Stuttgarter Nachrichten, 18.12.99

Castoren verstrahlten nicht die Umwelt - Verfahren gegen GKN-Betreiber eingestellt
Aber hohe Werte bei NTL-Behältern

Neckarwestheim - Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat die Ermittlungen gegen die Betreiber des Gemeinschaftkernkraftwerks Neckarwestheim (GKN) wegen Grenzwert-überschreitungen beim Transport
abgebrannter Brennelemente eingestellt.

VON GÜNTHER JUNGNICKL

Strafanzeige hatten Umweltschutzverbände und Beamte des Bundesgrenzschutzes gestellt. Für den Leitenden Oberstaatsanwalt Johannes Häcker gab es zwar bei Transporten in NTL-Behältern zwischen
Neckarwestheim und La Hague (Frankreich) von 1988 bis 1997 Überschreitungen des Grenzwerts (vier Bequerel pro Quadratmeter) um ein Vielfaches, doch eine Gesundheitsgefährdung von Menschen habe es nicht gegeben. ¸¸In keinem Fall'', so Häcker, seien Kontaminationen außerhalb der jeweils auf den Behältern aufliegenden Abdeckhauben festgestellt worden. Transporte von Castorbehältern aus Neckarwestheim seien sogar überhaupt nicht betroffen gewesen.

Dass NTL-Behälter mit strahlenden Partikeln verunreinigt waren, liegt nach Expertenmeinung an ihrer Bauart und dass sie unter Wasser beladen werden. Trotz gründlicher Reinigung habe nicht verhindert werden können, dass sich an unzugänglichen Stellen radioaktive Schwebeteilchen aus den Tauchbecken anlagerten, die sich dann während des Transports lösten und am Bestimmungsort entdeckt wurden. Darüber seien die jeweiligen Transportfirmen, nicht aber die Betreiber informiert worden.

Häcker: ¸¸Es gibt also keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beteiligten einen Straftatbestand erfüllt haben.'' Die zusätzliche Strahlenbelastung der Menschen im Umfeld der Transporte - also auch der Bundesgrenzschutzbeamten - habe im Übrigen ¸¸im Höchstfall'' einem Zehntel bis einem Zwölftel der mittleren natürlichen Strahlenbelastung der Bevölkerung entsprochen.

Ob trotzdem die festgestellten Grenzwertüberschreitungen als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, muss nun die zuständige Bußgeldbehörde entscheiden: Baden-Württembergs Umweltministerium.

Bearbeitet am: 18.08.1999/ad


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