Umgebungsüberwachung Gorlebener Anlagen unabhängig von Staat und Betreiber

(Eine Initiative der Fachgruppe Radioaktivität)

 U. Bolle, H. Görlich, U. Jentzsch


Aktuelle Auswertungen
(Diese werden monatlich aktualisiert)

 

2006

          Jahresrückblick
2006
     

 

2005

          CASTOR-Transport
November
     

 

2004

1. November 03 bis 31. Januar 1. Feb.  bis 31.Mai       CASTOR-Transport
November
     

 

2003

1. Jan. bis 28. Feb. 1. Feb. bis 31. März 1. April bis 30. Juni CASTOR-Transport 1. Juli bis 31. Oktober

 

2002

1. Jan. bis 31. März 1. Feb. bis 30. April 1. März. bis 31.Mai Castor-Transport
Strahlenintensitätsmessung an der Strasse
1. Juni bis 31. Oktober 1. November bis
31. Dezember

 

2001

1. Okt. bis 31.Dez. 1. Nov. 2001 bis 31.Jan. 02 1. Dez. 01 bis 28. Feb.02

Stellungnahme des BfS zu den Anfragen der Fachgruppe Radioaktiviät der BI vom 26.02.2002


Inhalt:

A. Warum Umgebungsüberwachung unabhängig von Betreiber und Staat?

1. Vorhandene und geplante Konzentrierung von Atommüll, Pilotkonditionierungsanlage (PKA)

2. Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch

3. Erfahrungen mit der Umweltüberwachung durch die BLG

4. Informationen über staatliche Messergebnisse werden bislang verweigert

5. Programmierte Mängel bei der Umgebungsüberwachung

6. Anmerkung

B. Unabhängige Umgebungsüberwachung - Konzept und Messungen

1. Anforderung an ein Messsystem und dessen Grenzen

2. Aufbau des Messsystems

3. Messergebnisse 2001

C. Anhang

Technische Daten des Zählrohres

Entfernung - Windrichtung - Gorlebener Anlagen

A. Warum Umgebungsüberwachung unabhängig von Betreiber und Staat ?

Mehrere Gründe veranlassten die Fachgruppe Radioaktivität der BI - Lüchow / Dannenberg, ein Messsystem zur Überwachung der Gorlebener Anlagen vorzuschlagen:

 

1. Vorhandene und geplante Konzentrierung von Atommüll, Pilotkonditionierungsanlage (PKA)

Bereits jetzt lagern in der Castorhalle (TBL) zwanzig Castor – Behälter. Zwei bis drei mit Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitung gefüllte Castor – Behälter (HAW 20/28) haben ein Radioaktivitätsinventar, das ungefähr der beim Gau von Tschernobyl insgesamt freigesetzten Radioaktivität entspricht. Erst jetzt wird der von der BI und ihren Gutachtern seit Jahren geäusserte Zweifel an der Langzeitzuverlässigkeit der Castor - Behälter auch von Ministerien (BMU, NMU) und staatlichen Institutionen (BAM, RSK) geteilt. Denn die Notwendigkeit der Inbetriebnahme der Pilotkonditionierungsanlage (PKA) wird von ihnen mit der Reparatur von defekten Castor - Behältern begründet, obwohl die Anlage ursprünglich für völlig andere Zwecke beantragt wurde. Andere Experten halten den Grund für diesen plötzlichen Sinneswandel jedoch für nicht stichhaltig, weil Reparaturen auch an den jeweiligen Standorten durchgeführt werden könnten und dafür keine „heisse Zelle" (PKA) notwendig ist.

Wird ein Castor undicht, gelangt Radioaktivität ungefiltert über den Luftstrom aus der Halle ins Freie. Die Genehmigung des Betriebes des TBL (Transport - Behälter - Lager) beinhaltet 420 Stellplätze für Castor –

Behälter. Die Planungen 1995 sahen bis zum Jahre 2003 den Rücktransport von ca. 120 Behältern und ca. 3600 Fässern mit bituminierten radioaktiven Schlämmen von La Hague nach Gorleben vor. Die neueren Planungen der Atomwirtschaft weisen Rückführungen von 475 Behältern bis zum Jahre 2022 aus. Gorleben ist derzeit der einzige Standort in Deutschland, der radioaktive Abfälle aus dem Ausland aufnehmen darf.

