Die Pilotkonditionierungsanlage in Gorleben

Teil I

- Technik, Auswirkungen und Probleme -

erstellt im Auftrage für die:

September 1990

Gruppe Ökologie, Institut für ökologiche Forschung und Bildung e.V., Immengarten 31, 3000 Hannover 1
Tel.: 0511/696 3130

 

Hinweis:
Das Gutachten umfaßt 71 Seiten
Wir haben deshalb im Inhaltverzeichnis Links auf die einzelnen Punkte und Bilder gelegt

 

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung und Danksagung Vorwort

1. Kein Atomprogramm ohne Konditionierungsanlage

2. Kurze Geschichte der PKA
2.1 Chronologie
2.2 Wechselspiel der Hauptaufgabe
2.3 Zentrale Konditionierung?

3. Beschreibung der Anlage
3.1 Standort
3.2 Aufgaben der PKA
3.3 Technik
3.3.1 Arbeitsabläufe und Konditionierungstechnik
3.3.1.1 Konditionierung von LWR-BE
3.3.1.2 Umladen von Abfallgebinden
3.3.1.3 Konditionierung flüssiger Abfälle
3.3.2 Rückhaltetechnik
3.3.3 Kühltechnik
3.3.3.1 Aktive Kühlung
3.3.3.2 Passive Kühlung

3.4 Mengen radioaktiver Stoffe in der Anlage
3.4.1 Durchsatz der PKA
3.4.2 Lagerkapazitäten

4. Auswirkungen der Anlage im Normalbetrieb
4.1 Emissionen mit Abluft und Abwasser
4.2 Strahlenbelastung in der Umgebung der Anlage
4.2.1. Strahlenbelastung durch Abluft und Abwasser
4.2.2 Direkt- und Streustrahlung
4.3 Strahlenbelastung der Beschäftigten

5. Stör- und Unfälle
5.1 Brand bituminierter Abfälle
5.2 Selbsterhitzung von bestrahlten Kernbrennstoffe
5.3 Absturz eines Brennelementes

6. Behältersysteme

7. Transport von und zur PKA

8. Überwachung von Spaltmaterial

9. Die "Entsorgung" der PKA

10. Die Genehmigung
10.1 Das vorläufige positive Gesamturteil
10.2 Warum der Sofortvollzug?

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Erteilung der Ersten Teilgenehmigung zum Bau der PilotKonditionierungsanlage (PKA) in Gorleben Anfang dieses Jahres hat das (bundes)deutsche Atomprogramm ein Stack weiter komplettiert. Dieser Anlage werden je nach momentaner Interessenslage von Betreibern, Elektrizitätswirtschaft und Bundesregierung immer wieder neue Aufgaben zugewiesen:

Erprobung von Konditionierungsverfahren für abgebrannte Brennelemente, Umpacken und ggfs. Nachkonditionierung von radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung bundesdeutscher Brennelemente in La Hague und Sellafield, kommerzielle Nutzung als Entsorgungsnachweis für Atomkraftwerke, usw.

Allein dies zeigt, daß die Entsorgungspolitik in der Bundesrepublik sich in einem desolaten Zustand befindet und die Grundlage für die Genehmigung einer solchen Anlage nicht gegeben ist. Der Druck von allen Seiten mag die Ursache dafür gewesen sein, daß das Niedersächsische Umweltministerium die Genehmigung erteilte, ohne daß wesentliche Voraussetzungen erfüllt waren. Drei Hauptpunkte sind hier zu nennen, deren Behandlung im Rahmen des Genehmigungsverfahrens vorrangig zu fordern ist: (1) Es existiert kein Konzept zur überwachung des spaltbaren Materials in der PKA. Mit 12 X liegt die Uberwachungs(un)genauigkeit weitaus höher als für andere Atomanlagen; pro Jahr kann damit über eine Menge von maximal 42 kg Plutonium kein Nachweis geführt werden. (2) Die Entsorgung dieser Entsorgungsanlage ist völlig ungeklärt, denn weder jetzt noch in absehbarer Zukunft steht ein Endlager zur Verfügung für die konditionierten Brennelemente und radioaktiven Abfälle, die die Anlage verlassen. (3) Transporte von und zur PKA sind ein integraler Bestandte des Anlagenbetriebes. In das bisherige Genehmigungsverfahren wurden sie dennoch nicht einbezogen.

