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vom 10.10.2010

Tiggemann-Studie „manipulativ"

Gorleben/Hannover (inf/ bvo). Greenpeace bewertet eine Studie des Historikers Anselm Tiggemann zur Auswahl des niedersächsischen Endlagerstandortes Gorleben als „einseitig beschönigend" und „schleichend manipulativ". Der Autor wurde vergangene Woche als Zeuge im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestags zu Gorleben gehört. Tiggemann hatte die Studie für das niedersächsische Umweltministerium im Mai diesen Jahres erstellt. Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) behauptete daraufhin, Gorleben sei in einem korrekten Verfahren ausgewählt worden. Greenpeace fordert erneut, den Endlagerstandort Gorleben endgültig aufzugeben.

„Das Gutachten widerlegt sich selbst", sagt Mathias Edler, Atomexperte von Greenpeace. „Steht der Wissenschaftler Tiggemann tatsächlich hinter diesen Aussagen oder führte ihm das niedersächische Umweltministerium den Stift? Als Historiker macht sich Tiggemann mit dieser Studie unglaubwürdig."

Die 100 Seiten starke Studie verschweigt keinen einzigen Fakt, keine negative Quelle und keine kritische Aussage zu Gorleben. Jedoch wird jede Kritik in die 500 Fußnoten verbannt oder verharmlost. Positive Aussagen hingegen werden überbewertet. So kommt Tiggemann schließlich zum Schluss, das Auswahlverfahren in Gorleben sei „legitim, sachgerecht und üblich" gewesen (Schlusskapitel, S. 98). Ein Fazit, dem die von Tiggemann selbst aufgezählten Fakten jedoch widersprechen. „Wurde das bewertende Schlusskapitel von Tiggemann selbst verfasst oder ist es unter dem Druck des Auftraggebers entstanden?", fragt Mathias Edler.

Am augenfälligsten wird die Vorgehensweise in einer Gewichtung der Auswahlkriterien nach Prozent. Tiggemann kommt zu dem Ergebnis, die Auswahl Gorlebens sei zu 73 Prozent nach Sicherheits- und Umweltkriterien erfolgt.

Bearbeitet am: 10.10.2010/bvo


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