Auch vom Abfalllager für schwach- und mittelaktive Abfälle geht die Gefahr der Freisetzung von Radioaktivität aus. Bekanntlich wurden Fässer mit radioaktivem Abfall eingelagert, in denen chemische Reaktionen zur Gasbildung führten („Blähfässer"). Bei Undichtigkeit der Fässer gelangen radioaktive Gase ungefiltert in die Umgebung.

Die PKA war ursprünglich als Versuchsanlage geplant, in der hochradioaktiver Müll in eine endlagerfähige Form gebracht werden sollte. Der Salzstock Gorleben ist als Endlager ungeeignet. Ein Endlager, das den Namen nach wissenschaftlichen Kriterien verdient, ist auf Jahrzehnte nicht in Sicht. Da die ursprüngliche Aufgabe für die PKA entfallen ist, soll diese offensichtlich die PKA nach dem Willen der Betreiber zur Optimierung der Zwischenlagerung genutzt werden. Die „heisse" Inbetriebnahme der PKA bedeutet auf jeden Fall eine radioaktive Belastung von Mensch und Umwelt.

2. Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch

Die extreme Häufung von Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch hat den Verdacht ausgelöst, dass Radioaktivitätsabgaben des AKW Krümmel dafür verantwortlich sind. Krebserkrankungen aufgrund von Radioaktivität treten erst Jahre bzw. Jahrzehnte nach der radioaktiven Belastung auf. Millionen von Steuergeldern wurden in Gutachten investiert. Doch bis heute konnte weder der Verdacht eindeutig bestätigt, noch konnte eine andere Ursache für die Erkrankungen gefunden werden. Eine von den Betreibern des AKW unabhängige Überwachung von Betriebsbeginn 1983 an, die den Nachweis einer radioaktiven Belastung hätte erbringen können, fand nicht statt. Eine zuverlässige Messung des Strahlenklimas, unabhängig von Behörden und Betreibern, hätte den Gutachterstreit mit hoher Wahrscheinlichkeit überflüssig gemacht.

Es herrscht Einvernehmen in der internationalen Fachwelt, dass es keinen Schwellenwert für Strahlenbelastung gibt, unterhalb dessen sie ungefährlich ist. Jede über die natürliche Belastung hinausgehende Strahlendosis (auch die natürliche!) erhöht das Risiko einer Krebserkrankung und Genschädigung, die sich erst bei kommenden Generationen auswirkt. Entstehendes Leben, Kinder, Heranwachsende und durch Krankheit geschwächte Personen sind durch ionisierende Strahlung sicher mehr gefährdet als gesunde Erwachsene.

Staatlich festgelegte Grenzwerte dienen nur dazu, das Strahlenbelastungsrisiko unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit zu begrenzen.

3. Erfahrungen mit der Umweltüberwachung durch die BLG

Die Gamma - Dosisleistungsmessungen, die im Rahmen der Betriebsgenehmigung für das Abfall- und Transportbehälterlager im Zeitraum von Oktober 1983 bis Dezember 1995 durchgeführt wurden, zeigen fundamentale Mängel. Die Analyse der Messdaten zeigte:

- Es gibt keinen Konfidenztest der Messwerte, d.h. es wurden auch solche Messwerte in die Ermittlung der Jahresdosis einbezogen, die offensichtlich Fehlmessungen waren.

- Über Monate wurden Fehlmessungen, die wahrscheinlich auf eine defekte Elektronik zurückzuführen waren, nicht bemerkt und dennoch in die Berechnungen einbezogen.

- Tagelang fielen alle Messstellen auf dem Gelände der BLG vollständig aus.

- Die Messstationen registrierten den radioaktiven Niederschlag nach dem Gau von Tschernobyl unterschiedlich. Dieser Hinweis auf systematische Fehler der Messstationen wurden vom Betreiber und von den Aufsichtsbehörden ignoriert.