Darüberhinaus ist festzuhalten, daß die bisher öffentlich zugänglichen Unterlagen äuRerst unzureichend sind. Damit eine umfassende Beurteilung und Bewertung der mit der PKA verbundenen Probleme möglich wird, ist die Offenlegung aller Unterlagen zu fordern.

Danksagung

Mit der vorliegenden Studie wollen wir den Fragen nachgehen, i welchem Zusammenhang die PKA steht, was dort getan wird und welche Probleme damit verbunden sind. Unsere Arbeit wäre nicht' möglich gewesen ohne Unterstützung von auRen. Wir danken deshalb der BI Lüchow-Dannenberg, der BI Reppenstedt, den Fraktionen der GRÜNEN im niedersächsischen Landtag und im Bundestag sowie dem Bundesvorstand der GRÜNEN für die finanzielle Förderung.

Gruppe Ökologie Hannover, Oktober 1990

Ulrike Fink,
Wolfgang Neumann

Vorwort

Auch nach 30 Jahren Atornenergienutzung ist fur die Endlagenng der entstandenen und entstehenden Atornabfälle keine Lösung in Sicht. Das sogenannte Entsorgungskonzept der Regierung ist eine Geschichte von gescheiterten Hoffnungen. Die projektierten Endager in Gorleben und Schacht Korrad sind als untauglich nachgewiesen, trotzdern versucht die Bu desregierung diese Projekte durchzusetzen. Mit dem Anschluß der DDR hat sich die Bundesrepublk über Nacht ein genehmigtes Endlager für schwach- und rnittelaktive Abfäle angeeignet. Das Endlager Morsleben bei Helrnstedt auf dem früheren Gebiet der DDR erfült nicht eimnal die Sicherheitskriterien, wie sie von der Reaktorsicherheltskommision und Strahlenschutzkommission aufgestelt wurden. Die betroffenen Bürgerlrnen hatten keine Gelegenheit ihre Einwendungen bei einem Genemigungsverfahren vorzubringen. Trotzdern hat die Bußesregierung mit Ehführung des neuen § 57a h das Atomgesetz im Einheitsvertrag die aten SED-Genehmigungen bestätigt und eine Bestandsgarantie für die nächsten 10 Jahre ausgesprochen. Damit hat sie sich eh Schlupfloch geschaffen, um zumindest für einen Teil der radioaktiven Abfälle einie Lösung vorzutäuschen unter Urngehung jeglicher Rechtsgrundsätze und Sicherheitserwägungen.

