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vom 16.06.2018

Endlagersuche geht weiter

Loccum/Gorleben (wek). Vom 1. bis 3. Juni kamen, wie das in der evangelischen Akkademie Loccum gewollt ist, rund 70 Menschen zusammen, aus Behörden, aus Beratungsbüros, ehemalige Mitglieder der Endlagerkommission, Wissenschaftlerund Vertreter der „Zivilgesellschaft“, wie die Aktivist*innen aus Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbänden heute heißen. Ihr Thema: „Atommüll- Lager: Die große Suche… Endlagersuche, Zwischenlagerung und Öffentlichkeitsbeteiligung“. Los geht die Endlagersuche mit dem Sammeln von Daten, wie sie das Standortauswahlgesetz (StandAG) vorgibt: Zuerst werden Ausschlussgebiete identifiziert, dann die Mindestanforderungen an ein tiefengeologisches Endlager formuliert, bis es dann in etwa zwei Jahren mögliche Standortregionen für eine übertägige Untersuchung ausgewiesen werden.

Soll und kann man bis dahin also die Beine hochlegen? Oder beginnt „Transparenz“ schon „ab sofort“? Bisher haben auf Bitten der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) 65 Behörden 600.000 Datensätze geliefert, auf den ersten Blick scheint das immens.

Die meisten Daten sind Bohrungen und die Wissenslücken sind weiterhin riesengroß, weil die Daten von Firmen, die nach Gas oder Erdöl gebohrt haben, bisher nicht erfasst werden konnten. Dazu braucht es ein „Geowissenschaftsdatengesetz“, das in der letzten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages zwar vorbereitet wurde, doch bisher ist die Verabschiedung eines derartigen Gesetzes nicht in Sicht und das hat natürlich zur Folge, dass niemand mehr davon ausgeht, dass tatsächlich 2020 prospektive Endlagerregionen ausgewiesen werden.

Zwei wichtige Gründe gibt es aus Sicht der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), sich sofort um diese Vorgänge zu kümmern und sich einzumischen. Der eine Grund liegt darin begründet, dass das StandAG in der Phase der Sammlung von Geo-Daten keine Mitwirkung der Zivilgesellschaft vorsieht, allein geologische Landesämter, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und zur Not noch wissenschaftliche Einrichtungen sind befugt, ihr Wissen zusammen zu tragen.

Bei dem Versuch, auf Tiefbohrungen im Raum Gorleben zu verweisen, die aus der Zeit des Kalifiebers stammen, biss die BI bisher auf Granit oder, wie im Fall Gorleben, auf Salz. Denn dort wurden während der Zeit des Kalifiebers vor rund 100 Jahren acht Tiefbohrungen niedergebracht und davon drei nicht oder unsachgemäß verschlossen. Das Kartenmaterial liegt vor. 150 hydrogeologische Bohrungen durchlöcherten das Deckgebirge in den 60er Jahren, als nach Süßwasserreservoiren für den Raum Hamburg gesucht wurde, einige Bohrungen gingen bis zu 600 Meter tief, rein in den Salzstock. Auf der anderen Elbseite wurde zu DDRZeiten nach Gas gesucht, die Tiefbohrungen reichten in den Salzstock Gorleben- Rambow hinein: der Salzstock ist also verritzt.

Der zweite Aspekt bezieht sich auf die Behauptung, dass das Stand AG endlich ein faires, wissenschaftsbasiertes Suchverfahren ermögliche. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke erklärt dazu: „Verschwiegen wird dabei, dass die Mindestanforderungen und Ausschlusskriterien politisch ausgehandelt wurden, sie sind vornehmlich ein politischer Kompromiss, der darauf zielte, Gorleben im Spiel zu halten. Denn ein wasserdurchlässiges Deckgebirge ist demnach kein Ausschlusskriterium, und von glazialen Ereignissen, von denen künftig weite Teile Norddeutschland betroffen sein werden, liest man nur am Rande.“

Auf Drängen der BI fanden am Ende der Tagung Stefan Birkner (FDP), Stefan Wenzel (Grüne) und Frank Doods (SPD) zueinander. Alle drei sind oder waren niedersächsische Umweltstaatssekretäre bzw. – minister und sie versprachen, sich zusammenzusetzen und auszuloten,

Bearbeitet am: 16.06.2018/pm


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