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vom 01.11.2008

Viele Castor-,,Fachbesucher"

Polizeidirektion Lüneburg organisiert eigens Begleit-Service

Von Peter Mlodoch

Gorleben. Der bevorstehende Castor-Transport nach Gorleben lockt nicht nur Atomgegner ins Wendland. Auch „Fachbesucher" aus ganz Europa kündigen sich an, um das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Tausenden von Polizisten und Demonstranten zu beobachten. Die Polizei hat einen Betreuungsservice für Kollegen aus dem Ausland sowie heimische Parlamentarier eingerichtet.

Wenn voraussichtlich am 9. November die Atommüll-Fuhre aus Frankreich in den Verladebahnhof Dannenberg einrollt, sind neben hohen Beamten aus mehreren Bundesländern auch Polizeidelegationen aus Kroatien, Ungarn und der Schweiz dabei. Sie wollen sich vor Ort ein Bild vom Einsatz machen, um daraus Erkenntnisse für ähnliche Großlagen in. ihrer Heimat zu gewinnen.

Ebenfalls mit von der Partie sind 24 Abgeordnete aus dem Landtag - aus allen fünf Fraktionen und auf Einladung des Innenministeriums. Sie sollen und wollen gewappnet sein, falls das Geschehen rund um Gorleben ein parlamentarisches Nachspiel auslöst. „Das kann ja auch in die Hose gehen und eskalieren", meint CDU-Innenexperte Hans-Christian Biallas, der inzwischen eine Art Dauerbeobachter im Wendland ist.

Um die politischen und polizeilichen Besucher kümmert sich unter Leitung von Polizeioberrätin Petra Krischker die zehnköpfige Gruppe „Betreuung und Information von Gästen" (BIG) der Polizeidirektion Lüneburg. Sie vermittelt Hotelunterkünfte, sie sorgt für Verpflegung aus der Feldküche, sie fährt die beamteten und parlamentarischen Beobachter in drei zivilen Kleinbussen zu den Brennpunkten des Einsatzes.

Das Wort „Demo-Tourismus" möchte Petra Krischker nicht hören. „Das ist nicht die Zielrichtung." Für eine Bespaßung der Gäste sei der Anlass viel zu ernst. Es gehe vielmehr darum, fachbezogene Besucher über den Einsatz zu informieren und ihnen die Gelegenheit zu einer eigenen Bewertung der Abläufe zu geben. Dabei könne man auch sehr nah an die Auseinandersetzungen . zwischen Polizei und Blockierern geraten. Eines stellt die Betreuerin von vornherein klar. „Der Einsatz geht immer vor."

Im Innenministerium in Hannover betrachtet man dennoch die wachsende Zahl an Gästen mit gemischten Gefühlen. Die Rundum-Fürsorge binden zu viele Kräfte, heißt es dort. Außerdem schüttelt man über so manchen Sonderwunsch der Abgeordneten den Kopf.

„Alles offenbaren die natürlich nicht", glaubt Grünen-Parlamentarier Ralf Briese, der bereits bei den drei vergangenen Castor-Transporten den BIGService genutzt hat. „Klar gab es den einen oder anderen Konflikt", beschwert sich CDU-Mann Biallas darüber, dass er nicht immer rechtzeitig zu einer Prügelei gekarrt worden war. In diesem Jahr will der Pastor auf die Betreuung denn auch verzichten.

„Es gibt keinen Anlass, einen Ort nicht aufzusuchen", weist dagegen Petra Krischker den Verdacht zurück, man wolle bestimmte Dinge nicht zeigen. Wenn die Gäste nicht rechtzeitig zu einer Auflösung einer Blockade gekommen seien, habe dies nur an logistischen Gründen gelegen: „Die Wege im Wendland können sehr, sehr weit sein."

Bearbeitet am: 01.11.2008/ad


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