ejzmini.gif (1299 Byte)
vom  16.10.1998

Kein "Atomklo", Castor rollt dennoch     

Von Ulrich Steinkohl

Hannover. Der von SPD und Grünen in Bonn vereinbarte Ausstieg aus der Atomenergie wird für Niedersachsen weitreichende Folgen haben. Zwischen Nordseeküste und Harz stehen nicht nur vier der insgesamt 19 deutschen Atomkraftwerke. Hier sollte bisher auch das Zentrum der Atommüllentsorgung für ganz Deutschland gebaut werden. Daraus wird jetzt voraussichtlich nichts werden. Die von Atomkraftgegnem seit Jahren beschworene Gefahr, Niedersachsen werde zum "Atomklo " der Republik, scheint abgewendet. Kein Wunder, daß Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) gestern die rot-grünen Ausstiegspläne zufrieden kommentierte: "Ich finde das Konzept absolut stimmig."

Betroffen ist zunächst der Salzstock Gorleben. Jüttner rechnet damit, daß die dort laufenden Bohrungen, die die Eignung als Endlager für hochradioaktiven Müll erkunden sollen, jetzt eingestellt werden. "Ich gehe davon aus, daß wir zu einem Moratorium kommen werden." Während in Gorleben die Arbeiten ruhen, sollten andere geologische Formationen hinsichtlich ihrer Eignung als Endlager untersucht werden. Am Ende würden dann die Alternativen miteinander verglichen.

Da SPD und Grüne seit langem die Meinung vertreten, daß der Salzstock für das langfristige Aufbewahren von Atommüll ungeeignet sei, scheint damit das Schicksal des Endlagers Gorleben besiegelt. Gleiches dürfte aus Jüttners Sicht auch für das zweite geplante Endlager - Schacht Konrad bei Salzgitter - gelten. Hierhin sollte nach den bisherigen Plänen schwach- und mittelradioaktiver Müll gebracht werden. SPD und Grüne wollen aber nur noch ein einziges Lager für alle Arten vom Atommüll bauen lassen. Hierfür komme aber Schacht Konrad nicht in Frage, so die Argumentation in Hannover, da er für hochradioaktiven Abfall nicht geeignet sei.

In dem jetzt mit der Atomindustrie angestrebten Konsens über den Atomausstieg will Jüttner schließlich auch einen Verzicht auf die Pilotkonditionierungsanlage in Gorleben erreichen. Mit ihr soll Atommüll für die Endlagerung vorbereitet werden. Zwar wird der Umweltminister aus rechtlichen Gründen 1999 vermutlich die letzte Teilerrichtungsgenehmigung geben müssen. Er will aber verhindern, daß die Anlage jemals in Betrieb genommen wird. "Ich werde alles tun, damit es dazu nicht kommt. Und ich glaube, meine Karten sind besser geworden in den letzten zwei bis drei Wochen."
Bleibt das Zwischenlager in Gorleben, in dem derzeit acht Castor-Behälter stehen. Selbst wenn aus den deutschen Atomkraftwerken keine mehr hinzukommen sollten, drohen doch weitere Transporte aus der Wiederaufarbeitung in La Hague und Sellafield. Zur Rücknahme dieses Atommülls ist Deutschland völkerrechtlich verpflichtet, Zwar hatte Niedersachsens künftiger Ministerpräsident Gerhard Glogowski (SPD) jüngst erklärt: "Ich möchte hier in Niedersachsen keinen Castor mehr haben. " Das sei "alles verhandelbar". Doch Jüttner war vorsichtiger. Weitere Tränsporte ließen sich "ernsthafterweise nicht ausschließen".

Und: "Daß das Wort Atom in Gorleben vollständig zum Fremdwort wird, das glaube ich nicht."

Bearbeitet am:16.10.1998  /ad


zurück zur Homepage