- Die Messdaten von 1983 bis 1995 weisen aus, dass die Detektoren weder bei der Installation noch danach kalibriert wurden.

- Die Messsysteme und die Art, wie sie betrieben werden, sind ungeeignet, die in dem Genehmigungsbescheid zur Auflage gemachte Dosisbegrenzung für die Einlagerung zu bestimmen.

- Die Messsysteme auf dem Gelände der BLG sind im Schatten eines Erdwalls aufgestellt und erfassen somit nur einen Teil der zu messenden Streustrahlung.

Die zur Umweltüberwachung eingesetzten Messsysteme wurden von Beginn an weder mit der erforderlichen Fachkenntnis betrieben noch wurden die Messdaten entsprechend ausgewertet. Weder die Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), noch die Aufsichtsbehörden, das Niedersächsische Umweltministerium(NMU) und das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg, haben die Mängel erkannt und auf Abhilfe gedrungen.

 

Nach dieser öffentlich vorgetragenen Kritik verweigerten sowohl die BLG als auch das NMU trotz mehrfacher Anforderung der Kreisverwaltung weitere detaillierte Jahresberichte zur Überprüfung. Im Jahre 1997 erfolgte eine totale Revision der Messstationen an den Grundstücksgrenzen der BLG. Eine vom Betreiber gewährte Einsichtnahme in die Protokolle (Die Einsichtnahme lässt keine Analyse der Messdaten zu) liess auch bei dem neuen System schwerwiegende Mängel erkennen.

4. Informationen über staatliche Messergebnisse werden bislang verweigert.

Entsprechend des Strahlenschutzvorsorgegesetzes (StSchVG) betreibt der Bund im Landkreis drei Gamma - Messstellen (Höhbeck, Gedelitz,) zur Überwachung des Strahlenklimas. Die Landesregierung Niedersachsen ist laut Gesetz seit 1987 verpflichtet, umfangreiche Proben (z.B. Oberflächengewässer, Grundwasser, Feldfrüchte usw.) auf den spezifischen Gehalt an Radioaktivität zu untersuchen. Neben dem Betreiber ist das NMU entsprechend den Vorschriften für Atomanlagen an Messungen zur Beweissicherung für die PKA beteiligt. Die Kreisverwaltung hat das NMU 1997 gebeten, über die Messergebnisse informiert zu werden. Bisher liegen lediglich die Ergebnisse der Wasserradiologie vor.

5. Programmierte Mängel bei der Umgebungsüberwachung

Grenzwerte der Strahlenbelastung in der Strahlenschutzgesetzgebung werden grundsätzlich auf den Zeitraum eines Jahres bezogen. Spitzenbelastungen werden durch die staatlich vorgegebenen Regelungen zur Messtechnik, die bei der Umweltüberwachung Anwendung finden, nicht registriert. In veröffentlichten Berichten werden in der Regel nur monatliche Mittelwerte aufgeführt. Kurzzeitige Spitzenbelastungen werden dabei nivelliert.

 

Ein konkretes Beispiel: Entgegen der entschiedenen Ablehnung und dem Widerstand der Bevölkerung wurde der Betrieb der PKA vom NMU genehmigt. Im „heissen" Betrieb werden Castor - Behälter geöffnet. Bei einem Luftwechsel von 15 - mal pro Stunde in der „heissen Zelle" werden radioaktive Gase und Aerosole in kürzester Zeit über den Abluftkamin in die Umgebung abgegeben. Die radioaktive Belastung der Menschen über die Atmung wird von der Umweltüberwachung nicht erfasst. Bei spezifischen Radioaktivitätsmessungen von Proben lassen sich Gase nicht nachweisen. Bei der Dosisleistungsüberwachung geht die Spitzenbelastung in der Mittelwertbildung unter.

Das Gefährdungspotential von Radioaktivität durch Atmung (Inhalation) oder Essen und Trinken (Ingestion) ist im Körper weitaus grösser als die äussere Einwirkung der von den radioaktiven Teilchen ausgehenden Strahlung. In Tabelle 1. ist ein Vergleich der äusseren und inneren Strahlenbelastung durch zwei Radionuklide (Kobalt - 60, Cäsium - 137) wiedergegeben.

