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vom 23.05.1998

Der Kommentar

Strahlt nur die Eisberg-Spitze ?
Von Christoph Steiner

Wenn's um viel Geld geht, bleibt die Moral leicht auf der Strecke. Die Atomwirtschaft untermauert diese Binsenweisheit. Denn falls die Branche überhaupt noch einen Ruf zu verlieren hatte, ist's spätestens jetzt um ihn geschehen. Wer mehr als ein Jahrzehnt zu überhöhten Strahlungen bei Atommüll-Transporten schweigt, der handelt völlig verantwortungslos, insbesondere den begleitenden Polizisten und dem Bahnpersonal gegenüber.
Zum anderen verdient die (Nicht-)Informationspolftik der Energiebranche das Prädikat hirnrissig, weil doch gerade ihr die hohe Sensibilisierung der Öffentlichkeit beim Themenkomplex Kernenergie geläufig sein müßte. Und da die Atomlobby nur scheibchenweise und unter Druck mit der Wahrheit herausrückt, befördert sie zudem die bange Frage, was denn da an Strahlen-Müll ans Tageslicht gelangen wird.

Doch es genügte bei weitem nicht, die verantwortlichen Atommanager in die Wüste zu schicken. Die Bundesumweltministerin müßte das Ticket in die Ödenei mit ihnen gemeinsam lösen. Angela Merkel kann sich doch im Ernst nicht hinstellen und behaupten, sie hätte nichts gewußt. In der Region um die Atommüll-Höhle Gorleben kennt doch schon fast jedes Kind die vielfachen Warnungen aus dem Landes-Umweltministerium in Hannover, die von der damaligen Umweltministerin Monika Griefahn zum Thema in Auftrag gegebenen Studien, die Schlampereien bei der Castor-Beladung mit schiefsitzenden Deckeln und, und, und ...

Doppelte Ironie des Schicksals bei der skandalösen Geschichte: Erstens sorgt die Atomlobby selbst für weitere Vertrauensverluste und dafür, daß die Akzeptanz der Kernenergie nebst dazugehöriger Technologie weiter schwinden wird. Und zweitens brocken die Atommanager ausgerechnet der Union, die stets ihre schützende Hand über sie gehalten hat, ein ungeliebtes Wahlkampfthema, wenn nicht gar einen spektakulären Minister-Rücktritt, ein.
Damit bringt die Atomlobby natürlich die SPD und die Grünen zum Strahlen - in Bequerel gemessen völlig ungefährlich. Doch für die Zukunft der Keinenergie in Deutschland umso mehr, die Weichen werden auf Ausstieg gestellt.

Bearbeitet am: 23.05.1998 /ad


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