Neue Energie
Magazin für erneuerbare Energien

Mai 2000

Greenpeace: "Kurzfristiger Atomausstieg bis 2005 möglich"

Hamburg/Flensburg. Der Ausstieg aus der Atomkraft-Nutzung ist innerhalb der nächsten fünf Jahre möglich - ohne drastische Folgen für das Klima und den Arbeitsmarkt. Zu diesem Ergebnis kam Professor Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg in einer Studie für Greenpeace Deutschland. Danach können durch den Umstieg auf eine umweltfreundliche Energieerzeugung bis 2025 sogar rund 25.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

"Wir setzen dabei auf drei Pfeiler", erläutert Hohmeyer:"Kurzfristig den Ersatz von Atomkraftwerken durch neue GuD-Kraftwerke, dann eine erhebliche Energieeinsparung und schließlich einen massiven Ausbau der regenerativen Energien." Für die Windkraft rechnet der Flensburger Ökonomie-Professor mit einer installierten Leistung von 20.000 Megawatt bis zum Jahr 20 10, bei der Biomasse könnten es 8.000 MW sein."Nach In-Kraft-Treten des Erneuerbare-EnergienGesetzes sind diese Annahmen durchaus realistisch", verweist Hohmeyer auf die verbesserten Rahmenbedingungen in Deutschland. Alle regenerativen Energien zusammen hätten bei dem "AusstiegsSzenario" im Jahre 2010 einen Anteil von über 25 Prozent an der bundesweiten Bruttostromerzeugung.

Auch die Klimaziele der Bundesregierung sieht Hohmeyer in seiner Studie nicht gefährdet.Während in einem aktuellen Szenario der Prognos AG aus dem Jahre 1999 im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die Klimaziele der Bundesregierung verfehlt werden, gehen die Autoren der Greenpeace-Studie davon aus, dass zumindest das Kyoto-Ziel - Reduzierung der Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (C02) bis 20 10 um 21 Prozent gegenüber 1990 - erreicht wird-Nach unseren Berechnungen erreichen wir 39 Prozent", prophezeit Hohmeyer.

"Auch das Schreckgespenst, dass nach einem Atomausstieg Tausende auf der Straße sitzen, konnte widerlegt werden", betont GreenpeaceEnergieexperte Veit Bürger. Die Studie belegt, dass an den meisten betroffenen Standorten viele der Arbeitsplätze erhalten werden könnten, wenn die Städte und Gemeinden sich rechtzeitig um neue Beschäftigungsfelder kümmern. Diese Chancen bieten die erneuerbaren Energien.

Genau darüber diskutierten Mitte April Greenpeace und Professor Hohmeyer in Stade sowohl mit Beschäftigten des dortigen Atommeilers als auch mit Kommunalvertretern. So langsam fangen alle an zu begreifen, dass etwas nach der Atomkraft-Nutzung kommen muss", zieht Hohmeyer eine positive Bilanz der "konstruktiven Diskussion". In Stade könnte ein Windturbinen-Hersteller beispielsweise ideale Voraussetzungen für den Bau großer Offshore-Maschinen der Multi-Megawatt-Klasse vorfinden."irgendwann müssen die Firmen aus dem Sinnenland einfach einen Produktionsstandort am Meer oder einem großen Fluss haben", betont Hohmeyer. Am Standort der Atommeiler Isar I und Isar II schlagen die Wissenschaftler den Bau einer Fabrik für Biomasse-Anlagen sowie ein Technologiezentrum für Brennstoffzellen vor."Es ist doch für die Beschäftigten alle mal besser, am alten Standort weiterarbeiten zu können als arbeitslos zu werden oder in entfernte Städte pendeln zu müssen. Wenn es uns gelingt, den Beschäftigten klar zu machen, dass das die Zukunft ist haben wir einen großen Schritt für die Energiewende geschafft", betont der Flensburger Energieexperte.

Eine Kurzfassung der Studie ist  unter www.greenpeace.de erhältlich.

Bearbeitet am: 10.05.2000/ad


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