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vom 29.04.2018

Gorleben als Ort der Demokratie

Gorleben als Ort der Demokratie

Gorleben/Hannover (pm). Die Historikerkommission der Länder Bremen und Niedersachsen hatte „Orte der Demokratie“ ausgelobt, unter anderem ein Beispiel der jüngeren Geschichte, nämlich Gorleben im Kreis Lüchow-Dannenberg. Vor Kurzem fand die Tagung der Historikerkommission im ehrwürdigen Hodler- Saal des Neuen Rathauses in Hannover statt. Bürgermeisterin Regine Kramarek fand eingangs lobende Worte für den Ansatz, sich auch mit der neueren Geschichte zu befassen und das zivilgesellschaftliche demokratische Engagement in den Fokus zu rücken.

Der Gorleben-Konflikt sei auch deshalb Gegenstand der Tagung, weil er in den über 40 Jahren für viele Akteure identitätsstiftend gewirkt habe und noch wirkt. Die Doktorandin Jenny Hagemann arbeitet derzeit an einem Vergleich zwischen der Lausitz mit ihrem Braunkohlegebiet und dem Wendland, das durch die Atommüllproblematik geprägt wurde. Gegenstand jüngerer historischer Untersuchungen ist das Wendland aber auch, weil die politischen Entscheidungen der Vergangenheit in die Gegenwart hineinreichten und das gegenwärtige politische Handeln bestimmten: schließlich sei die Frage der Atommülllagerung in Gorleben noch virulent und die Entscheidung, ob der Salzstock Gorleben als Atommüllendlager genutzt werden wird, sei weiterhin offen. Zugleich sei mit dem Gorleben- Archiv in Lüchow ein Ort der Begegnung entstanden, „eine wahre Attraktion“, bekam die Vorsitzende des Gorleben-Archivs Gabi Haas zu hören. Wolfgang Ehmke befasste sich unmittelbar mit der Demokratiegeschichte. Das Wendland sei spätestens mit dem Beginn der Castor- Transporte auch der soziale Ort geworden, an dem die Zukunft der Atomkraft und die Frage der Atommülllagerung „auf der Straße“ ausgehandelt wurde.

Als Meilenstein sieht der der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1985, in dem unterstrichen wird, wie notwendig in einer repräsentativen Demokratie mit wenig plebiszitären Einspruchsmöglichkeiten der Protest sei – als „Korrektiv für gesellschaftliche Fehlentwicklungen“. Eine solche Fehlentwicklung sei die Nutzung der Atomenergie für die Stromerzeugung gewesen – und sei sie immer noch. Und eine Endlagersuche ohne substantielle Mitspracherechte der Regionen würde zur Folge haben, dass Menschen als Korrektiv wieder auf die Straße gingen.

Bearbeitet am: 30.04.2018/pm


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