Aus Tabelle 1. folgt :

- Um Radioaktivität in der Luft oder im Regen registrieren zu können, muss die Gamma - Strahlung in der Umgebung in kurzen Zeitabständen möglichst genau gemessen werden.

Wenn eine Erhöhung des Strahlenpegels gegenüber der natürlichen Umgebungsstrahlung registriert wird, ist die Strahlenbelastung durch Inhalation und Ingestion um Grössenordnungen höher aufgrund geringer Aufenthaltszeit im Strahlenfeld der Radioaktivität.

Tabelle 1. Vergleich äusserer und innerer Strahlenbelastung

Merkmal Co 60 Cs 137
  • Halbwertszeit
5,27 a 30,0 a
  • Gamma-Äquivalent-
    dosisleistung (mSv/h) durch eine unabgeschirmte punktförmige Kontamination
    von 10.000 Bq:
    (Bq) Becquerel  Zerfälle pro Sekunde (Masseinheit für Radioaktivität)

- 0,1 m Abstand

- 1,0 m Abstand

- 2,0 m Abstand

 

 

 

 

 

 

0.37

0,0037

0,00092

 

 

 

 

 

 

0.11

0,0011

0,00027

  • Effektive Dosis (mSv/h) einer Person bei Bestrahlung von vorne durch eine über eine Fläche von 300 cm2 ausgedehnte Kontamination von 1.000 Bq/ cm2

- in 0,1 m Abstand

- in 1,0 m Abstand

- in 2,0 m Abstand

 

 

 

 

6,5

0,092

0,023

 

 

 

 

1,8

0,024

0,006

  • Äquivalentdosis (mSv/h) der Haut infolge einer Kontamination der Hautoberfläche (Hände) von 1.000 Bq/ cm2:

1,100 1,500
  • Effektive Dosis eines Erwachsenen durch Inkorporation einer Aktivitätsmenge von 10.000 Bq:

Inhalation (mSv)

Ingestion (mSv)

 

 

 

590

28

 

 

 

86

140

(entnommen dem Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) zum Kontami- nationsskandal.)

 

 

6. Anmerkung

Ohne die finanzielle Unterstützung zahlreicher Spender und Sponsoren wären die Investitionen nicht denkbar. Neben den vielen ungenannten Spendern sei den Sponsoren, der BI – Lüchow / Dannenberg, der Bäuerlichen Notgemeinschaft, dem Niedersächsischen Landvolk und dem Landkreis gedankt. Auch die tatkräftige Unterstützung, die die Fachgruppe Radioaktivität durch andere Bürgerinitiativen erfahren hat, die seit Jahren Umgebungsüberwachung von Atomkraftwerken betreiben und in der Arbeitsgemeinschaft (AUA) sich zusammengeschlossen haben, sei hier dankend erwähnt. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft treffen sich zweimal jährlich, um Erfahrungen auszutauschen und Anregungen für die weitere technische Entwicklung zu entwickeln.

Mit dem Projekt wurde Ende 1998 begonnen. Der Aufbau und die Betreuung der Messanlagen, deren Betreuung als auch die Programmierung der Auswertungen wurde ehrenamtlich in ungezählten Stunden von drei Mitgliedern der Fachgruppe durchgeführt. Derzeit sind vier Anlagen in Betrieb.

B. Unabhängige Umgebungsüberwachung - Konzept und Messungen

Der Mensch besitzt kein Sinnesorgan, Radioaktivität und die von ihr ausgehende ionisierende Strahlung wahrzunehmen. Es bedarf stets physikalischer Wechselwirkungsprozesse (z.B. Ionisation) und deren optische Umsetzung in Form von Messgeräten, um Strahlung und deren Intensität anzuzeigen.

