Pressemitteilung

Frühjahrskonferenz der Anti-AKW-Bewegung
vom 17.-19.4.98 in Erfurt

Etwa 170 AtomkraftgegnerInnen aus der gesamten Bundesrepublik trafen
sich an diesem Wochenende zur halbjaehrlich stattfindenden Konferenz
in Erfurt.

Ausgangspunkt der Diskussionen war der Castortransport aus Gundremmingen und Neckarwestheim ins nordrheinwestfaelische Ahaus. Die breite gesellschaftliche Verankerung des Widerstands im bisher als konservativ geltenden Muensterland wurde ebenso hervorgehoben wie die hohe Mobilisierungsfaehigkeit der CastorgegnerInnen aus der ganzen Bundesrepublik. "Der Versuch, die Bewegung durch Tricks und Denunziation zu spalten, ist nicht gelungen", betonte Joachim Mau von der BI kein Atommuell nach Ahaus. Angesichts von hunterten von
Festgenommenen und zahlreichen Verletzten stelle sich das Gerede von
Deeskalation als reine Farce dar.

"Wie weiter?" fragten sich die TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppen und der Plenen. Die NiX mehr!-Kampagne, die vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde, erhielt neue Konturen: Im Vordergrund der Diskussion stand der Castortransport aus dem stillgelegten AKW Rheinsberg nach Greifswald. Dort soll mit dem neuen Zwischenlager eine Ausweichmoeglichkeit fuer Catorbehaelter geschaffen werden. "Bei ihrer Suche nach widerstandsfreien Gegenden werden sie auch im Osten nicht
fuendig werden", prophezeitze Rosi Poldrack von der BI in Greifswald. Ebenso laufen die Vorbereitungen gegen den fuer Oktober angekuendigten Atommuelltransport nach Gorleben an. In diesem Sommer sollen darueber hinaus Transporte in die WAA nach Frankreich oder Grossbritanien aufgehalten werden.

Aynur Tuncer aus Istanbul, eine Vertreterin der tuerkischen  Anti-Nuklearen Plattform, informierte ueber die Bewerbung der Siemens AG fuer den Bau eines AKWs in Akkuyu. An der suedlichen Mittelmeerkueste soll das erste Atomkraftwerk der Tuerkei entstehen.  Die Konferenz diskutierte konkrete Schritte internationaler
Solidaritaet; die Boykott-Kampagne gegen die Atompolitik des Unternehmens erhaelt dadurch zusaetzliche Motivation. So soll am  Siemens-Boykott-Aktionstag am 9.August (dem Gedenktag des Atombombenabwurfs auf Nagasaki) nicht nur vor und in Siemensniederlassungen demonstriert werden, auch in der Botschaft der Tuerkei soll der Protest zum Ausdruck kommen. Noch immer verweigert  der Siemens-Konzern den im Nationalsozialismus ausgebeuteten ZwangsarbeiterInnen eine Entschaedigung. Das wurde ebenso in den Blickpunkt der Kampagne gerueckt, wie die Tatsache, daß die von-Siemens-Stiftung seit Jahren der Neuen Rechten eine ideologische Heimat bietet.

Die Hauptverhandlungshaft im beschleunigten Verfahren sei ein weiterer Ausbau des Atomstaates, protestierten die TeilnehmerInnen der Konferenz gegen die neuerliche staatliche Praxis, AktivistInnen  willkuerlich herauszugreifen und Abzuurteilen. Fundamentale BuergerInnenrechte wuerden hier ebenso mit Fueszen getreten wie bei
der aktuell diskutierten genetischen Erfassung. " Die Bevoelkerung wird durch solche Masznahmen zum generellen Verdaechtigen, die spektakulaeren Aktionen im Zusammenhang mit sexuellem Miszbrauch dienen den Sicherheitsbehoerden lediglich dazu, um fuer Zustimmung zu solchen Orwell-Szenarien zu werben", stellten die
Konferenz-TeilnehmerInnen fest. Die Konferenz hat ein Vetorecht fuer Frauen beschlossen, falls es zu sexualisierter Gewalt in Veranstaltungen der Anti-AKW-Bewegung kommen sollte. Das be deutet,daß Veranstaltungen etc. unterbrochen werden und der Vorfall thematisiert wird.

Auch unabhaengig von Aktualitaeten ging die Arbeit an den klassischen Themen der Anti-AKW-Bewegung weiter: In Arbeitsgruppen befaszten sich  die TeilnehmerInnen mit den Problemen des Uranabbaus, mit den Hinterlassenschaften der Wismut-AG, mit Aleternativen in der Energieversorgung und den gesundheitlichen Auswirkungen radioaktiver Strahlung. Auf besonders Interesse der Aktivistinnen aus den alten
Bundeslaendern stieß ein Vortrag üeber die Geschichte des Widerstands in der ehemaligen DDR.

Die nach wie vor gueltigen Forderungen:


Sofortige Stillegungen aller Atomanlagen weltweit!


Die fruehjahrskonferenz erteilte allen anderen Konzepten auszer einer sofortigen Stillegung eine klare Absage - alle Versuche auf irgendeine Weise den weiterbetrieb zu ermoeglichen, wird auf entschiedenen Widerstand stoszen! Fuer eine herrschaftsfreie Gesellschaft!

Energiewende jetzt!

Anmerkung des Setzers:
Im weiteren wurde eine Resolution gegen den Uranabbau in Canada verabschiedet, eine Solidaritaetserklaerung an die Jabiluka Coalition in Australien verfasst und eine Protestnote an die TAZ geschickt, die die Forderungen enthielt, Anzeigen fuer Atomkonzerne und den Informationskreis Kernenergie zukuenftig zu unterlassen und eine Gegendarstellung zu der geschalteten Anzeige in gleicher Form zu veroeffentlichen.

Bearbeitet am: 22.04.1998/ad/http://www.free.de/aap-do


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