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vom    22.06.1998

Oyster-Band in Reddebeitz: Folkrock erster Güte
Hymnen im Doppelspagat      

 

gel Reddebeitz. John Jones konnte sich einen Schuß politischer Ironie nicht verkneifen. "Ich weiß, Ihr haßt es, Regeln und Barrieren zu durchbrechen", rief der charismatische Frontmann am Sonnabend dem Publikum zu und forderte es auf, trotzdem die Absperrung zur Bühne hinter sich zu lassen. Da war er im Wendland genau an die Richtigen geraten. Die rebellischen Zuhörer ließen sich nicht zweimal bitten und gingen auf Tuchfühlung mit der OysterBand. Der Funke war sofort übergeprungen. Die britische Top-Folk-Dance-Band mit internationalem Renommee heizte den knapp tausend Zuhörern kräftig ein mit ihrer mutigen Verschmelzung aus rock- und rootsorientierter Folkmusik.
Für Harald Günther ging damit ein Traum in Erfüllung. Er war es, der die politisch engagierte Band in Eigeninitiative nach Reddebeitz lotste: um den hiesigen Atomwiderstand zu unterstützen. Und John Jones sparte dann auch nicht mit Publikumsadressen, mit denen er dem Castor-Widerstand den Rücken stärkte.
Die Oyster-Band, das ist der doppelte Spagat oder: Wie man dennoch eine Kultband werden kann. Doppelter Spagat deshalb, weil das Quintett zum einen den Kritikern gezeigt hat, daß anspruchsvolle, politische und ernste Texte mit lockerer, beschwingter Musik nicht im Widerspruch stehen müssen. Zum anderen hebt die OysterBand auch den scheinbaren Widerspruch zwischen angloirischem Rootsfolk einerseits und Pop und Rock andererseits auf. Das Ganze klingt dann, als wenn sich die Simple Minds und die Pogues zu einer Supergruppe zusammengeschlossen hätten und gemeinsam konzertierten. Hymnische, poporientierte Rockstücke werden abgelöst von herzzerreißenden Balladen oder aber irischen Folkstandards, die sich auf einem dichten Rhythmusteppich so richtig räkeln können. Wie die Oyster-Band an diesem Abend bei einem Konzert mit absolut internationalen Zuschnitt traditionelle Musik. mit Rock verschmolz, war eine Klasse für sich. Die- führenden Folkrock-Protagonisten Englands kamen, sahen und eroberten Reddebeitz.

Bearbeitet am:22.06.1998 /ad


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