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vom  16.10.1998

Proteste seit den Siebzigern         

Hamburg. Proteste gegen die friedliche Nutzung von Atomkraft hatte es in Deutschland bis Mitte der siebziger Jahre nur von Seiten versprengter Bürgerinitiativen gegeben. Skepsis gegenüber der Sicherheit von Atomkraftwerken und das Problem der Lagerung von Atommüll lösten in Deutschland von 1974 an erste größere Protestaktionen mit mehreren tausend Atomkraftgegnem aus. 1977 demonstrierten schon 15 000 Menschen in Gorleben gegen die atomaren Entsorgungsanlagen.

RÜCKBLICK

1979 ereignete sich im USamerikanischen Harrisburg der erste große Reaktorunfall, der die Welt erschütterte. Nach einem Störfall entwich eine radioaktive Wolke, 200 000 Menschen mußten evakuiert werden. Unter dem Eindruck dieses Atomunfalls wurde der Widerstand gegen den Bau eines Atomkraftwerkes im südbadischen Whyl zur Initialzündung für die Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland.

Unter dem Motto "Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv" und "Atomkraft Nein, Danke!" sollten in den kommenden 20 Jahren zahlreiche, teils gewalttätige Demonstrationen landauf und landab starten.

Fernsehbilder von "AntiAtom-Dörfern" und Sitzblokkaden mit wütenden Atom
kraftgegnern, aber auch vermummten Steinewerfern flimmerten fortan durch bundes
deutsche Wohnzimmer.
Schauplätze waren Kraftwerksstandorte wie Brokdorf, Wakkersdorf, Kalkar oder
Krümmel.

1979 erreichte die Anti-AKW-Bewegung mit einer Demonstration in Bonn, an der Laut
Bundesverband Bürgerinitiativen Umwelt 150 000 Menschen teilnahmen, einen Höhepunkt.
Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 änderten die damals oppositionellen Sozialdemokraten ihre Haltung zur Atomenergie. Noch im selben Jahr beschloß ein Parteitag den langfristigen Ausstieg aus der Atomkraft, den Zeitpunkt für den "Einstieg in den Ausstieg" ließ die SPD aber offen. Die Regierungsparteien CDU/ CSU und FDP hielten dagegen an der Atomenergie fest.

Die Grünen, von Atomkraftgegnern mitgegründet, trugen den Widerstand von Ende der siebziger Jahre an in die Kornmunalparlamente, später in die Landtage und von 1983 an auch in den Bundestag. Der sofortige Ausstieg aus der Atomenergie bildete von Beginn an eine tragende Programmsäule der Grünen. Die Grünen-Bundesversaminlung in Mannheim legte 1994 fest, daß innerhalb von zwei Jahren alle Atomkraftwerke stillgelegt werden müssen.

Der Widerstand ging weiter: In den achtziger Jahren verlagerte sich der Protest mehr und mehr auf den Transport von Atommüll und die Einrichtung von End- und Zwischenlagem., Einen. weiteren Höhepunkt erreichte die Anti-Atom-Proteste 1997 in Gorleben, als ein Atommülltransport mit dem größten Polizeiaufgebot in der Geschichte der Bundesrepublik
durchgesetzt wurde. dpa

Bearbeitet am:  16.10.1998 /ad


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