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vom 21.04.2018

Reinschiff auf dem Mahnmal

Greenpeace bringt sein Anti-Atom-Denkmal-Schiff „Beluga“ am stillgeleg Gorlebener Erkundungsbergwerk auf Vordermann

Von Rouven Gross

Etwa im Meer vor den Atommüll-Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield in England oder La Hague in Frankreich, wo ihre Mannschaft Messungen vornahm, oder auch bei den Protesten gegen das Versenken der Ölplattform Brent Spa. Seit 2013 aber liegt das einst als Feuerlöschschiff für die Stadt Bremen gebaute Boot im Trockenen: aufgebockt an der Zufahrt zum derzeit stillgelegten Erkundungsbergwerk im Wald nahe Gorleben, als Mahnmal gegen die Nutzung der Atomenergie. Diese jüngsten fünf Jahre haben Spuren hinterlassen, Sonne, Regen, Wind und nicht zuletzt auch die Zerstörungswut von Menschen haben ihre Spuren an dem Schiff hinterlassen. Und darum bringt die Umweltschutzorganisation derzeit ihr Denkmal wieder auf Vordermann. Mit großem Aufwand – und möglichst zukunftssicher.

Bild: Gorleben. 20 Jahre lang war die „Beluga“ für die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf den Weltmeeren im Einsatz

Mit einem Bauzaun und fester Plane daran ist die Beluga derzeit umstellt. Und auch auf dem Boden rund um das Schiff-Denkmal haben Greenpeace-Fachleute dicke Folien ausgelegt, mit einem kleinen Wall eine Art Bassin gebaut. „Damit sollen die Farbe und das Wasser aufgefangen werden, die runterspritzen und -fließen, wenn wir hier mit dem Hochdruckreiniger arbeiten“, sagt Holger. Er und ein Kollege sind in diesen Tagen dabei, den Schiffsrumpf und die Aufbauten nicht nur vom Dreck und der Patina zu befreien, die sich in den vergangenen fünf Jahren angesammelt und gebildet haben, sondern auch gleich den Anstrich mit runterzunehmen – zumindest da, wo er nicht mehr hundertprozentig haftet. „Das Schiff war ja schon vor dem Aufbau hier als Mahnmal sandgestrahlt worden und hatte einen neuen Anstrich mit umweltfreundlicher Farbe bekommen“, sagt der Greenpeace-Mitarbeiter. Doch auch das sei nur ein Provisorium gewesen, und diese Farbe mittlerweile verblasst und teilweise abgeplatzt. Jetzt bekomme die „Beluga“ daher einen neuen Anstrich, einen dauerhafteren, der „für die nächsten Jahrzehnte eigentlich halten soll“. Das betont auch Wolfgang Sadik, Projektleiter bei Greenpeace. „Wenn wir hier nichts unternehmen, dann rostet die Beluga vor sich hin und ist in wenigen Jahren ein Schrotthaufen“, sagt der Österreicher. Daher nun also der neue Anstrich.

Auch Schäden, die ganz offensichtlich menschengemacht sind, sollen repariert werden: „Hier wurden Schrauben rausgedreht, eine Fahne geklaut, dem Schiff teilweise übel zugesetzt“, sagt Sadik. Auch das würde alles repariert, genau wie die teilweise beschädigten und zerstörten Info-Tafeln zu dem Denkmal – und weitere Infotafeln anderer Widerstands-Projekte, die ebenfalls zerstört oder wenigstens beschädigt worden seien, stellt der Greenpeace-Aktivist heraus. „Und wenn wir das eh alles machen, nutzen wir die Gelegenheit und aktualisieren die Informationen auf den Tafeln auch gleich, bringen alles auf den neusten Stand“, erläutert Sadik. Pünktlich zum Start der Kulturellen Landpartie soll alles fertig sein.

Fast drei Wochen lang werden die Greenpeace-Leute dann an der „Beluga“ und der Informationsinfrastruktur um sie herum gearbeitet haben. Nach der Sanierung des Schiffes werde das Areal um das Denkmal „noch einmal richtig aufgeräumt und gesäubert“, erzählt Holger, am Heck des Schiffes stehend. Jeder noch so kleine Farbsplitter, der nicht auf der Bodenfolie gelandet ist, soll eingesammelt werden. „Dafür brauchen wir wohl einen Staubsauger“, scherzt der Greenpeace-Mann. Aber im Ernst: Warum dieser Aufwand, wenn die Farbe des Schiffes doch umweltfreundlich ist, frei von Schwermetallen und Giften wie etwa Dioxin? „Ganz einfach: Wir als Umweltschutzorganisation sind immer darauf bedacht, alles so gut wie nur irgendmöglich zu machen, gerade bei solchen Arbeiten“, sagt Wolfgang Sadik. „Die Maßstäbe, die wir bei anderen anlegen, und wo wir kritisieren, wenn sie nicht eingehalten werden, gelten natürlich auch für uns. Und sie gelten erst recht für uns."

 

Bearbeitet am: 21.04.2018/ad


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