Neuß-Grevenbroicher Zeitung

vom 30.01.1998

Castor oder Fußball

Von MICHAEL HAMERLA

Am Wochenende ist Freizeit. Scheint die Sonne, sind Autobahnen und Aussichtsterrassen überfüllt. Regnet es, rechnet das Fernsehen mit hohen Einschaltquoten. Und fast immer, zwei kleine langweilige Pausen im Sommer und im Winter ausgenommen, regiert König Fußball.

Zum Frühlingsbeginn, Ende März, soll das anders sein. Da wollen - so ist zu hören - ein paar hundert oder tausend Leute in ihrer Freizeit mit körperlichem Einsatz "die Welt retten". Ihr von Gewalt und Gesetzesbruch begleitetes Bemühen wird keinen Erfolg haben. Doch König Fußball muß an diesem Wochenende abdanken. Wenn der Castor mit Atommüll durchs Land rollt, hat die Polizei so viel zu tun, daß für Routine - wie den Schutz der FußballStadien vor Chaoten anderer Art - keine Zeit bleibt.

Im westfälischen Ahaus wollen kühle Demonstrations-Strategen - wie vorher in Gorleben - die Atommüll- Entsorgung teuer machen, damit sie sich auf Dauer nicht lohnt. Der Fußball-Bundesliga wäre zuzumuten, den Schutz ihrer Stadien selbst auf eigene Kosten Zu organisieren. Eine Lösung des Problems ist das nicht. Die Chaos-Planer brauchen an künftigen Castor-Wochenenden nur etwas Randale an anderen Orten zu organisieren, um die Polizei wieder vor unlösbare Probleme zu stellen. Will der Staat das Gesetz des Handelns im Parlament.halten, kommt er um die Entmachtung der Gewalttäter und ihrer Vordenker nicht herum.


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