ejzmini.gif (448 Byte)
vom 15.05.1998

Dosismessungen Castor-Transport: Kreisatomausschuß unzufrieden über NMU-Antwort
"Man verkauft uns für dumm "

gel Lüchow. Intransparenz, ausweichende Antworten, keine Aufklärung: der Kreisatomausschuß ist mehr als unzufrieden darüber, wie das niedersächsisehe Umweltministerium (NMU) mit dem Thema Dosismeßleistungen beim CastorenTransport im März 1997 nach Gorleben umgeht. Das beratende Mitglied Udo Jentzsch brachte den ganzen Frust des Ausschusses über eine Antwort des NMU auf den Punkt: "Man verkauft uns für dumm." Die "absolute Intransparenz kann kein Vertrauen schaffen", so der Atomfachmann. Nun wird eine kleine Delegation des Atomausschusses im NMU ein Gespräch suchen, um die strittigen Fragen aufzuklären.
Die strittigen Fragen - sie lauteten unter anderem: Warum Wurde im Rahmen der Gefahrgutverordnung auf vom Betreiber unabhängige Messungen verzichtet? Und worin sei die teilweise große Ungenauigkeit der Meßdaten begründet? Auch wollte der Ausschuß wissen, warum sich "offizielle Meßdaten direkt widersprechen". Zudem wurde gefragt, weshalb ein Castor-Behälter transportiert wurde, der einen zulässigen Grenzwert überschritten habe. Die Fragen beruhten auf einer Analyse der offiziellen Dosisleistungsmessungen. Der Ausschuß hat "begründete Zweifel an der Zuverlässigkeit der bisher veröffentlichten Meßdaten".

Diese Zweifel hat das NMU ganz offensichtlich nicht. Sie seien"unbegründet, denn allgemein ist anzumerken, daß diese Analyse nur zum Teil von richtigen Annahmen ausgeht, zum anderen aber mit falschen Ansätzen und unbegründeten Behauptungen arbeitet," heißt es in einem Schreiben aus Hannover.

So würden unterschiedliche Messungen mit unterschiedlichen Meßgeräten, Meßvoraussetzungen mit unterschiedlichen Bewertungen unmittelbar miteinander verglichen. Das NMU: "Dies muß zu falschen, verwirrenden und nicht nachvollziehbaren Ergebnissen und Schlüssen führen. " Sehr wohl seien von unabhängigen Stellen Kontrollmessungen vorgenommen worden: vom Eisenbahnbundesamt. Weitere Messungen durch das Gewerbeaufsichtsamt "sind daher überflüssig und aufgrund des Strahlenschutz-Minimierungsgebotes auch nicht vertretbar", findet das NMU. Insbesondere bei niedrigen Dosisleistungen seien Abweichungen bei den Messungen nicht zu vermeiden Abweichungen, "die allerdings ohne strahlenschutzrelevante Bedeutung sind". Das NMU resümiert: "Alle vorliegenden und bekannten Meßwerte bestätigen die Einhaltung der zulässigen Grenzwerte entsprechend der Gefahrengutverodnung. Die in Ihrer Analyse berechnete Überschreitung kann hier nicht nachvollzogen werden. "

Eine Kapazitätserhöhung wird kommen": Diese Befürchtung äußerte Wolfgang Neumann von der Gruppe Ökologie für weitere Planungen bei der Pilotkonditionierungsanlage(PKA) in Gorleben. Bekanntlich ist derzeit bei den Betreibern die Rede von nur 35 Tonnen Durchsatz radioaktiver Stoffe pro Jahr. In alten Papieren, so Neumann, sei jedoch die Rede von 350 Tonnen. Zudem solle die PKA zu einer Servicestation für Zwischenlager umfunktioniert werden anstatt ihrer ursprünglichen Funktion, das Herstellen endlagerfähiger Gebinde zu erproben.
Bei einer solchen Kapazitätserweiterung bedürfe es eines neuen Genehmigungsverfahrens, meinte Klaus Wohler (CDU). Er betonte, daß der Piloteharakter der Anlage nötig sei, egal, ob es in Gorleben ein Endlager gebe oder nicht. Seiner Meinung nach solle man die Anlage "nicht behindern, allenfalls kritisch begleiten".

"Der Piloteharakter ist weg", sagte dagegen Klaus-Peter Dehde (SPD). Es gehe nur noch darum, Behälter für eine optimierte Zwischenlagerung umzupacken, was auch in den Zwischenlagern selbst zu machen sei. Sein Fazit: "Die PKA ist überflüssig."
"Käpazitätserhöhung wird kommen"

Bearbeitet am: 15.05.1998 /ad


zurück zur Homepage