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vom 22.10.2003 

Greenpeace: Protest am Castor-Kran

Riesen-Transparent befestigt

gel Breese/Marsch. »Mit so einer Aktion musste man ja rechnen», murmelt ein Polizist im Vorbeigehen. Überraschend war es also nicht, dass sich die Umweltschutzorganisation Greenpeace im Vorfeld des nächsten Castoren-Transportes nach Gorleben mit einer spektakulären Aktion zu Wort gemeldet hat.

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Greenpeace-Protest am Castor-Verladekran in Breese/Marsch: Die Gorleben-Gegner ließen gestern Vormittag von der Umhausung ein Riesen-Transparent herab. Gefordert wird die Aufgabe des möglichen Endlager-Standortes Gorleben sowie ein Stopp der Castor-Transporte ins Zwischenlager. 2 Aufn.: J. Feuerriegel

Bild 1308539 Vom Dach der Umhausung des Castor-Verladekrans in Breese/Marsch haben die Greenpeace-Leute gestern Vormittag ein 63 Quadratmeter großes Transparent herabgelassen. Die Botschaft: »Erst wenn der letzte Tropfen Grundwasser verstrahlt ist, werdet ihr feststellen, dass Gorleben kein sicheres Endlager für Atommüll ist - Stopp Castor». »Der Salzstock in Gorleben ist geologisch für die Lagerung von Atommüll völlig ungeeignet», sagt Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler. Gegenüber der EJZ betonte er, dass man mit dieser Aktion ganz bewusst das ungelöste Problem mit der Atommüll-Endlagerung in den Mittelpunkt rücken wolle. Die 20 Greenpeace-Aktivisten waren gegen 9 Uhr mit einem Hebekran-Lkw vor das Verladekran-Gelände gefahren. Vier Umweltschützer gelangten auf das Dach, von wo aus sie später das Riesen-Transparent herab-ließen. Mit der Aktion wird die Bundesregierung aufgefordert, die Castor-Transporte nach Gorleben zu beenden, den »unsicheren» Salzstock Gorleben als Standort für ein Atommüll-Lager aufzugeben und mit der Suche nach einem alternativen Standort zu beginnen. Bundesgrenzschutz-Beamte stiegen gegen Mittag über einen Drehleiterwagen einer Feuerwehr aus dem Uelzener Raum auf das Dach und begleiteten die Greenpeacler herunter. Das Transparent wurde entfernt. Zu Zwischenfällen kam es nicht. Die ganze Aktion sei »ruhig und sinnig» abgelaufen, so ein BGS-Sprecher. Die Zwischenlager-Betreiberin BLG hat Strafanzeige erstattet: wegen Hausfriedensbruches. Die zwölf Greenpeacler, die auf das Gelände und auf das Dach gelangt waren, müssen nun mit einem Verfahren rechnen. »Wenn die Bundesregierung in Gorleben Atommüll vergräbt, setzt sie die Trinkwasserversorgung kommender Generationen aufs Spiel», spannt Mathias Edler den Bogen zu dem Spruch auf dem Riesen-Transparent. Der Salzstock in Gorleben sei nicht komplett vom Wasserkreislauf getrennt; radioaktive Partikel könnten langfristig ins Grundwasser gelangen, befürchten die Gorleben-Gegner. Sollten Menschen dieses Wasser dann trinken, könnten sie innerlich verstrahlt werden. Greenpeace erinnert daran, dass Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) 1977 den Standort Gorleben aus rein politischen Erwägungen ins Spiel gebracht habe. Bereits 1981 hätten Wissenschaftler festgestellt, dass sich über dem Salzstock Gorleben keine durchgehende wasserdichte Tonschicht befinde. Für Greenpeace bedeutet dies klipp und klar: Zwischen Salz und Grundwasser gebe es keine geologische Schranke. Dennoch habe man an dem Standort Gorleben festgehalten und weitere Tatsachen geschaffen: Seit 1995 lagern beispielsweise hochradioaktive Castor-Behälter in dem benachbarten Atomzwischenlager. Voraussichtlich am 11./12. November sollen die nächsten zwölf Castor-Behälter aus der französischen Wiederaufarbeitung nach Gorleben kommen. Und Mathias Edler warnt: »Jeder weitere Castor im Zwischenlager Gorleben erhöht das Risiko, dass auch das geplante Endlager dort in Betrieb genommen wird -mit unkalkulierbaren Risiken für die Region.»

Der Bundesgrenzschutz sei auf eine solche Protestaktion irgendwann zum jetzigen Zeitpunkt eingestellt gewesen, sagte ein BGS-Sprecher gestern der EJZ. Denn auch Greenpeace sei klar, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt eine solche Aktion wie gestern wegen massiver Sicherungsmaßnahmen gar nicht mehr möglich sein werde.

Bearbeitet am: 22.10.2003/ad


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