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vom 22.12.2010

»Polizei hat auf Kritik von außen reagiert»

Pastorinnen und Pastoren legen dem Landessuperintendenten ihre Berichte zum Castor-Transport vor

lr Lüchow/Lüneburg. »Wir haben noch nie so viele Demonstrierende erlebt, die so lange und beharrlich für ihre Überzeugung eingetreten sind. Und wir haben noch nie so viele Polizeibeamte jeglichen Dienstgrades mit einer so hohen Zustimmung für das Anliegen des Protestes gesehen.

» So heißt es im Fazit der Berichte von Pastoren und kirchlichen Mitarbeitern aus dem Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg zum Castor-Transport im November. Lüchows Propst Stephan Wichert-von Holten sowie die Pastoren Klaus-Markus Kühnel und Michael Gierow übergaben die 32-seitige Broschüre in Lüneburg an den Landessuperintendenten und Bischofsvikar Hans-Hermann Jantzen.

In seinem Resümee erinnert Wichert-von Holten an die zum Teil 26 Stunden und länger dauernden Dienstzeiten der Polizeibeamten: »Neben der mangelnden Fürsorge sehen wir auch die Gefahren, die von Kurzschlusshandlungen von kräftemäßig vollkommen überforderten Beamten ausgehen können.» Zu-dem hätten die Seelsorger wie beim Transport vor zwei Jahren einen »deutlichen Unterschied» zwischen Landes- und Bundespolizei im Umgang mit Demonstrierenden feststellen müssen: »Bei den Landespolizeieinheiten hatten wir den Eindruck, dass sie sich auch als rechtsstaatliche Begleiter des Demonstrationsrechtes verstehen», bilanziert der Propst. Die Bundespolizei dagegen sei augenscheinlich vor allem »auftragsfokussiert auf die Einbringung der Castoren gerichtet» gewesen.

Die Seelsorger waren von der Schülerdemo an bis zur Räumung der Blockade vor dem Zwischenlager an vielen Punkten der Auseinandersetzung dabei: im »inhaftierten Dorf» Quickborn, in Leitstade, immer wieder in Harlingen, in Grippel, Laase und Gorleben. Sie haben notiert, was sie sahen und hörten, gewalttätige Ausreißer waren eher selten darunter. Vielfach beobachteten sie ein »Zusammenwirken von Demonstrierenden und Polizei», letztere »haben ihr Vorgehen im Großen und Ganzen auf die Friedfertigkeit der Demonstranten eingestellt, den Einsatz ihrer Zwangsmittel entsprechend begrenzt und diese Entscheidung durchgehalten», heißt es im Fazit der Seelsorger: »Die Polizei hat auf Kritik von außen reagiert und sich auch selbst korrigiert.» Gleichzeitig bleibt für die Pastoren angesichts der Berichte über härteres Zugreifen der Polizei eine Frage: »Unterscheidet sich das Verhalten, wenn wir als Seelsorger in den weißen Westen erkennbar vor Ort sind, von dem Verhalten, wenn wir nicht anwesend sind?»

»Durch die politische Zuspitzung des Konflikts um ein mögliches Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Gorleben hat sich zwischen allen Beteiligten vor Ort ein verbindendes Moment ergeben», sagte Jantzen, der den Einsatz der Seel-sorger während des Transports zwei Tage und Nächte lang begleitet hatte. »Von hier aus muss endlich das Signal nach Berlin gehen, dass es so nicht geht», kritisierte der stellvertretende Landesbischof die Wiederaufnahme der Erkundung des Bergwerks in Gorleben. »Mit dem neuen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, sehen wir eine gute Möglichkeit, im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die kirchliche Position zu vermitteln», so Jantzen. Dessen unbeschadet, werde sich die Kirchenleitung der Hannoverschen Landeskirche einem seit einiger Zeit erwarteten Gespräch auf Einladung von Bundesumweltminister Norbert Röttgen nicht verweigern.

Seine Anerkennung und sein Dank gelten den beteiligten Seelsorgern, betonte Jantzen. Auch die ständige Erreichbarkeit der Seelsorge-Zentrale in der ehemaligen Superintendentur in Dannenberg sei für die Kommunikation wichtig gewesen. Die Berichte der Pastorinnen und Pastoren stehen auf der Internetseite des Sprengels Lüneburg www.sprengel-lueneburg.de als pdf-Datei zum Herunterladen bereit. Dazu gehört auch eine Rede von Hans-Hermann Jantzen, die für eine Kundgebung in Splietau am 7. November geplant war. In der letztlich »ungehaltenen Rede» stellt der stellvertretende Landesbischof die kirchliche Position im Konflikt um Gorleben dar.

Bearbeitet am: 22.12.2010/ad


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