Sebst wenn es gelingen sollte Morsieben als deutsches Endlager für schwach- und mittelaktive Atomabfälle durchzusetzen, ist die Entsorgungsfrage nicht geklärt. Wohin rnit den hochaktiven Abfälen aus der Wiederaufarbeitung, wohin mit den abgebrannten Brennelementen aus den AKW's ? Mit der Aufgabe der WM-Wackersdorf im April 1989 aus politischen und ökonornischen Gründen und der Flucht nach La Hague und Sellafield platzte einmal mehr der Traum von einer funktionierenden Entsorgung h der BRD. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, daß die WAA kein Beitrag zur Entsorgung ist, sondern eine zwischenzeitliche Verschiebung der Problerne bedeutet. So werden heute in Frankreich und Großbritannien de Menschen und die Umwelt mit deutschen Abfällen radioaktiv verseucht. Doch spätestens dann, wenn die 20 fach größeren Mengen an hoch-, mittel- und schwachaktiven Abfälen aus der Wederaufarbeitung zuückgenommen werden müssen, kommt das Problern ins eigene Land zurück. Statt um eine sichere Entsorgung handelt es sich um immer neue Versdiebebahnhöfe für die radioaktive Last, denn Lösungen sind nicht in Sicht . Mit der Aufgabe der WAA in Wackersdorf wurde dieser Zustand auch der Öffentlichkeit bewußt,deshalb wird seit 1989 verstärkt das alte Konzept der sogenannten Direkten Endlagerung abgebrannter Brennelernente wieder ins Spiel gebracht. Technisch bedeutet Direkte Endlagerung, das Verpacken abgebrannter Brernelemente und die angeblich auf Jahrtausende sichere Verbringung in ein Endlager. Aus diesem Grunde wird diese Option als Alternative zur WAA gehandelt, da es jedoch bis heute kein Endlager gibt und auch in absehbarer Zeit keins in Ausssicht steht, gibt es auch keine Direkte Endager. Es handelt sich dabei um nichts anderes als um einen poitischen Kampbegriff und eine neuerliche Lüge der AKW-Betreiber und der Atomparteien. Die Option aut Direkte Endagerung soll der SPD mit Rücksicht aut deren Ablehnung der Plutoniumswirtschaft eine Eselsbrücke bauen, um ihr die Zustimmmung für einen neuen Entsagungspolitischen Konsens zu ermöglichen. Einen Konsens den die Betreiber bitter nötig haben, da die Akzeptanz für die Atomenergie gerade wegen der ungelösten Endlagerfrage auf dem Nullpunktist. Ein solcher Konsens würde den ungehemmten Weiterbetrieb von Atomanlagen ermöglichen und die ungelöste Entsorgung als machbar erscheinen lassen.

Unter diesen Vorzeichen wurde nach dem Aus für Wackersdorf das Genehmigungsverfahren für de sogenarnte Piltkonditionierungsanlage (PKA ) in Gorleben mit Nachdruck durchgetührt. Im Jahr 1990 wurde die erste Teierrichtungsgenehmigung erteilt und mit dem Bau begonnen. Die Funktionen die die PKA erfüllen soll beweisen daß es sich hier um eine notwendige Ergänang zur WM handelt und keineswegs um eine Alternative dazu. Durch die PKA wird außerdem der Druck für die Duchsetzung des als untauglich erwiesenen Endlagers Gorleben erhöht. Wir haben die vorliegende Studie zur PKA in Auftrag gegeben um einerseits de Sicherheitsmängel aufzuzeigen, andererseits sollen die Ergebnisse dieser Studie auch die niedersächsiche Landesregierung die sich per Koalitionsvererbarung gegen den Bau der PKA ausgesprochen hat zum Handeln ermahnen. Die Risikopotentiale der PKA, die unhaltbaren Lücken des Sicherheitsberichtes und die krassen Mängel des Genehrnigungsverfahrens machen ein sofortiges Handen erforderlich. Das Ergebnis kann nur eine sofortige Zurücknahrne der 1. Teilerrichtungs- genehmigung sein. In diesem Sirne erwarten wir Taten von der niedersächsischen Landesregierung als Genehmigungsbehörde.

Wir bedanken uns bei der Gruppe Ökologie in Harnover für ihre Arbeit. Dieser Dank gilt besonders Wolfgang Neumann und Ulricke Fink von der GÖK, die mit viel Schweiß und Fleiß die vorliegende Studie erarbeitet haben.

