ejzmini.gif (448 Byte)
vom 18.06.1998

Bremer Physiker Dr. Kirchner zu Atommüllbehälter-Skandal - Zentrale Frage:

Behälterkontamination vermeidbar?          

we Waddeweitz. Ein Ende des Debakels um die unzulässig hoch verstrahlten Atommüllbehälter sei nicht absehbar. Das sagte der Bremer Physiker Dr. Gerald Kirchner vor über 140 Zuhörern bei einer Infoveranstaltung der BI Umweltschutz Lüchow- Dannenberg im Gasthaus "Zum Rebstock" in Waddeweitz. Kirchner ging mit den AKW- Betreibern und der Bundesumweltministerin Merkel hart ins Gericht.

Das 10-Punkte-Programm der Ministerin sei nicht geeignet, die Kontamination von Atommüllbehältern zu unterbinden. Denn das Debakel hinge aus seiner Sicht weniger an einer wirksamen und lückenlosen Kontrolle der Atommülltransporte, meinte Kirchner. Ein derartiges Kontrollsystem würde lediglich das Transportwesen ad absurdum führen. Für ihn laufe alles auf die zentrale Frage hinaus: Ist eine Kontamination der Behälter vermeidbar oder nicht? In diesem Punkt hege er grundsätzliche Zweifel, ob die Verstrahlung der Behälter beim Beladen mit abgebrannten Brennelementen überhaupt abstellbar sei. Und solange diese Zweifel nicht ausgeräumt seien, dürfe es auch keinerlei Transporte geben.

Kirchner hatte als Sachbeistand der Bürgerinitiative in Ahaus seine Kritik am CastorKonzept im Rahmen des atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens für den Bau des dortigen Brennelementzwischenlagers vorgetragen, seine Bedenken waren aber ignoriert worden. Nun wolle sich bei ihm keine späte Genugtuung einstellen, eher Sorge um die Menschen, die berufsbedingt mit den Behältern in Berührung kommen. Extremer aber als die Gefahr, durch die Verschmutzung geschädigt zu werden, sei die Gamma- und Neutronenstrahlung, die die Behälterwände durchdringe.

Ein Indiz für die weiträumige radioaktive Belastung um WAAs seien die "strahlenden Tauben von Sellafield". Hunderte Vögel waren wegen eines "Taubenkrieges" zwischen Nachbarn getötet worden, einige landeten im Labor des Bremer Wissenschaftlers. Sie wiesen im Gefieder, in den Innereien und im Fleisch hochgerechnet auf 1 Kilogramm Strahlenspitzenwerte bis zu 25 000 Becquerel auf. Eine schadlose Verwertung radioaktiver Reststoffe sei durch die WiQderaufarbeitung nicht möglich, stellte Kirchner fest: Ihr Verbot sei überfällig.

Bearbeitet am: 18.06.1998 /ad


zurück zur Homepage