ejzmini.gif (448 Byte)
vom  13.05.1998

Lüchow-Dannenberger Kirchenkreistage fordem Ausstieg aus der Atomenergie

"Unser Wort ist ein Hilfeschrei"

by Lüchow. "Unser Wort ist ein Hilfesehrei. Es ist eine vom christlichen Glauben her gebotene Parteinahme für Generationen heute noch nicht Geborener, die sich gegen die Gefährdung ihrer Lebensgrundlagen nicht wehren können." Dieser Satz findet sich in der GorlebenErklärung der Kirchenkreistage Lüchow und Dannenberg, die am Montagabend im Lüchower Gemeindehaus von der Mehrheit der beiden Gremien verabschiedet wurde.

Die beiden Kirchenkreistage, die Vertretung sämtlicher Kirchengemeinden im Landkreis, der Laien und Hauptamtliche angehören, fordem in dem dreiseitigen Papier den Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie. "Atomenergie ist lebensbedrohend für jegliches Leben. Sie ist mit dem biblischen Auftrag, die
Schöpfung zu bewahren, nicht vereinbar", heißt es in der Resolution, die sich an Christen aller Konfessionen, an Gemeinden und Leitungsgremien der Evangelischen Kirche und an den Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf wendet.

Die Halbwertzeit von Plutonium - 24 400 Jahre - sei das "Vielfache jener Zeitspanne, die zwischen uns und den Pharaonen liegt. Welchem Pharao würden wir Verantwortung bis in unsere Tage zugestehen?" wird gefragt. Die Atomenergie erfordere die absolut sichere Technik und den absolut unfehlbaren Menschen. Weil es beides nicht gebe, sei die Nutzung der Kernenergie unverantwortbar. Denn Tschernobyl zeige, was Technik und Mensch insgesamt anrichten können.
Festgestellt wird, daß weder die Erkundung des Salzstocks, noch das Zwischenlager, noch die geplante Inbetriebnahme einer Konditionierungsanlage als verantwortungsvoller Entsorgungsweg anerkannt werden können.

Bis zum heutigen Tag lägen weltweit der Öffentlichkeit keine Prüfungskriterien zur Endlagerung atomaren Mülls vor. Mit der Landessynode fordern die Kirchenkreistage die Aussetzung aller Transporte hochradioaktiver Abfälle nach Gorleben, solange die Entsorgungsfrage nicht gelöst ist. Und "besorgt" wird festgestellt, daß für die Errichtung atomarer Anlagen Gesetzesänderungen im laufenden Genehmigungsverfahren zu einer Absenkung der Sicherheitsanforderungen und zu einer Unterhöhlung der Eigentumsrechte in der Verfassung führen. Damit werde das Vertrauen in Politik und Wirtschaft untergraben.

Abschließend heißt es: "Wir fordern alle Christen auf, sich mit den Fragen und Nöten der Menschen hier vor Ort auseinanderzusetzen, die Lösung der atomaren Fragen partei- und länderübergreifend einzuklagen, Energieformen anzustreben, die global verträglich sind und neue Wege der Energieversorgung anzustreben, die sowohl eine Reduzierung des Energieverbrauchs als auch des Lebensstils beinhalten. Damit werden der biblische Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, die Aufforderung zum Teilen und christliche Nächstenliebe konkret".

Ein Jahr und acht Sitzungen lang hatte eine von beiden Kirchenkreisen eingesetze Arbeitsgruppe unter Vorsitz von Pastor Eckhard Kruse aus Gartow dieses Papier vorbereitet. Schriftliche Änderungswünsche hatte es nicht gegeben, mündliche hatten in der Sitzung dann keine Chance mehr, waren aber wohl vorhanden. Es gab beispielsweise Kritik an der Formulierung, daß Atomenergie mit dem biblischen Auftrag nicht vereinbar sei. So ging es dann in einem Großteil der Debatte auch mehr um Geschäftsordnungsfragen, ein Pastor sah das gemeinsame Gremium in der Gefahr, "daß wir uns lächerlich machen". Am Ende dann wurde abgestimmt: offen unter den Mitgliedern des Kirchenkreises Dannenberg, die mit 28 Stimmen bei drei Enthaltungen für die Resolution votierten, und geheim im Kirchenkreistag Lüchow, dort gab es 23 Ja- und vier Neinstimmen bei sechs Enthaltungen.

Bearbeitet am: 13.05.1998 /ad


zurück zur Homepage