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vom   23.11.1998       

Neue Runde im Endlos-Streit

Von H. Boekhoff

Bremen/Geesthacht. Bei der Suche nach der Ursache für eine Häufung von Leukämie- Fällen in der Elbmarsch scheiden sich am Atomkraftwerk Krümmel auch bei Experten die Geister. Die einen machen radioaktive Strahlung des Meilers für die ungewöhnliche Zahl von Krebserkrankungen verantwortlich. Für die anderen hat es die dazu nötigen Strahlendosen aber nie gegeben. Sicher ist: Seit 1989 sind in der Region östlich von Hamburg an der Grenze von Niedersachsen und Schleswig-Holstein zehn Kinder, ein Jugendlicher sowie zehn Erwachsene an Leukämie erkrankt. Zwei Kinder und ein Jugendlicher starben bisher. Unbestritten ist außerdem Radioaktivität als ein Risikofaktor bei Leukämie.

Um diesen Risikofaktor und die Rolle des AKW Krümmel sowie der benachbarten Gesellschaft für Kernenergieverwertung für Schiffbau und Schiffahrt (GKSS) streiten seit 1991 Wissenschaftler erbittert mit teils unversöhnlich gegeneinanderstehenden Positionen. So konnte sich auch die 1992 vom Land Schleswig-Holstein eingesetzte Leukämie- Kommission Ende letzten Jahres nicht auf eine einheitliche Bewertung der Krebsrisiko- Studie des Bundes einigen.

Diese nach ihrem Verfasser Prof. Jörg Michaelis (Universität Mainz) benannte Studie sieht kein erhöhtes Krebsrisiko für Kinder in der Umgebung von Atomkraftwerken, räumt aber die Häufung in der Elbmarsch ein. Diese sei jedoch nicht zu erklären. Eine Mehrheit der Kommmissionsmitglieder in Kiel ging dennoch davon aus, daß die bisher bekannten Studien für das AKW Krümmel als Auslöser sprechen. Eine Minderheit der Wissenschaftler teilte diese Ansicht nicht.

Nun läßt Schleswig-Holstein in einem anlagentechnischen Gutachten nach möglichen Emissionspfaden für radioaktive Stoffe außer Abwasser und Abluft suchen. Es soll ebenso wie ein weiteres strahlenbiologisches Gutachten etwa Mitte nächsten Jahres vorliegen.
Die immer wieder aufflackernde bundesweite Diskussion wird teilweise mit harten Bandagen geführt: Von"wissenschaftlichen Außenseitern und Geisterfahrern" ist da die Rede, Kommissionen würden jür die Darstellung unwissenschaftlicher Positionen mißbraucht". Mit ihrer neuen Studie im Auftrag einer Bürgerinitiative zu Plutonium-Funden in der Umgebung von Krümmel hat die ebenfalls umstrittene Bremer Wissenschaftlerin Prof. Inge Schmitz-Feuerhake nun den Streit neu angefacht.

Weitere Berichte siehe Krümmelseite

Bearbeitet am: 23.11.1998/ad


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