Für die Bl-Lüchow-Dannenberg, BI, Reppenstedt, Fraktion die Grünenen im nieders. Landtag, Fraktion de Grünen im Bundestag, Bundesvorstand Die Grünen

i A. Lio Wollny MdB, die Grünen im Bundestag

 

 

1. Kein Atomprogramm ohne Konditionierungsanlage

Die Suche nach Möglichkeiten für ein sicheres Umgehen und der sicheren Beseitigung des durch den Betrieb von Atomanlagen entstehenden Atommülls (offiziell: "Radioaktive Reststoffe") ist so alt wie das Atomprogramm. Auch heute, 1990, sind die damit zusammenhängenden Probleme nicht gelöst.

Im Jahre 1979 wurde von den Regierungschefs von Bund und Ländern der BeschluR gefaRt, für die "Entsorgung der Kernkraftwerke" der Wiederaufarbeitung von ausgedienten Brennelementen absolute Priorität einzuräumen [1]. Das Ganze bekam den Namen "schadlose Verwertung". Mit gleichem BeschluR wurde die weitere Untersuchung des "Entsorgungsweges Direkte Endlagerung" (einschl. Konditionierung) festgelegt und die Projektgruppe "Andere Entsorgungstechniken" unter Federführung des Kernforschungszentrums Karlsruhe gebildet. Das Projekt "Andere Entsorgungstechniken" hatte aus damaliger Sicht zunächst mehr oder weniger Alibicharakter, was unter anderem an der knapp bemessenen Laufzeit und dem, gemessen an anderen Projekten für die Atomenergie, relativ geringen Finanzvolumen zu erkennen ist [2]. Darauf deutete auch hin, daß z.B. Innenminister Zimmermann (CSU) schon während der laufenden Untersuchungen die Direkte Endlagerung abschrieb [3]. Ohne die Regierungen der Bundesländer erneut gefragt zu haben, beschloß die Bundesregierung am 23.1.19ß5 nach Vorlage der "Systemstudie Andere Entsorgungstechniken" den Vorrang für die Wiederaufarbeitung [4]. Die Direkte Endlagerung sollte im Rahmen der "Systemanalyse Mischkonzept" der weiter bestehenden Projektgruppe "Andere Entsorgungstechniken" nur noch für solche Brennelemente (BE) zur Einsatzreife gebracht werden, die nicht wiederaufgearbeitet werden können oder sollen. Dies beinhaltete auch weitere Arbeiten bezüglich der vor einer Endlagerung notwendigen Konditionierung. Die Zahl der hierfür relevanten BE-Typen wurde stetig größer: Waren zunächst nur solche BE vorgesehen, die hinsichtlich ihrer Kenndaten von der Norm für die Wiederaufarbeitung abwichen, so kamen bald die Mischoxid-BE nach der ersten oder zweiten Rezyklierung der Brennstoffe, die durch gezielte Versuche mit höheren Standzeiten im Reaktorkern erzeugten Hochabbrand-BE und nicht zuletzt auch die Hochtemperaturreaktor-BE dazu.

Seit Frühjahr 1989 kommt die Direkte Endlagerung für alle Brennelemente wieder stärker in die Diskussion. Auf Betreiben der bundesdeutschen Energieversorgungsunternehmen (EVU) wurden die Arbeiten zum Bau der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf nach Investitionen von knapp 3 Millarden DM abgebrochen. Zwischen den einzelnen EVU gab und gibt es offenbar Meinungsunterschiede darüber, welcher Entsorgungsweg bevorzugt werden sollte. Insgesamt scheint die Entscheidung über den weiteren Weg wieder offen zu sein. Dies gibt auch die Möglichkeit, SPD und DGB wieder in den nationalen Energiekonsens einzubinden.

Das Konzept für eine Konditionierungsanlage war im Verlauf der oben genannten Untersuchungsprogramme starken Änderungen unterworfen. In der "Systemstudie Andere Entsorgungstechniken" wurde (übrigens bereits von der DWK) als Alternative zur Wiederaufarbeitungsanlage eine Konditionierungsanlage für einen Jahresdurchsatz von 700 t Schwermetall (SM) konzipiert. Während der Projektphase l dieser Studie wurden 9 Verfahren zur Konditionierung von BE untersucht. Die Bandbreite reichte vom Verpacken unzerlegter BE bis zum Verglasen des Kernbrennstoffs nach Auflösung [5]. Für den Abschlußbericht der Systemstudie wurde als Referenzkonzept die endlagergerechte Verpackung von ganzen, unzerlegten BE bis zu Ende entwickelt [6].

