vom 20.03.1998

Spagat eines Polizeichefs

 

Münster. Zu einem Spagat zwischen Pflicht und Neigung ist der bündnisgrüne Polizeipräsident von Münster, Hubert Wimber, gezwungen. Der bekennende Atomkraftgegner trägt die Verantwortung für den Polizei-Einsatz beim Castor-T'ransport von Atommüll ins Zwischenlager Ahaus. Einerseits kritisiert er diesen Transport als "überflüssige politische Provokation", andererseits kündigt er eine "konsequente Verfolgung" unfriedlicher Demonstranten an. Die Polizei werde dafür sorgen, daß die Castor-Behälter ihren Bestimmungsort erreichen.
   Zur Person

Wegen dieses Spagats haben Atomkraftgegner den 48jährigen zum Rücktritt aufgefordert, doch Wimber winkt ab: "Mit meiner Auffassung weiß ich mich sehr einig mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Ich sehe keine Veranlassung zurückzutreten." Statt dessen will der Mann mit dem Silberknopf im linken Ohr "den friedlichen Protest stärken" und "illusionsfreie Kooperationsgespräehe" mit der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" führen. Als ein Hauptziel seiner Arbeit sieht Wimber eine verstärkte Bürgernähe der Beamten: "Wir müssen die begründeten und subjektiven Angste der Menschen ernst nehmen und suchen das Gespräch mit den Bürgern. " Diesem Motto will der Polizeichef auch in Ahaus treu bleiben: Mit einem Bürgertelefon und mehreren Bezirksdienstbeamten vor Ort versucht er der Sorge der Bevölkerung vor einem tagelangen Ausnahmezustand zu begegnen. Angesichts der aufgeladenen Stimmung bezweifeln allerdings Beobachter, daß ihm dieser Versuch und damit auch sein eigener Spagat - gelingen wird. dpa

Bearbeitet am:20.3.1998 /ad


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