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Nr. 8  - August 1998

Diskussion um Risiken von Niedrigstrahlung:
Strahlenschutzgrenzwerte zu niedrig ?

Hinweis der Castor-Nix-Da Redaktion:
Mit ihrer Forderung, die derzeit geltenden Strahlenschutzgrenzwerte müßten auf ein Zehntel abgesenkt werden, haben drei deutsche Wissenschaftler hierzulande Anfang Juli Aufsehen erregt.
Aufgrund von Erkenntnissen aus den Folgen radioaktiver Belastung nach dem Tschernobyl-Unfall 1986 müssen nach Auffassung der Forscher die Risiken von Niedrigstrahlung neu bewertet werden. Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) hat die Forderung als"nicht seriös" zurückgewiesen.

Die Professoren Wolfgang Köhnlein aus Münster sowie Edmund Lengfelder und Roland Scholz aus München sind der Meinung, die derzeit geltenden Strahlenschutzwerte beruhten noch auf veralteten Erkenntnissen aus den 50er Jahren, als noch nicht bekannt gewesen sei, daß auch sehr niedrige Strahlendosen Krebs auslösen könnten. Die zwischenzeitlichen Forschungsergebnisse über die Folgen von Atombombenabwürfen bzw. Atomtests und Tschernobyl würden bei den gesetzlich festgelegten Grenzwerten bisher nicht berücksichtigt. Mit ähnlichen Argumenten sind die atomkritischen Wissenschaftler schon seit Jahren an die Öffentlichkeit getreten. In der Fachwelt haben sie damit bisher aber wenig überzeugt.

Das Bundesumweltministerium hat die Behauptungen zurückgewiesen. Die deutsche und europäische Strahlenschutzgesetzgebung beruhe auf den Empfehlungen der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP), die kontinuierlich die weltweit vorliegenden Erkenntnisse über Wirkungen radioaktiver Strahlen auswerte und dabei auch neueste wissenschaftliche Arbeiten über Langzeitfolgen der Atombombenexplosionen von Hiroschima und Nagasaki berücksichtige.

Prof. Christoph Reiners, der Vorsitzende der deutschen Strahlenschutzkommission, bezeichnete die Forderung nach einer Senkung der Grenzwerte auf ein Zehntel als "hanebüchen": Da solche Werte allein schon aufgrund der natürlichen Strahlung in vielen Gegenden erreicht würden, müßten dann "90% Deutschlands evakuiert werden", sagte der Würzburger Nuklearmediziner. Die Behauptung die Grenzwerte seien seit den 50er Jahren nicht angepaßt worden, sei falsch. Es gebe keine aktuellen Erkenntnisse darüber, daß bisher das Risiko unterschätzt worden sei. Umweltministerin Merkel hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß Deutschland 1999 eine EU-Richtlinie umsetzen werde, wonach der gesetzliche Grenzwert für die zulässige jährliche Strahlendosis der Bevölkerung im Umkreis kerntechnischer Anlagen von 1,5 auf 1,0 Millisievert (mSv) sinkt. Auch der neue Wert wird bereits jetzt in der Praxis deutlich unterschritten.
Zum Vergleich: Die natürliche Strahlung (Höhenstrahlung, natürliche radioaktive Stoffe wie Radon oder Nuklide von Kalium und Thorium, terrestrische Strahlung) beträgt in Deutschland im Durchschnitt etwa 2,4 mSv. Im Schwarzwald oder dem Fichtelgebirge ist sie aber etwa doppelt so hoch. Da ein Zusammenhang zwischen Wohnort und entsprechenden Erkrankungen nicht erkennbar ist, kann eine solche Schwankungsbreite kaum negative gesundheitliche Folgen haben. Statistisch nimmt jeder Deutsche darüber hinaus jährlich etwa 1,5 mSv künstlicher Strahlung aus medizinischen Untersuchungen (vor allem Röntgen) auf. Kerntechnische Anlagen sind nur für jährlich
ca. 0,01 mSv verantwortlich.
beu

Bearbeitet am: 06.08.1998/ad


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