 

1. Anforderung an ein Messsystem und dessen Grenzen

Das Konzept einer von Staat und Betreibern unabhängigen Umgebungsüberwachung von Atomanlagen muss folgende Bedingungen erfüllen:

a. Die Handhabung des Messsystems muss so einfach sein, dass es von s.g. Laien nach einer Einweisung bedienbar ist.

b. Die Kosten und der Personalaufwand müssen durch Spendenaufkommen aufzubringen sein.

c. Die Empfindlichkeit des Detektorsystems muss so hoch sein, dass die Freisetzung von Radioaktivität gegenüber der natürlichen Untergrundstrahlung sicher nachweisbar ist.

d. Wenn Radioaktivität nachgewiesen wurde, muss entscheidbar sein, ob sie der beobachteten Atomanlage zugeordnet werden kann oder anderen Ursprungs ist.

Die Tatsache, dass mehrere Bürgerinitiativen das geplante Messsystem seit Jahren effektiv nutzen, spricht für die Erfüllung der genannten Voraussetzungen.

Die Grenzen der Aussagen, die die Messdaten der installierten Detektoren liefern, sollen hier auch benannt werden:

    • Es werden keine absoluten, sondern nur relative Gamma - Dosisleistungen gemessen. Entscheidend ist, den Nachweis von möglichen radioaktiven Immissionen zu erbringen.
    • Über die Art der Radioaktivität, - nuklidspezifische Aussagen -, lassen sich keine Angaben aus den Messdaten ableiten. Einige Institutionen z.B. Uni Bremen, Energie- und Umweltbüro München sind bereit, Umweltproben nuklidspezifisch zu untersuchen. Diese Möglichkeit werden dann in Anspruch genommen, wenn das Messsystem radioaktiven Niederschlag anzeigt. Auch eine Zusammenarbeit mit staatlichen Messstellen wird angestrebt.

 

Weder vom Personalaufwand noch finanziell kann eine Umweltüberwachung von BürgerInnen für BürgerInnen das leisten, was staatlichen Behörden und Institutionen professionell möglich ist.

 

2. Aufbau des Messsystems

Es ist geplant, insgesamt vier Strahlungsmessstationen in unterschiedlichen Himmelsrichtungen von den Gorlebener Anlagen aufzustellen. Unabdingbar ist die Installation einer Wetterstation, die meteorologische Messdaten synchron mit den Strahlungsmessungen liefert. Die Messstationen sind Funkuhr gesteuert. Damit ist die Synchronisation gewährleistet. Das Organigramm (s.u.) zeigt den Aufbau der Mess- mit Wetterstation.

Die Wetterstation erfasst Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Luftdruck, Temperatur und Niederschlag. Jede Messstation ist mit einem Strahlungsmesskopf, bestehend aus fünf empfindlichen Geiger - Müllerzählrohren, eine Registrierung des Niederschlages, eine Anzeige Regen ja / nein und einer Temperatursonde ausgestattet. Alle Messsignale werden in einer Messbox zusammengeführt und in digitalisierter Form zeitabhängig auf der Festplatte des Computers gespeichert. Auf dem Bildschirm des Computers kann jederzeit die Messwerterfassung aller Parameter dargestellt werden. Die Messwerterfassung erfolgt im Fünfminutentakt. Für jeden Parameter werden 288 Messdaten täglich erfasst. Nach erfolgtem Aufbau des geplanten Messsystems werden es ca. 5000 Messwerte sein. Die Messdaten sind nach Jahr, Monat und Tag geordnet. Sie werden auf Diskette zur Auswertung und Archivierung übertragen.

Organigramm der Messanlage

Wetterstation: organg1kl.jpg (11994 Byte)
Messstation:

 

Die Messstationen wurden auf Privatgrundstücken installiert. Im Zeitabstand von ca. einem Monat werden die Messdaten auf Disketten übertragen und ausgewertet. Der relativ lange Zeitraum wird wesentlich durch den zur Verfügung stehenden Personalaufwand bestimmt. Allerdings können vor Ort an jeder Messstation jederzeit die aktuellen Messdaten am Bildschirm beobachtet werden.

3. Messergebnisse 2001

In Abbildung 1 ist die registrierte relative Strahlenintensität an den Stationen r1 (Gedelitz) und r2 (Gorleben) dargestellt. Die Messpunkte stellen den Stundenmittelwert der Strahlenintensität eines Tages dar, die sich aus den im 5 Minutentakt aufgezeichneten Werten berechnen.

