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vom    20.06.1998

Atommüll-Transportskandal: Landkreis will für Gorleben-Behälter konkrete Meßdaten
Verschärfte Prüfpraxis gefordert      

 

gel Gorleben. Die Prüfpraxis für Atommülltransporte soll verändert und erweitert werden. Dies fordert der Landkreis Lüchow-Dannenberg vor dem Hintergrund des jüngsten Atomtransportskandals. Mit der derzeitigen Meßpraxis müsse jedenfalls die Aussagekraft der Kontaminationsmessungen für die in Gorleben zwischengelagerten Behälter mit hochradioaktivem Atommüll bezweifelt werden, findet man im Kreishaus. Dem niedersächsischen Umweltministerium (NMU) wird vorgeschlagen, von Dr. Gerald Kirchner, Kernphysiker an der Uni Bremen, die bisherige Meßprasis überprüfen zu lassen.
Ob man im NMU, der Atomaufsichtsbehörde, bei diesem Thema den richtigen Partner gefunden hat, um auf Bonn Druck auszuüben, darf bezweifelt werden. Denn auf die Frage vom Landkreis, wieso bei der Eingangskontrolle in Gorleben nicht dieselben Meßpunkte kontrolliert würden wie bei der Ausgangskontrolle, sei nach Angaben des Landkreises vom NMU geantwortet worden: Es mache keinen Sinn, am Eingangsort nochmals die schon kontrollierten Meßpunkte zu überprüfen. Denn diese Meßpunkte seien durch die Wischtests am Ausgangsort weitgehend von Kontanünationen gereinigt worden. Eine Messung derselben Stellen sei auch gar nicht erforderlich, da eine Veränderung der Werte der Ausgangsmessüngen während des Transports ausgeschlossen werden könne (!)
Für alle, die sich mit diesem Thema beschäfigt haben, dürfte diese Antwort aus dem NMU von diesem Monat mehr als abenteuerlich sein. Denn gerade das Phänomen des "schwitzenden" Transportbehälters hat dazu geführt, daß bei einigen Transporten Kontaminationen erst während des Transportes auftraten. Gerade das müßte eine diffizilere Eingangskontrolle zwingend nötig machen.
"Die Messungen sollen nicht nur qualifiziert, sondern auch quantifiziert eingetragen werden", fordert Landrat Christian Zuhlke. Hintergrund: Das NMU hatte dem Landkreis die Prüfprotokolle der Kontaminationsmessungen an den acht in Gorleben eingelagerten Transportbehältern zur Verfügung gestellt. Doch nur in zwei von 16 Meßprotokollen seien die tatsächlich festgestellten Meßwerte vermerkt gewesen. In drei weiteren Protokollen sei lediglich festgehalten worden, daß die Werte unterhalb der Nachweisgrenze lägen. Und in den übrigen Protokollen sei lediglich die Bewertung: kleiner als Grenzwert eingetragen. Statt der nicht nachvollziehbaren Bewertung "unterhalb der Nachweisgrenze" fordert der Landkreis konkrete, nachkontrollierbare Daten in den Protokollen. Das NMU hält es bislang für nicht erforderlich, die Meßwerte zu dokumentieren, wenn der jeweilige Grenzwert dem eingehalten worden sei.
Nach der vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) aufgestellten Vorschrift PV 5 11 müssen an den Behältern am Absendeort Ausgangsmessungen an 18 Meßpunkten durchgeführt werden, bei der Eingangskontrolle aber nur noch an vier weiteren. Dieses Prüfverfahren hält der Landkreis nach dem jüngsten Skandal für nicht ausreichend: e en weil sich die Kontanünation während des Tiunsportes verändert. Neben der Einsichtnahme konkreter Meßdaten des TÜV und der Betreiberin BLG fordert der Landkreis vor allem auch dies: Bei der Eingangskontrolle müssen mit den Meßpunkten auch die gefährdetsten Stellen erfaßt werden. Zum Beispiel befinde sich im Bereich des Primärdeckels eine 30 Zentimeter lange Fläche, an der es keine Neutronenabschirmung gebe gerade dort sei eine Meßstelle nötig. Des weiteren will der Landkreis die Meßprotokolle einsehen, die die Werte von Kontaminationsmessungen an den für die Transporte verwendeten Waggons, Abdeckhauben und Fahrzeugen erfaßt haben.

Bearbeitet am: 20.06.1998/ad


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