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vom    22.10.1998

"N3-aktuell"-Sendung zum Atomausstieg gestern auf Lüchower Marktplatz aufgezeichnet
Angst vor zuviel, Angst vor zuwenig

el Lüchow. Der Atomausstiegsbeschluß der rot-grünen Bundestagskoalition treibt seltsame Blüten. Erstmals überhaupt in der Gorleben-Geschichte demonstrieten gestern Atomkraftgegner und Gorleben-Bedienstete "Seit an Seit" , wenn auch aus unterschiedlicher Motivation, gegen eine politische Entscheidung.

Kaum hat die rot-grüne Koalition also das eingetütet, was vorher zu erwarten war, da setzt lauthals das Geschrei von allen Seiten ein. Und beide Seiten haben Angst: Den einen geht der Entschluß zu weit, man fürchtet um die Existenz; den anderen geht das rot-grüne Ausstiegsmenü nicht weit genug. Der Streit um den rot-grünen Kompromiß fand gestern eine Fortsetzung auf dem Lüchower Marktplatz. Dort zeichnete das NDR-Fernsehen einen aktuellen Beitrag auf, der abends auf N 3 zu sehen war. Der Titel: "Atomkraft nein danke! Aber wann und wie?"

Mehrere Gorlebener Bergleute waren erschienen und machten mit Plakaten ihrem Unmut Luft: "Ohne Untersuchung keine Aussage zum Standort Gorleben", war da zu lesen. Vor einem zu schleppenden Ausstieg warnten dagegen Spruchbänder der Gorleben-Gegner, die "Ausstieg jetzt" forderten.

Die Bergleute fürchten um ihre Arbeitsplätze und ihre Existenz. Uwe Müller und Axel Frohn vom Betriebsrat forderten, daß man im Gorlebener Erkundungsbergwerk bis 2003 weitererkunden müsse, um überhaupt zu Ergebnissen zu kommen. Frohn: "Wir haben kein Verständnis für Leute, die jetzt schon sagen, der Salzstock ist ungeeignet." Nach seinen Angaben sind 832 Arbeitsplätze in Gorleben gefärdet. Und Müller appellierte an die Politik
zwar auch an anderen Standorten zu forschen - "aber lassen Sie uns in Gorleben bis 2003
Ergebnisse zusammentragen".

Skeptisch äußerte sich BIVorsitzende Susanne Kamien zu den rot-grünen Ausstiegsplänen. Sie habe nicht die Hoffnung, daß sich viel in Gorleben dadurch ändern werde, sagte Kamien vor laufenden Kameras: "Wir bereiten uns auf die nächsten 22 Jahre Widerstand vor." Auch Heinz Laing von Greenpeace äußerte sich kritisch darüber, daß es keine Fristen für den Ausstieg gebe. Er glaubt nicht an eine Einigung mit der Industrie, bezeichnet es als "schwammig", was mit den Gorleben-Anlagen und weiteren Transporten geschehen soll.
Positive Bewertungen gab es vor allem von der Grünen -Landtagsabgeordneten Rebecca Harms und der ehemaligen Landesumweltministerin Monika Griefahn (SPD). Ihre Meinung ist, daß "sich alle darauf einstellen werden", daß der Ausstieg unurnkehrbar ist".

Und Harms sieht "viel Gutes" in dem neuen Entsorgungskonzept. Trittin werde sich als Umweltminister schon "richtig ins Zeug" legen, um ein Moratorium für das Gorlebener Endlager durchzusetzen. Und Landrat Christian Zühlke (SPD) ist froh, daß man beim Ausstieg jetzt einen Schritt weitergekommen sei.

Eine"Mogelpackung" nannte CDU-MdL Klaus Wojahn den Ausstiegsbeschluß. Er stelle weder den Widerstand zufrieden noch diejenigen, die sich für eine vernünftige Entsorgung einsetzten. Für ihn wird die Entsorgungsfrage damit auf viele Generationen vertagt. Er warnte: "Wenn wir zu schnell abschalten, sind viele Arbeitsplätze gefährdet, nicht nur in Gorleben." Johannes Altmeppen von den Hamburger Elekrizitätswerken kündigte an, daß sich die Industrie konstruktiv an den Konsensgeprächen beteiligen werde. Für die Entsorgung gelte es aber auch internationale Abkommen einzuhalten.

Bearbeitet am: 22.10.1998/ad


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