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vom 05.12.1998

Castoren sollen leer bleiben

Expertenrunde beim Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt Beladestopp für Castor-Behälter. Untersuchungsergebnisse über Wassertröpfchen abwarten


Aus Hannover Jürgen Voges

Für die Zwischenlagerung sollen in den bundesdeutschen AKW vorerst keine Castor-Behälter beladen werden dürfen. Einen solchen formellen Beladestopp haben die Aufsichtsbeamten und Castor- Experten des Bundes und der Länder empfohlen, die am Donnerstag bei einem Fachgespräch im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Korrosionsgefahren durch Feuchtigkeit in Castor-Dichtungen erörtert haben.

Nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums wurde in dem Fachgespräch ein umfangreiches Untersuchungsprogramm zu den Gefahren für die Dichtigkeit der Behälter durch Wassertröpfchen vereinbart. Bis zum Abschluß der Untersuchungen solle ein formeller Beladestopp erlassen werden, sagte die Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover, Jutta Kremer- Heye, gestern. Dieser Beladestopp hätte allerdings wegen des bundesweit mit den Atomkraftwerksbetreibern vereinbarten informellen Transportstopps für Castoren zunächst keine konkreten Auswirkungen. In den niedersächsischen Atommeilern ist der Umgang mit Castoren wegen der außen gefundenen Kontaminationen zur Zeit sogar offiziell nicht erlaubt.

Anlaß für das Fachgespräch im Bundesamt für Strahlenschutz waren Wassertröpfchen gewesen, die die Bundesanstalt für Materialforschung- und prüfung (BAM) bei einem Castor-Test an und in der Dichtung der Behälter gefunden hatte. Durch die in den Fachgespräch am Donnerstag vereinbarten Tests und Analysen soll nun die Korrosionsgefahr für die Castor-Dichtungen durch die Restfeuchte im Deckelbereich näher eingegrenzt werden. Die BAM soll dabei Versuche an den Castor- Dichtungen durchführen, die mit Edelstahl und Aluminium ummantelt sind, und so die mögliche Korrosion dieser Dichtungen simulieren.

Auch die gefunden Wassertröpfchen selbst sollen chemisch auf ihre korrodierende Wirkung analysiert werden. Der Castor- Hersteller GNS, der auch bei dem Fachgespräch vertreten war, will klären, wie sich die Trocknung der Castoren um die Behälterdeckel herum verbessern lassen könnte. Das Bundesamt für Strahlenschutz seinerseits soll alle Unterlagen über die Beladung der elf Castoren mit abgebrannten Brennelementen, die bereits in den beiden Zwischenlagern Gorleben und Ahaus stehen, noch einmal unter die Lupe nehmen.

Möglicherweise müsse man für die Behälter am Ende Auflagen erlassen. Eventuell müßte die bisher erlaubte Zwischenlagerzeit von 40 Jahren verkürzt werden, sagte Ministeriumssprecherin Kremer- Heye gestern.

Das jetzt vereinbarte Untersuchungsprogramm wird auf jeden Fall mehrere Monate in Anspruch nehmen. Den im Fachgespräch empfohlenen Beladestopp muß das Bundesumweltministerium noch förmlich erlassen.

Wenn sich bei den jetzt anberaumten Untersuchungen die Zweifel an der Dichtigkeit der Castor-Behälter bestätigen, hätte dies gravierende Auswirkungen auf das gesamte rot-grüne Entsorgungskonzept. Schließlich setzt die standortnahe Zwischenlagerung an den Atomkraftwerken, die die neue Bundesregierung anstelle der Wiederaufarbeitung durchsetzen will, ganz auf den Castor-Behälter.

TAZ Nr. 5710 vom 12.12.1998 Seite 8 Wirtschaft und Umwelt 101 Zeilen
TAZ-Bericht Jürgen Voges


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Bearbeitet am: 13.12.1998/ad


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