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vom 11.10.2008

Die »Verschwörung der Zwerge»

Castor-Gegner wollen sich im November dem Atommüll-Transport mit neuen Aktionen in den Weg stellen

rg Breselenz. Ob »Optimismus» im Zusammenhang mit dem Anfang November zu erwartenden Atommüll-Transport nach Gorleben und dem Protest dagegen das richtige Wort ist, darüber kann man diskutieren. Doch genau das ist es, was die Widerstandsszene derzeit ausstrahlt: Optimismus.

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Bild: Gut aufgelegt präsentierte Willem Wittstamm am Donnerstagabend im Breselenzer "Lindenhof" den Fahrplan für den bevorstehenden Atommüll-Transport und den Protest dagegen. Und auch die "Stellvertreter"-Puppen wurden der Öffentlichkeit vorgestellt. Aufn.: R. Groß

Das ist an diesem Abend auch im Breselenzer »Lindenhof» zu spüren. Die Widerstands-Organisationen haben eingeladen, um ihren Protest-Fahrplan für die kommenden Wochen vorzustellen, und weit mehr als hundert Interessierte sind gekommen, um sich zu informieren, auszutauschen und für den »Tag X» zu verabreden. Und eines ist allen klar: Es wird ein besonderer Castor-Transport, ein besonderer Protest - wegen des Skandals um das absaufende Atommüll-Endlager Asse II und der angeblichen Renaissance der Atomkraft. Zeitgeschichtliche Steilvorlagen von Bund und Land für den aktuellen Protest im Wendland.

Dass etwas in der Luft liegt, merkt derzeit vor allem die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI), erzählt Edelgard Gräfer. »Bei uns im BI-Büro steht das Telefon nicht still. Aus ganz Deutschland rufen Leute an, viele wollen im November herkommen, um zu demonstrieren.» Und so rechne man auch damit, dass der Protest in diesem Jahr größer sein werde als in den vergangenen Jahren, dass sich mehr Menschen an Aktionen beteiligen, mehr Auswärtige, aber auch mehr Lüchow-Dannenberger. Weil Gorleben - wieder - zum Stellvertreter-Schauplatz wer-den könnte, wie einst, als der Castor-Protest in Lüchow-Dannenberg zum Fanal des Kampfes gegen die Atomkraft an sich wurde und viele Tausend sich im Wendland quer stellten. Weil Atom und Atommüll wieder Thema sind.

Den hohen Erwartungen der Widerstands-Szene trägt auch das Programm des diesjährigen Protestes Rechnung. Umfangreich ist es, kreativ, vielfältig. Neue Aktionsformen sind geplant, teilweise auch schon »in der Realisierungsphase», betont der Moderator des Abends, Willem Wittstamm. Ein zentrales Thema sollen in diesem Jahr so- genannte Stellvertreter sein: lebensgroße Puppen, die »bei den Demos alles das machen können, was wir nicht dürfen», sagt Wittstamm, in der Szene auch »Mister X» genannt. Die Puppen werden derzeit vielerorts gebas-telt, es gibt Lehrgänge und Workshops, und am Ende sollen es einige hundert sein, die dann »beim Protest mitmachen». Wie genau, wird noch überlegt.

In Hitzacker, erzählt Jens Magerl, hat sich »eine Untergrundbewegung» gebildet: »Die Verschwörung der Zwerge». Mit blauen Zipfelmützen und ihrem Symbol, einem Zwerg mit Spitzhacke und einem X, werde man sich am Transport-Tag vom Camp in Hitzacker aus »dem Castor in den Weg setzen», erläuterte Magerl. »Gemeinsam sind wir das Salz in der Suppe und im Getriebe.» Regen Zulauf habe derzeit der »WidersTanz» in Metzingen, berichtet Martin Nesemann vom dortigen »widerStandsNest». Seit dem vergangenen Wochen-ende gebe es die Aktion, und sie soll jeden Sonntag bis zum Transport weitergehen, »Immer wieder sonntags, immer ab zwei». Morgen soll in Hitzacker auf der Schiene an der Freien Schule getanzt werden, und am 26. Ok-tober werde es einen »Mannschafts-Dreitanz mit Pferden, Traktoren und Fahrrädern» am Bahnübergang Grünhagen geben. Ziel der »Tanz-Stunden» sei eine große Schienenblockade.

Wiederauferstehen soll in diesem Jahr auch die »Republik Freies Wendland», in Form eines echten Dorfes - gebaut aus Strohballen und mitinitiiert von Heinrich Kranz, dem Inhaber des Lüchower »Stoff-Kontors». In Gedelitz soll die Republik aus Brennessel-Stroh entstehen, auch »als Ort für alle, die sich vielleicht nicht trauen, sich auf die Straße zu setzen». Und es soll ein Ort sein, wo »wir das Volk sind, in Zeiten, wo unsere Rechte eingeschränkt werden».

Bearbeitet am: 11.10.2008/ad


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