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vom    12.09.1998

Räte baten zur Castor-Diskussion - Bundesumweltministerium zu Messungen:
Eisenbahnamt soll Daten herausgeben     

jg Dannenberg. Pfiffeund Buhs ertönten Donnerstag abend in der sonst sachlich und diszipliniert verlaufenden Castor-Diskussion in Dannenberg, als Bürgermeister Bernard Fathmann mitteilte: Das EisenbahnBundesamt werde der Samtgemeinde keine Meßdaten von Castor-Behältern zur Verfügung stellen. Die Behörde argumentiert, sie sei zur Wahrung des Amtsgeheimnisses verpflichtet. Ob das Amt seine Meßprotokolle weiter hinter dieser Aussage verstecken kann, scheint mehr als fraglich zu sein, denn: Das Bundesumweltministerium (BMU) hat das Eisenbahnamt angewiesen, die ab 1995 erhobenen Meßwerte zu den Atommüllbehältern herauszugeben.

Verankert ist dies in einem Zehn-Punkte-Programm, welches das Merkel-Ministerium angesichts des KontaminationsSkandals vom Frühjahr erarbeitet hat. Über dieses Papier informierte Dr. Herbert Dreisvogt vom BMU als Mitglied des Podiums, das im vollbesetzten Saal des Hotels "Alte Post" im Rahmen einer Ratssitzung von Stadt und Samtgemeinde Dannenberg diskutierte. Wie die EJZ gestern vom stellvertretenden Dannenberger Stadtdirektor Martin Schultz erfuhr, sind bereits Schritte in die Wege geleitet worden, um das Eisenbahnamt zur Übermittlung der bislang unter Verschluß gehaltenen Daten zu veranlassen.

BMU-Vertreter Dreisvogt berichtete, die Nachricht von der Behälterkontamination sei seinerzeit im Ministerium" eingeschlagen wie eine Bombe". Das erwähnte Programm, das technische und organisatorische Vorkehrungen beinhaltet, solle eine Wiederholung solch eines Geschehens verhindern. Solange die Ursache der Kontamination nicht vollständig geklärt ist und das Informationssystem in puncto Castor-Belastung nicht wesentlich verbessert sei, "gilt der Stop der BrennelementeTransporte".

Unklar ist nach wie vor die Ursache der im Frühjahr entdeckten Oberflächenkontamination, wie Wolfgang Neumann von der Gruppe Ökologie darstellte. Denkbar sei unter anderem, daß durch die starke Neutronenstrahlung der im Castor liegenden Brennelemente "Aktivierungsprozesse an der Oberfläche stattfinden".

Gegen das Vorhaben, die Abwicklung in die Hände von Atomkraft-Betreibern zu legen, wandte sich Helmut Hirsch von Greenpeace. Trüge beispielsweise die Cogema die TransportVerantwortung, so hieße das "den Bock zum Gärtner zu machen". Kritik an der BehälterPrüfvorschrift trug DiplomPhysiker Udo Jentzsch aus Tießau vor. Rechtliche Bedenken zur Zulässigkeit der Transporte mit einer sich summierenden Strahlenbelastung, formulierte Rechtsanwalt Nikolaus Piontek aus Hamburg: nur zwei von vielen Punkten, die - teils in wissenschaftlichem Duktus während der dreieinhalbstündiizen Diskussion erörtert wurden. Angesprochen auch: die Meinung des Nuklearmediziners Professor Kuni, bei der Bewertung von Neutronenstrahlung, die von Castoren ausgehen und sich auf den Menschen auswirken, würden zu niedrige Faktoren angesetzt. Dr. Heimlich vom Bundesamt für Strahlenschutz bezeichnete dies als eine "Einzelmeinung", worauf Helmut Hirsch versuchte, die wissenschaftliche Kompetenz Kuni's zu verdeutlichen. Und, so mahnte der Greenpeace-Aktivist in Richtung Bundesamt: "Wir dürfen erwarten, daß Sie sich ernsthaft mit der Position Professor Kunis auseinandersetzen."

Bearbeitet am: 12.09.1998/ad


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