Relative Dossileistung an den Messtationen r1 und r2 in 2001

abb1kl.jpg (13307 Byte)
Wenn Sie auf das Bild klicken wird Ihnen dies im Oginal (25 KB) angezeigt

Abb. 1. Stundenmittelwert der relativen Strahlungsintensität an den Standorten Gedelitz (r1) und Gorleben (r2) als Funktion der Zeit.

Man erkennt, dass sich die Intensitäten standortbedingt geringfügig unterscheiden. Sieht man von den geringen Schwankungen ab, zeigt sich keine jahreszeitlich bedingte Abhängigkeit.

Wesentlich aufschlussreicher ist die graphische Darstellung Abbildung 2, in der nicht nur der Mittelwert, sondern auch der Maximal- und Minimalwert eines Tages enthalten sind. Die Streuung der relativen Dosisleistung zeigt an einzelnen Tagen Spitzenwerte bei den Maximalwerten. Deutliche Spitzenwerte sind an den Tagen der Castor – Transporte am 29.03.01 und 14.11.01 zu erkennen. Obgleich der Detektor weit von der Strasse entfernt, und der Detektor nicht auf die Strasse ausgerichtet ist, wird die Gammastrahlung des Castor – Konvois registriert. Die wesentliche Strahlenbelastung geht beim Transport nicht von der Gammastrahlung, sondern von der nicht registrierten Neutronenstrahlung aus.

Die maximale Abweichung vom Tagesmittelwert an Tagen ohne Transport und Radioaktivitätseintrag beträgt ca.10%. Da es bei den Messungen nur auf die Abweichung von der natürlichen Strahlungsintensität ankommt, kann man sich auf deren Besonderheiten konzentrieren.

Tagesschwankungen an der Messtelle r2 (Gorleben)

abb2kl.jpg (20732 Byte)
Wenn Sie auf das Bild klicken wird Ihnen dies im Oginal (39 KB) angezeigt

Abb. 2 Schwankung der relativen Dosisleistung der Messstation in Gorleben in 2001. Neben Spitzenwerten an den Tagen von Castor-Transporten sind auch Spitzenwerte an Regentagen zu erkennen.

Noch deutlicher geht der Einfluss der Castor – Strahlung auf die Strahlenintensität aus den Originaldaten hervor. In Abbildung 4. sind die Originaldaten der Messstationen r1, r2 und r3 eingetragen. Leichte Schwankungen der Intensität am 29.03.2001 sind durch Radioaktivitätseintrag durch Regen bestimmt. Nur in Gorleben (r2) wird eine Spitze deutlich.

Der Strahlungsdetektor registriert nur Gammastrahlung. Bei der Castorstrahlung dominiert jedoch die Neutronenstrahlung. Nach offiziellen Angaben (BfS) beträgt der Anteil der Gammastrahlung an der Gesamtstrahlung 20 %. Die Intensität der gesamten CASTOR- Strahlung ist demnach um den Faktor 5 höher. Nach strahlenbiologischen Erkenntnissen ist das Gefährdungspotential der Neutronen jedoch wesentlich höher, als das BfS zugrundelegt. Demnach verringert sich der Anteil der Gammastrahlung auf ca. 5%.

Abweichung des höchsten Tageswertes vom Mittelwert

abb3kl.jpg (11924 Byte)
Wenn Sie auf das Bild klicken wird Ihnen dies im Oginal (21 KB) angezeigt

Abb.3. Abweichung des Maximalwertes vom Tagesmittelwert als Funktion der Zeit in Gedelitz (r1) und Gorleben (r2). Während Radioaktivitätseintrag durch Regen an beiden Messstationen registriert werden, ist die Erhöhung bei Castor – Transporten nur in Gorleben zu beobachten.

