuerlichen Notgemeinschaft haben gestern in Gorleben das Tnformationszentrum der Brennelementelagergesellschaft (BLG) besetzt: Seit 15.15 Uhr blockieren Traktoren den Eingang des Gebäudes und die Straße davor, Transparente weisen auf die unbefristete Aktion der Umweltschützer hin.

"Die Tatsachen über die verstrahlten Castor-Behälter beweisen, daß sich unsere immer wieder geäußerten Befürchtungen bewahrheitet haben", heißt es in einer Erklärung der BI zur Besetzung, in der"die lückenlose Aufklärung durch unabhängige Gremien und die strafrechtliehe Verfolgung der wahren Täter aus Politik und Wirtschaft" gefordert wird. Betreiber und Verantwortliche seien "so undurchschaubar verfilzt, daß eine unabhängige Kontrolle der Betreiber durch die Behörden nicht möglich ist. Weiter heißt es: "Wir wollen den Sofortausstieg. "

Nach den Vorfällen mit verstrahlten Atommülltransportbehältern sei "die Atomwirtschaft" am Ende", heißt es in einem von der Bäuerlichen Notgemeinschaft verteilten Thesenpapier. Nach "Jahrzehnten der Zuschüsse und Gewinne" für die
Atomindustrie "kommen die Probleme und Kosten - für die Allgemeinheit." Deshalb "ist es Zeit, ihnen das Handwerk zu legen", die "Geschäftemacher aus der Energiewirtschaft und ihre Busenfreunde aus der Politik haben bewiesen, daß sie weder Willens noch in der Lage sind, mit den gefählichsten Stoffen der Welt zuhantieren".

Notwendig sei nun eine" sofortige unabhängige Kontrolle aller Strahlungsquellen", ein Verbot internationaler Transporte sowie Konzepte für Stillegung der Atomkraftwerke, Endlagerung und 'Transporte.

BLG-Pressesprecher Jürgen Auer, der kurz nach Beginn der Besetzung eintraf, forderte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer teils hitzigen Diskussion auf, binnen fünf Minuten das Gebäude zu verlassen, sonst werde die BLG Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstatten und die Polizei bitten, die Personalien der Anwesenden festzustellen. Antworten der Demonstranten: "Wir gehen, wenn ihr die Castoren hier wegholt" und "ihr begeht 1000fachen Mord". Das Verhalten der an der Aktion Beteiligten, die sich Getränke und die Schlüssel eines Mitarbeiters angeeignet hätten, sei "wie man es von Gästen erwartet", meinte Auer. Die Besetzer seien nicht ausreichend informiert, es gehe ihnen "nur um Randale" .

"Erst mal abwarten", so die erste Reaktion eines Polizisten vor Ort auf die Frage nach Reaktionen auf die Anzeige der BLG. Oberkommissar Ulf Oelmann von der Lüchower Polizei, der als Einsatzleiter vor Ort war, bezeichnete die Aktion "schön friedlich". Wie lange die Besetiung geduldet würde, sei "im Moment nicht absehbar", die mit der Aktion verbundene Straßenblockade sei "im Augenblick in Kauf zu nehmen".

Bearbeitet am:06.06.1998 /ad


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