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vom    30.11.1998       

Eine Frage des Überlebens

dpa Cambridge/London/New York. "Dramatische Gefahren für die ganze Welt befürchtet der Software-Spezialist Ross Anderson von der der Universität Cambridge in England durch die Computerumstellung auf das Jahr 2000. Anderson sieht das Leben von Millionen Menschen in Gefahr. Der Wissenschaftler appelliert daher an die
Staatengemeinschaft, schnell Vorkehrungen zu treffen. "Eine Blitzreparatur wird nicht aus
reichen", warnt er. Regierungen  und Unternehmen wirft er vor, die Gefahren der "Jahr 2000Bombe" zu vernachlässigen.

"Bestimmte Systeme werden zusammenbrechen. Einige Staaten werden ihre Stromversorgung längere Zeit verlieren  sagt Anderson. Der Professor, dessen Fakultät sich bereits seit 20 Jahren mit dem Jahr- 2000Problem beschäftigt, schlägt Alarm: "Es ist vergleichbar mit einem Krieg - ein Problem für Regierungschefs, das ihr politisches Überleben in Frage stellen kann." Anderson verweist auf Schätzungen, die der Weltwirtschaft einen Verlust bis zu 20 Prozent voraussagen.

Turbulenzen drohten besonders Schwellenländern wie Brasilien, Südafrika oder Korea, die von importierter Technik abhängig seien. In Asien nehme nur Singapur die Risiken ernst. Für mögliche Folgen der Jahr2000-Umstellung nennt Anderson ein Beispiel: "Ein Thermostat, das die Hitzeströme in einem Kraftwerk mißt, kann beim Eintritt ins Jahr 2000 falsche Daten messen, Alarm auslösen und das Werk herunterfahren. " Ausgedehnte Pannen in der Stromversorgung, bei Verkehr und Handel könnten in einem Monat allein in Großbritannien direkt die Leben von einer Million Menschen gefährden, schätzt Anderson. "Fällt der Strom auch nur drei Tage aus, gibt es kein Bankensystem mehr."

Zu den in den USA führenden Jahr-2000-Experten zählt Edward Yardeni. Der Chefökonom der Investmentbanktochter der Deutschen Bank warnte kürzlich in einer aufsehenerregenden Studie vor einer "globalen Rezession". Die Wahrscheinlichkeit eines Konjunktureinbruchs liege nach seiner Einschätzung bei 7,0 Prozent. "Das Bruttoweltprodukt könnte um 2000 Milliarden Dollar fallen."

Es gibt allerdings auch, einen Lichtblick: die Wall Street. Ein erster Großtest der Wertpapierbranche ist im Juli dieses Jahres glatt verlaufen. Daran nahmen zwölf Börsen und 29 Investmentbanken teil. Weitere groß angelegte Tests sollen im Frühjahr 1999 folgen.

Bearbeitet am: 30.11.1998 /ad


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