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vom 01.11.2008

Gorleben »mit Sicherheit unsicher»

Robin-Wood-Aktivisten blockieren Zufahrt zum Gorlebener Erkundungsbergwerk - SPD-Aufruf zu »friedlichen Castor-Protesten»

rg Gorleben. Spektakuläre Protest-Aktionen gehören seit Jahren zum Vorfeld der Atommüll-Transporte nach Gorleben. Dieses Jahr macht keine Ausnahme: Mit zeitgleich in Gorleben, Berlin und bei Wolfenbüttel gestarteten Aktionen haben gestern Aktivisten der Umweltschutz-Organisation Ro-bin Wood ihren Protest gegen den Atommüll-Transport nach Gorleben, das dort geplante Endlager und gegen die Atompolitik im Allgemeinen kundgetan.

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Bild: "Gorleben - mit Sicherheit unsicher" stand auf einem Transparent, mit dem gestern am Erkundungsbergwerk in Gorleben protestiert wurde: Robin-Wood-Aktivisten bauten eine Mauer vor einem Ein- gangstor. Zeitgleich fanden Aktionen in Berlin und an der Asse statt. Aufn.: Lowin

In Gorleben bauten die Aktivisten aus Leichtbeton-Steinen eine Mauer vor einer der Einfahrten zum Gelände des Erkundungsbergwerkes. Damit sollte das »Forschungsbergwerk symbolisch blockiert» werden, so ein Sprecher der Organisation. Robin-Wood beendete die Aktion nach rund 90 Minuten und baute die Mauer wieder ab. Die Polizei schritt nicht ein, stellte lediglich die Personalien der Blockierer fest und beschränkte sich ansonsten auf die Sicherung der Aktion. »Wir hatten einen freundlichen Kontakt zu den Beamten», betonte ein Sprecher der achtköpfigen Gruppe. Schließlich sei man ja Robin Wood, und »wir bleiben immer friedlich.»

In Berlin seilten sich zeitgleich mit der Aktion in Gorleben Aktivisten auf das Dach des Logenhauses ab, in dem derzeit das Endlager-Symposium stattfindet. Über dem Haupteingang des Gebäudes entrollten sie ein Transparent mit der Aufschrift: »Atommüll-Lager Gorleben - mit Sicherheit unsicher». In Salzgitter kletterten Robin-Wood-Leute auf einen Förderturm des Bergwerkes Asse und befestigten auch dort ein Transparent. Mit den Aktionen wolle man auf die Parallelen zwischen dem absaufenden Endlager Asse und dem geplanten Endlager in Gorleben aufmerksam machen, so ein Sprecher der Organisation. Aus dem »Asse-Desaster müssen Konsequenzen für Gorleben gezogen werden», mahnte die Organisation an. Das Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall Asse bei Wolfenbüttel nutzt - genau wie das Erkundungsbergwerk in Gorleben - Steinsalz als Endlagermedium. Vor einiger Zeit wurde bekannt, dass dort Lauge in das Endlager eindringt und offenbar einige der dort gelagerten Atommüll-Behälter undicht sind und radioaktiv verseuchte Lauge durch den Salzstock sickert.

Unterdessen hat die Anti-Atom-Initiative X-tausendmal-quer das Endlager-Symposium kritisiert. Bundesumweltminister Siegmar Gabriel (SPD) irre, wenn er »meint, das Atommüll-Problem lösen zu können, indem er sich für eine von mehreren ungeeigneten Lagervarianten entscheidet», so Jochen Stay, Sprecher der Initiative. Neben dem Salzbergwerk Asse sei auch das »Lügengebäude von der gesicherten Entsorgung massiv einsturzgefährdet», betonte Stay. »Die bisherigen gescheiterten Endlager-Versuche in Morsleben und Asse haben doch gerade bewiesen, wie sinnlos und gefährlich es ist, wenn man einfach irgendeinen Standort für sicher erklärt, nur weil man keinen besseren findet.» Beim Endlager-Symposium, zu dem Gabriel eingeladen hatte, soll über internationale Sicherheits-Anforderungen für die Endlagerung von Atommüll informiert und geredet werden.

Im Vorfeld der zu erwartenden Proteste gegen den bevorstehenden Atommüll-Transport nach Gorleben hat die SPD dazu aufgerufen, die »Chancen des Endlager-Symposiums zu nutzen». Mit der Veranstaltung bestehe zum ersten mal seit Jahren die Chance, die »festgefahrenen Fronten bei der Endlagersuche» wieder in Bewegung zu bringen, so der Vorsitzende des SPD-Unterbezirkes Uelzen/Lüchow-Dannenberg, Klaus-Peter Dehde. Die Mitglieder des Unterbezirkes Uelzen/Lüchow-Dannenberg rufe er zur Teilnahme an den friedlichen Protesten gegen den Atommüll-Transport nach Gorleben auf, so Dehde in einer schriftlichen Stellungnahme.

Bearbeitet am: 01.11.2008/ad


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