Badische Zeitung
20.03.1998

Wasserwerfer gegen Demonstranten eingesetzt - BGS-Beamter bei Unfall getötet

Castor-Transport ist am Ziel

AHAUS/KARLSRUHE (dpa/AP/ cra). Der Zug mit den Castor-Behaeltern kam am Freitag abend in Ahaus an. Am Nachmittag war es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Durch einen Unfall kam ein Bundesgrenzschutzbeamter bei Wuerzburg ums Leben. Unterdessen entschied das Bundesverfassungsgericht, dass es kein Grundrecht auf Schienendemonstrationen gebe.

Der Transport rollte gegen 19.25 Uhr mit Schrittgeschwindigkeit in die Stadt ein.Die zuvor mit Wasserwerfern abgedraengten Castor-Gegner verfolgten die Einfahrt unter lauten Protesten. Vom Bahnhof in Ahaus ging die Fahrt ueber einen hermetisch abgeriegelten Privatgleisanschluss weiter zum 3,5 Kilometer entfernten atomaren Zwischenlager, wo der Zug um 20.27 Uhr das Tor durchfuhr. In Ahaus kam es am abend zu Ausschreitungen. Nach Augenzeugenberichten griffen etwa 150 zum Teil angetrunkene Jugendliche in der Naehe des Ahauser Bahnhofs Polizisten an und bewarfen die Beamten mit Bierflaschen. Am Nachmittag war die Polizei mit Wasserwerfern und Schlagstoecken gegen die Demonstranten vorgegangen und hatte 450 Menschen in Gewahrsam genommen. Bei den Auseinandersetzungen wurden laut Polizei ein Demonstrant schwer und zehn leicht verletzt. Am Stadtrand von Ahaus versuchten Tausende Atomkraftgegner immer wieder, zu den Schienen vorzudringen. Der 570 Meter lange Zug hatte nur kurz nach dem Start in Walheim bei Stuttgart stoppen muessen. Dort hatten sich vier Kernkraftgegner an die Gleise gekettet.

Ueberschattet wurde der Transport am fruehen Freitag morgen vom Tod eines jungen Beamten des Bundesgrenzschutzes (BGS). Der 27jaehrige, der allein auf einem Kontrollgang war, wurde bei Wuerzburg Stunden vor der Durchfahrt des Castor-Zugs von der Lokomotive eines Autoreisezugs erfasst. Dabei erlitt er schwerste Kopfverletzungen. Nach Angaben des BGS hatte er keine Kopie des Fahrplans dabei. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Lutz, kritisierte die Entscheidung, den Castortransport frueher als geplant fahren zu lassen'. Dadurch koennten sich friedliche Demonstranten ueberrumpelt fuehlen und sich mit
gewaltbereiten Kernkraftgegnern solidarisieren, sagte Lutz im Suedwestfunk. Das Bundesverfassungsgericht gab am Freitag seine Entscheidung zu Schienendemonstrationen bekannt. Wegen der "betraechtlichen Gefahr", muesse das Versammlungsrecht hinter dieser Vorschrift zurueckstehen. Geklagt hatten AKW- Gegnerinnen aus dem Wendland.

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Bearbeitet am: 23.03.1998/ad


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