 

Nachweis der Castor - Strahlung

abb4akl.jpg (10688 Byte)

Wenn Sie auf das Bild klicken wird Ihnen dies im Oginal (30 KB) angezeigt

Abb. 4a. Vergleich der Strahlungsintensitäten am 29.03.2001 an den Messstationen r1, r2 und r3. Nur in Gorleben tritt eine Spitze um 7:05 Uhr (8:05 Uhr Ortszeit) auf.

Gorleben r2: 29.03.2001

abb4bkl.jpg (10131 Byte)

Wenn Sie auf das Bild klicken wird Ihnen dies im Oginal (25 KB) angezeigt

Abb. 4b. Mit der Feuchtigkeitsanzeige (Regen j/n) ist ein leichter Anstieg der Strahlungsintensität verbunden. Die Castor – Strahlung hebt sich deutlich davon ab.

 

Als Beispiel für Radioaktivitätseintrag durch Regen werden in den Abbildungen 5. die Intensitätsverläufe über den Tag am 08.07.01 in Gorleben und Gedelitz wiedergegeben.

Intensität Geselitz (r1) am 08.07.2001

abb5a.jpg (11725 Byte)

Intensität Gorleben (r2) am 09.07.2001


abb5b.jpg (11725 Byte)

 

Abb. 5. Strahlungsintensität, die durch radioaktive Aerosole beeinflusst wird. In den Abbildungen sind die gemessenen Strahlungsintensitäten (linke Skala) und die Anzeige Regen j/n (rechte Skala) aufgezeichnet. Der Detektor Regen j/n liefert den Wert 1 bei Anwesenheit von Feuchtigkeit, sonst den Wert 0.

Es ist zu erkennen, wie mit Beginn des Regens die Intensität ansteigt. Nach Beendigung des Niederschlags fällt sie entsprechend der Halbwertszeit der eingetragenen Radioaktivität wieder auf den normalen Pegel ab. Aus dem Zeitverlauf des Abfalls berechnet sich eine Halbwertszeit, die anzeigt, dass es sich bei der eingetragenen Radioaktivität um Zerfallsprodukte des Edelgases Radon handelt. Radon seinerseits ist ein Zerfallsprodukt des Uran, das in Spuren im Erdreich vorhanden ist.

 

C. Anhang:

1. Technische Daten des Zählrohres

Technische Daten des Zählrohres

(Die angegebenen Werte gelten für Umgebungstemperatur (25 °C) sowie für die empfohlnen Betriebsbedingungen)

Physikalisch

Empfindlichkeit (bezogen auf 60 - Co) 20 Imp/s pro mGy/h
Empfindlichkeit (bezogen auf 137-Cs) 16 Imp/s pro mGy/h
Meßbereich (0,2 ... 3000) mGy/h
Nulleffekt (hinter 5cm Pb + 0,2cm Al) 90 Imp/min
Eigeneffekt (intrinsic-Effekt) 45 Imp/min ± 5%
Länge des aktiven Volumens 235 mm
Kathodendurchmesser 18 mm
Masse 120 g
Füllgas Neon/Halogen
Lebenserwartung > 6 - 1010 Imp

Elektrisch

Einsatzspannung <350V
Plateauspannungsbereich (400 ... 600) V
Plateaulänge >200 V
Empfohlene Betriebsspannung 450 V
Plateausteigung < 0, 1% / V
Totzeit < 200 ms
Empfohlener Anodenwiderstand 5,1 MO

Grenzwerte

Lagertemperaturbereich

(-55 ... +70) -C

Betriebstemperaturbereich

(-50... +70) -C

Anodenwiderstand RA min.

4 M12

Parallelkapazität Cp max.

5 pF
Betriebsspannung max. 550 V

Empfindlichkeit in Abhänigkeit von der Energie bezogen auf 137Cs

empfindlkl.jpg (8517 Byte)
Wenn Sie auf das Bild klicken wird Ihnen dies im Oginal (35 KB) angezeigt

 


 1.  Entfernung - Windrichtung - Gorlebener Anlagen

entferngkl.jpg (17674 Byte)

Wenn Sie auf das Bild klicken wird Ihnen dies im Oginal (68 KB) angezeigt

Bearbeitet am: 26.01.2002/ad


zurück zur Homepage