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vom 25.10.2008

Andere Praxis »wünschenswert»

Atomausschuss informierte sich über neue Behältertypen für hochradioaktive Abfälle

fk Lüchow. In einem waren sich Zwischenlager-Betreiber und Castor-Gegner am Donnerstag in der Sitzung des Kreistag-Atomausschusses ei-nig: Besser wäre es, wenn die Testversuche bei der Zulassung neuer Behälter für hochradio-aktive Abfälle mit den Originalbehältern vorgenommen würden. Das fordern Kritiker seit vielen Jahren.

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Bild: Einen Probetransport gab es schon mit dem französischen Behältertyp TN 85 nach Gorleben. Die Mitglieder des Kreisatomausschusses ließen sich jetzt über den Behälter informieren. Aufn.: R. Groß

Bisher werden die Versuche mit umstürzenden oder fallenden Behältern dagegen lediglich mit maßstabsgetreuen Modellen im Verhältnis 1:2 oder 1:3 vorgenommen. In der Ausschusssitzung stimmten Dr. Reinhard König, Geschäftsführer des Zwischenlager-Betreibers BLG, und Wolfgang Neumann von der Gruppe Ökologie darin überein, dass schon aus Akzeptanzgründen eine Abkehr von der heutigen Praxis wünschenswert wäre.

Der Atomausschuss hatte Vertreter der BLG und des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) geladen. Sie sollten die Kreistagsabgeordneten über die Behältertypen TN 85 und HAW 28M informieren. Der eine ist bereits genehmigt. Bei dem anderen sei das »Zulassungsverfahren weit fortgeschritten», erklärte BLG-Vertreter Andre Vossnacke. Der HAW-Behälter erhalte in seiner neuen Version eine verbesserte Neutronenabschirmung.

Für das Prüfverfahren gelten die Bestimmungen der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA), erklärte Dr. Reiche vom BfS. Bisher sei nachgewiesen worden, dass die Behälter »unter allen Bedingungen» die Dosisgrenzwerte einhalten. Wolfgang Neumann, einer der Wissenschaftler, auf die sich die Atomkraftgegner seit Jahrzehnten beziehen, wies auf die Rolle der IAEA hin. Die sei keine neutrale Behörde. Ihr Zweck sei die Verbreitung der Atomenergie.

Neumann räumte ein, dass es in den vergangenen Jahrzehnten Verbesserungen bei den Lager- und Transportbehältern für hochradioaktive Abfallstoffe gegeben hat. Aber außer der Verwendung von verkleinerten Modellen bei der Erprobung führte er auch andere Kritikpunkte an. Unterlagen des BfS über Brandversuche seien nicht zu bekommen. Überhaupt beschränke sich die Informationspolitik von Herstellern und Genehmigungsbehörden auf das Notwendigste. Informationen, die für Gerichtsverfahren relevant seien könnten, erführen die Kritiker nicht. Unterlagen würden geschwärzt. Neumann behauptete, es gebe Vorwürfe des Bundesamtes für Materialprüfung (BAM) gegen die Hersteller. Die hätten Versuchsmodelle geändert, um bestimmte Ergebnisse zu erreichen.

BLG-Geschäftsführer König verwies auf Internetinformationen über die die strittigen Punkte. Versuche mit Behältern in der Größe 1:1 seien nicht aus Sicherheitsgründen nötig. Das BAM habe dem Oberverwaltungsgericht plausibel gemacht, dass solche Versuche nicht sinnvoll seien. König sprach von »Show-Veranstaltungen». Allerdings sprach er sich aus Akzeptanzgründen für Versuche mit Behältern in Originalgröße aus. Unterlagen über die Notwendigkeiten in Verwaltungsgerichtsverfahren hinaus öffentlich zu machen, lehnte König ab. Die Behälter und ihr Zulassungsverfahren erfüllten internationale anerkannte Anforderungen.

Das reichte Kurt Herzog (GLW) nicht. Auch die Ratings für die Bonität von Banken galten als anerkannte internationale Verfahren, meinte er. Udo Jentsch (GLW) kritisierte fehlende Angaben zu Brandversu- chen.

Bearbeitet am: 25.10.2008/ad


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