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vom   25.05.1998

500 Menschen protestierten vor dem Zwischenlager - "Hallo Niedersachsen"  war vor Ort

 "Lügen, pfuschen und vertuschen"

       

 

by Gorleben. Walter Hirche, Staatssekretär im Bonner Umweltministerium, hatte am Sonnabendabend vor dem Zwischenlager in Gorleben keinen leichten Stand. Von dort aus mischte sich die NDR-Sendung Hallo Niedersachsen" in den aktuellen Castor-Skandal" ein. Rund 500 Menschen verfolgten die Live-Ubertragung und demonstrierten lautstark. Sie erinnerten auf Plakaten - "Keine Panik, alles nur Backpulver" und mit Zwischenrufen an Umweltministerin Angela Merkels historische Bemerkung zur Gefährlichkeit von Radioaktivität und an die jüngsten Anzeigen der Atomwirtschaft, in denen es hieß, das Castor nur ein anderes Wort für Vertrauen sei. Von wegen, meinten die Demonstranten, sie sprachen von "Lügen, pfuschen und vertuschen".  

Der Protestpegel stieg immer dann besonders an, wenn Walter Hirche auf die Fragen von Moderatorin Hanna Legatis antworten wollte. "Lügner, Lügner" schallte es ihm entgegen, und lautes Gelächter war die Reaktion auf Hirches Vorschlag, jetzt sollten sich doch alle an den Tisch setzen und das Thema Entsorgung neu diskutieren. Hirche schob die Verantwortung auf die Länder und betonte, daß die Castoren, die nach Gorleben rollten, überhaupt nicht mit denen zu vergleichen seien, die das Ziel Sellafield hätten.

"Der hat rein gar nichts begriffen", war die Meinung unter den Protestierenden. Vielleicht aber doch, denn als die Kameras abgeschaltet waren, gestand Hirche im Gespräch mit ihn bedrängenden Demonstranten ein, daß man darüber reden müsse, daß auch andere messen", eben nicht nur die Betreiber der Atomanlagen.

Als Interviewpartner hatte der NDR auch Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative, Michael Kühn von Greenpeace und Ralf Munstermann von der Gewerkschaft der Polizei vors Zwischenlager geholt. Letzter kritisierte, daß die Polizei belogen worden sei und das Debakel der Zuständigkeiten.  

Applaus hatte es für Hanna Legatis auf ihre erste Frage gegeben, sie wollte mit Walter Hirche "eine Terminfrage klären", nämlich den Rücktritt von Umweltministerin Angela Merkel. Doch dafür sah Hirche überhaupt keine Notwendigkeit.

Für die Lüchow-Dannenberger Bürgerinitiative Umweltschutz wäre der Castor-Skandal auch nicht damit bereinigt, daß eine Umweltministerin ausgetauscht werde, erklärte Wolfgang Ehmke anschließend für die BI.

 Der "Informations-Supergau" der AKW-Betreiber sei das eine Problem, wenn allein Frau Merkel ausgetauscht werde, würde das am Ende nur von der Unverantwortlichkeit der AKW-Betreiber, der Aufsichtsbehörden und vom Bankrott des Castor-Konzepts ablenken, sagte Ehmke. Er erinnerte daran, daß bereits sechs Behälter mit Glaskokillen in La Hague zum Abtransport nach Gorleben bereitstehen. "Wir müssen dafür sorgen, daß kein weiterer Transport nach Gorleben rollt." Das "Entsorgungsfiasko" mache es notwendig, sofort den Ausstieg aus der Atomenergie in Angriff zu nehmen.  

Bearbeitet am: 29.05.1998/ad


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