vom 18.03.1998

Schrauben sprangen ab: Transporte aus Krümmel vorerst untersagt

Atommüllbehälter überstand Falltest nicht unbeschädigt

 

dpa Kiel. Bis zum Jahresende wird es voraussichtlich keine Transporte bestrahlter Brennelemente aus dem schleswigholsteinischen Atomkraftwerk Krümmel geben, weil ein Transportbehälter einen Fälltest aus neun Meter Höhe nicht bestanden hat. Das teilte der schleswig-holsteinische Energieminister Claus Möller (SPD) gestern in Kiel mit. Bei dem, Test seien die Schrauben des Deckelstoßdämpfers von einem Behälter des Typs NTL 11 abgeschert. Die Betreibergesellschaft der Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield stoppte in Absprache mit den Genehmigungsbehörden daraufhin alle geplanten Transporte mit Behältern dieses Typs.

Die Panne hat die Diskussion um die Sicherheit von Atomtransporten neu entfacht. Schleswig-Holsteins Energieminister sagte: "Die Tatsache, daß der Modell-Behälter den Palltest nicht schadlos überstanden hat und die letzten Falltests für diesen Typ bereits 15 Jahre zurückliegen, wirft die Frage nach den Sicherheitsstandards bei Atomtransporten auf." Der Vorgang zeige, daß es "mehr als fragwürdig ist, wenn es für eine Behälter-Genehmigung ausreicht, Falltests nur noch am Computer zu simulieren".

In den vergangenen Tagen hatte es im Zusammenhang mit einem am 2 5. März bevorstehenden Castor-Transport ins westfälische Zwischenlager Ahaus heftige Sicherheitsdiskussionen gegeben. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begründete ihre Bedenken damit, daß der für Ahaus vorgesehene Castor-Typ V/52 weder Fall- noch Brandtests unterzogen worden sei. Es habe lediglich 20 Jahre alte Modelltests und Computersimulationen gegeben.

Umweltministerin Angela Merkel (CDU) hielt dagegen, für jede Behälter-Bauart habe es detaillierte Prüfungen gegeben. Nach Angaben der Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung (BAM) in BerLIn sind sechs Castor-Behälter in Originalgröße und sieben Modelle geprüft worden. Die Castor-Behälter hätten während der Tests bei der BAM alle Sicherheitsanforderungen erfüllt.

Grund der Absagen sind Falltests aus neun Meter Höhe, die Mitte Februar mit einem verkleinerten Modell des Transportbehälters NTL 11 stattfanden. Dieser Typ kommt bei Transporten von Brennelementen aus den Atomkraftwerken Krümmel und Neckarwestheim zum Einsatz, nicht aber bei dem bevorstehenden Transport nach Ahaus.

Bearbeitet am:18.03.1998 /ad


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