vom 20.03.1998

Atommülltransporte bewältigen erste Etappe nach Ahaus

Castor-Gegner überrumpelt

 

dpa Stuttgart. Auf der ersten Etappe des Castor-Transports haben die Behörden die Atomkraftgegner mit einem vorgezogenen Start überrascht. Gestern abend rollten die Schwertransporter mit drei Castor-Behältern aus dem Kemkraftwerk Neckarwestheim (GKN) in die Bahnstation in Walheim ein. Trotz Demonstrationen und Blockaden haben die CastorTransporte mit abgebrannten Brennstäben aus süddeutschen Kernkraftwerken damit die erste Etappe ins westfälische Zwischenlager Ahaus bewältigt.

Mit einem massiven Polizei aufgebot wurde die gesamte Strecke bis Walheim abgeriegelt und eine Sitzblockade vor dem Reaktor aufgelöst. Rund zweihundert Demonstranten wurden weggetragen. Zuvor waren drei Transportbehälter auf Eisenbahnwaggons aus dem bayerischen Atomkraftwerk durch Gundemmingen in Walheim eingetroffen. Dort sollten sie mit den drei Castoren aus Neckarwestheim zusammengekoppelt und auf dem Schienenweg in das Zwischenlager nach Ahaus weitertransportiert werden. In der westfälischen Stadt demonstrierten 4 000 Menschen bis zum frühen Donnerstag abend friedlich gegen den Castortransport.

Wann der Transport, der auf der Schiene wahrscheinlich über Würzburg und Kassel quer durch Deutschland führt, in Ahaus eintrifft, blieb zunächst unklar. Die nordrhein-westfälisehen Polizeikräfte erhielten einen neuen Marschbefehl, nachdem sie bereits am Donnerstag ab 18 Uhr in Ahaus einsatzbereit sein sollten. Der Einsatzbefehl ist nach Angaben aus Sicherheitskreisen bis zum 29. März befristet. Ursprünglich wurde der Transport mit den sechs Behältern für den 25. März in Ahaus erwartet.

In Neckarwestheirn hatten vom frühen Morgen an mehrere hundert Atomkraftgegner gegen den Castor-Transport protestiert. Verzögerungen gab es, weil sich zwei Demonstranten unter der Straße eingegraben hatten, über die die Schwertransporter mit den drei Castoren aus Neckarwestheim rollen sollten. Die Beamten mußten zunächst in einer gut fünf Stunden dauernden Aktion die AntiAtom-Aktivisten aus dem Tunnel holen, wo sie sich seit dem Vorabend verschanzt und an Betonklötze angekettet hatten. Anschließend wurde der untergrabene Straßenabschnitt mit dicken Stahlplatten abgedeckt, um zu verhindem, daß er unter der Last der Atomtransporter einbricht.

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) kritisierte den Castor-Transport in das Atomzwischenlager Ahaus als "nicht zu verantwortenden Unsinn". Es sei absurd, Atommüll unter riesigem Polizeischutz quer durch die Republik zu fahren.

Bearbeitet am: 20.3.1998/ad


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