Anmerkung der Castor-Nix-Da Redaktion:
Es gibt hierzu auch einen Video-Film
(Nix4 Ahaus (der letzte Transport..))

BRAVO
Nr. 14
2. April 1998

CAMPINO bei Demo blutig geprügelt!

Als der Castor-Transport mit strahlendem Atommül Ende März quer durch Deutschland rollte, demonstrierten Zehntausende Menschen.
Auch Die Toten Hosen setzten ein Zeichen und protestierten mit einem spontanen Konzert auf einem Lkw gegen den Atom-Zug. Die Polizei griff brutal zu und schlug. auf Campino ein ....

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Castor-Alarm in Ahaus! Am Bahnübergang Schorlemer Straft blockieren rund 3.000 Demonstranten die Gleise, auf denen Stunden später der Atommüll zum Zwischenlager Ahaus rollen soll. Mehrere Hundertschaften Polizei, ausgerüstet mit Helmen, Schilden und Schlagstöcken, haben einen Kreis um die Atomgegner gebildet und beginnen, die Schienen zu räumen. Sie versuchen, die Demonstranten auseinanderzutreiben. Plötzlich dröhnen ohrenbetäubende Akkorde los. Der Sound kommt aus einem weißen Lkw, der bislang völlig unbeachtet am Straßenrand parkte. Auf der Laderampe stehen Gampino, Kuddel, Wölli, Andl und Breiti und powern mit "Wir sind bereit" los. Unter den Demonstranten bricht tosender Jubel aus, aus allen Richtungen strömen Leib zurück zum Bahnübergang und feuern die Hosen begeistert an. Die Polizisten sind irritiert wagen
(noch) nicht einzugreifen.

"Diesen Song widmen wir unseren rücksichtsvollen Freunden in Grün", höhnt Campino durch sein Mikro, als die Band mit dem Song Liebeslied" loslegt. Führerlos, geschoben von den Demonstranten, rollt der Hosen-Lkw auf der leicht abschüssigen Straße langsam auf die Schienen zu. Jetzt reagiert die Staatsmacht» Die
Polizisten kesseln den Lkw ein, ziehen den Ring Immer enger um die mobile Bühne. Dann schlagen sie zu: Um den Lkw zu stoppen, durchstechen Beamte die Reiten und zerschlagen die Seitenfenster des Lkws. Mit Schlagseite bleibt der Laster zehn Meter vor den Gleisen liegen. Die Hosen rocken ungerührt mit "Armee der Verlierer" weiter - ganze 20 Minuten lang. Erst als einige Beamte versuchen, die Bühne zu stürmen, brechen
Campino und seine Freunde ab, springen vom Wagen und tauchen in der Menge unter, um ihre nächst Aktion zu starten ...

Unerkannt, auf Cross-Motorrädern, schlagen sich die fünf über die Feldwege zum nächsten Brennpunkt durch, der Gleisblockade am Schumacherring. Doch dorthin kommt keine ihrer beiden noch in Reserve gehaltenen, schon Tage zuvor nach Ahaus geschmuggelten, mobilen Anlagen durch - der Polizeiring um das Gelände war einfach zu eng.

Kuddel, Campi, Breiti, Andi und Wölli setzen ihren Protest gegen den umstrittenen Castor- Transport mit anderen Mitteln fort und blockieren mit den anderen Demonstranten die Gleise. Fünfzehn Minuten bleibt altes friedlich, doch dann schreitet das Räumungskommando der Polizei ein. Wir fordern Sie auf, die Gleise umgehend zu räumen, sonst kann auch körperliche Gewalt gegen Sie eingesetzt werden", tönt es aus einem Megaphon. Nur wenige folgen dieser Aufforderung. Minuten später beginnt die Polizeimacht die Blockade zu zerschlagen. Immer härter gehen die Polizisten gegen die Demonstranten vor, treten Stiefeln auf die friedlichen Blockierer ein, reißen sie an den Haaren von den Schienen und schlagen mit ihren Schlagstöcken zu. Minutenlang tobt ein furchtbares Chaos. Die Atomgegner klammern sich aneinander fest stecken tapfer Tritte und Schläge ein und wehren sich nur mit der Parole : "Wir sind friedlich, was seid ihr?"

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Auch Die Taten Hosen sitzen auf dem Boden und haben sich - wie die anderen Demonstranten - fest untergehakt. Der friedliche Protest ist Ihnen ernst - und dafür stecken sie Minuten später böse Prügel ein. Die Polizisten zerren an Ihnen Anoraks, um sie aus der Phalanx der Protestierer zu lösen. Vergeblich! Erst mit Fußtritten und Fausthieben gelingt es den Beamten, Carmpino und Kuddel aus der Gruppe zu lösen. Campino bekommt im Durcheinander von einem Polizisten einen Fausthieb ins Gesicht und wird dann brutal weggezerrt.
Der hat es genossen, mir eine verpassen zu können. Das sah ich an seinem Grinsen", sagt Campino wenig später und wischt sich das Blut von der Oberlippe. Aber so ein Würstchen wird keinen von uns davon abhalten, gegen den atomaren Wahnsinn weiterkämpfen!"

Die Toten Hosen, die mit Ende der 70er Jahre in der Antl-Atombewegung aktiv sind, protestierten mit Greenpeace und Zehntausenden von Bürgern gewaltfrei gegen den gefährlichen Castor-Transport, der Ende März per Bahn quer durch Deutschland ins Zwischenlager Ahaus rollte. Eine tickende Zeitbombe, denn in den Behältern steckten 60 Tonnen strahlender Müll aus Kernkraftwerken mit siebenmal (!) soviel Radioaktivität
wie 1966 bei dem verheerenden Atomunfall von Tschernobyl freigesetzt wurde. Ein Castor-Unglück wäre eine tödliche Katastrophe für ganz Deutschland.Campino: "Die gefährlichen Castor-Transporte müssen aufhören, alle 19 Kernkraftwerke in Deutschland bis zum Jahr 2005 abgeschaltet werden! Unser Leben sollte es uns wert sein."

Bearbeitet am:14.04.1998 /ad


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