Brief
des
bfs.gif (5218 Byte)
vom 02.08.2002

Verantwortung  für
Mensch und Umwelt

Bundesamt für Strahlenschutz
Willy-Brandtstr. 5
38226 Salzgitter

Postfach 10 01 49
38201 Salzgitter

Telefon: 0 18 88 / 3 33 - 0
Telefax: 0 18 88 / 3 33 - 18 85

Datum: 02.08.2002
Az: ET3.3 - He/Bn
Tel.: 0 18 88 / 3 33 - 1740
Fax: 0 18 88 / 3 33 - 1705

Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
z.H. Herrn Dieter Metk Drawehner Str. 3
29439 Lüchow

Sehr geehrter Herr Metk,

Herr Bundesminister Trittin hat mich zuständigkeitshalber gebeten, ihr Schreiben vom 25.07.02 zu beantworten.

Zunächst freue ich mich über Ihre implizierte Feststellung, dass durch ein Bündel von Qualitätssicherungsmaßnahmen, die von mir vor der Wiederaufnahme von Transporten abgebrannter Brennelemente bzw. Glaskokillen festgelegt worden sind, nunmehr sichergestellt ist, dass der "Kontaminationsskandal", der unter der Umweltministerin Merkel zum Transportstopp führte, adäquat beantwortet wurde. Sie bitten des Weiteren um Beantwortung von Fragen zu möglichen Sicherheitsproblemen des CASTOR HAW 20/28 CG, die sich aus den Darstellungen des Fernsehmagazins "Plusminus" vom 23.07. ergeben.

In der Sendung wurde Kritik an dem Sicherheitsnachweis der Behälter CASTOR HAW 20/28 CG im Falle eines Absturzes bei der Einlagerung im Zwischenlager geübt. Ob diese zutreffend ist, Wird zur Zeit geprüft. So ist u.a. die Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung (BAM) von mir noch vor der Sendung gebeten worden, eine Stellungnahme zu denjenigen Behauptungen abzugeben, die ihre Begutachtungen betreffen. Die BAM hatte im Rahmen der Genehmigung das Ergebnis der Berechnungen durch eigene Rechnungen überprüft und bestätigt.

Die Genehmigung zum Transport der 12 HAW Glaskokillenbehälter von La Haque nach Gorleben wurde von mir am 02.04.2002 erteilt. Die Genehmigungsvoraussetzungen für die Erteilung dieser Transportgenehmigung sind nach dem jetzigen Kenntnisstand nach wie vor erfüllt. Die Ergebnisse der von mir eingeleiteten Prüfung werden selbstverständlich auf mögliche Rückwirkungen auf bestehende Genehmigungen geprüft.

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Zukünftige Einlagerungen im Zwischenlager Gorleben werden im Rahmen eines modifizierten Verfahrens abgewickelt. So wird im Auf- und Abladebereich der Behälter ein Holzstoßdämpfer auf dem Betonboden ausgelegt. Für den Bereich außerhalb des Stoßdämpfers wird eine Hubhöhenbegrenzung des Hallenkranes eingerichtet, so dass im gesamten Hallenbereich außerhalb des Bereiches des ausgelegten Stoßdämpfers die Behälterunterkante nur eine Höhe von 25 cm über dem Hallenboden erreichen kann. Für diese neuen Randbedingungen wurden neue Berechnungen durchgeführt. Die entsprechenden Störfallbetrachtungen samt der zugehörigen Berechnungen wurden von Gutachtern des BfS im Rahmen des Genehmigungsverfahrens der 2. Änderungsgenehmigung überprüft. Die Auslegung des Stoßdämpfers und die Hubhöhenbegrenzung wurden vor Erteilung der 2. Änderungsgenehmigung vom 18.01.2002 in das Betriebshandbuch des TBL Gorleben aufgenommen.

Das Ergebnis des Abblasegeräusches bei dem Aufstellen eines CASTOR-Behälters am 2. April 2001 wurde von der Aufsichtsbehörde (NMU) erschöpfend behandelt und ist Ihnen bekannt. Zusammenfassen stellte der Gutachter des NMU fest:

dass durch den bei der Einlagerung des Transport- und Lagerbehälters CASTOR HAW 28/28 CG SN 06 vorhandenen erhöhten Druck in den mit Moderatormaterial bestückten Hohlräumen des Behälterskörpers zu keinem Zeitpunkt des Transports und der Behältereinlagerung eine Freisetzung des radioaktiven Behälterinhalts zu besorgen war. Weiterhin ist eine radioaktive Belastung der beim Aufsetzen des Behälters aus dem Raum unter der Bodenverschlussplatte entwichenen Luft auszuschließen; eine Gefährdung des Personals durch die bei der Druckentlastung entweichende Luft war nicht gegeben.'

Bei den zukünftig zu beladenden Behältern wird in die Bodenplatte ein Entlüftungsventil eingeschraubt.

Die von Ihnen angesprochene Überprüfung der theoretischen Spannungsverläufe von Schweißnähten, die als Teil des Reparaturkonzeptes erstellt werden müssten, ist von Greenpeace aus meinem Internet-Informationsangebot entnommen worden. Dort finden Sie auch die Antwort auf den Untersuchungsstand.

Wie Ihnen darüber hinaus bekannt sein dürfte, ist das BfS als Genehmigungsbehörde nicht für die Durchführung der Transporte zuständig. Die Aufsichtsbehörden (Länder für den Straßentransport/Eisenbahnbundesamt für den Schienentransport) stehen Ihnen sicherlich für Fragen der konkreten Ausnutzung der Genehmigungen zur Verfügung.

Zum Schluss möchte ich noch folgendes anmerken: Auch ich würde mir einen noch transparenteren Umgang mit Antrags- und Prüfunterlagen wünschen, wie ich sie beispielgebend in Bezug auf die Sicherheitsberichte in den Genehmigungsverfahren für die dezentralen Zwischenlager praktiziere. Doch sind mir rechtlich dort Grenzen gesetzt, wo der Antragsteller (GNS) plausibel Betriebsgeheimnisse geltend macht und sich gegen eine Veröffentlichung dieser Daten ausspricht.

Mit freundlichen Grüßen Im Auftrag

Dr. F. Heimlich

Bearbeitet am: 10.08.2002/ad


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