Nach dem Regierungsbeschluß von 1985, die Wiederaufarbeitung festzuschreiben, wurden die Planungen für eine Konditionierungsanlage umgestellt. Zunächst sollte zum Beweis der Machbarkeit eine "Pilot-Konditionierungsanlage" (PKA) mit einem Durchsatz von 35 t SM pro Jahr gebaut werden. Ab dem Jahr 2000 war eine Erweiterung der Kapazität auf 350 t SM pro Jahr vorgesehen - so die offizielle Planung der Deutschen Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK) bis Ende 1986 [7]. Seitdem war in der Öffentlichkeit von der Kapazitätserweiterung keine Rede mehr.

Die Konditionierungsanlage hat einen festen Platz in jedem bisher entwickelten Entsorgungskonzept. Ohne Wiederaufarbeitung spielt sie die zentrale Rolle, mit Wiederaufarbeitung wird sie auf jeden Fall als Ergänzung für bestimmte BE-Typen gebraucht.

Neben der Erprobung der Konditionierung von BE erhielt die PKA im Rahmen der Entsorgung im Laufe der Zeit zwangsweise noch weitere Aufgaben. Die zwei wichtigsten sind das Umladen von Abfallgebinden aus dem Ausland und der Reparatur- und Instandhaltungsservice für BE-Behälter [8]. In den Verträgen zur Wiederaufarbeitung bundesdeutscher BE mit Frankreich und GroRbritannien wurde die Rücknahme der dabei anfallenden radioaktiven Abfälle vereinbart. Nach jetzigem Stand soll die Rücknahme aus Frankreich 1993 und aus Großbritannien 1994 beginnen [9]. Da die zurückkommenden Gebinde voraussichtlich nicht den bundesdeutschen Lagerbedingungen entsprechen, müssen sie neu verpackt, vielleicht einige auch sonst noch nachbehandelt werden. Die PKA ist unter gegenwärtigen Bedingungen die einzige bundesdeutsche Anlage, die dies übernehmen könnte (näheres hierzu in Kapitel 2). Der Behälterservice ist insbesondere in Zusammenhang mit dem Transportbehälterzwischenlager und dem geplanten Endlager wichtig.

Als Ort für eine Konditionierungsanlage bot sich der Atomenergie-Industrie Gorleben an. Nachdem der Plan eines "Nuklearen Entsorgungszentrums" 1979 nicht gegen die Bevölkerung durchgesetzt werden konnte und ein neuerlicher Anlauf 1982 für eine Wiederaufarbeitungsanlage durch die Standortentscheidung der DWK für Wackersdorf scheiterte, war die PKA gewissermaßen das Trostpflaster für Niedersachsens Regierung.

Darüberhinaus konnte so der allgemeinen Forderung gefolgt werden, die Konditionierung dort vorzunehmen, wo endgelagert wird. Die Endlagerung ist für den Salzstock Gorleben vorgesehen. Die "Eignungshöffigkeit" dieses Salzstockos soll offenbar solange betont werden, bis ein Weg gefunden ist, alle bisher gegen die Eignung sprechenden Fakten so zu verbiegen, daß die Gerichte der Einlagerung zustimmen. Durch die dann nach Planung der Betreiber bereits in Betrieb befindliche PKA wird für die Endlagerstandortentscheidung ein zusätzlicher Sachzwang geschaffen.

Mit der Konditionierungsanlage, den Zwischenlagern für Brennelemente und Abfälle und dem Endlager wäre somit, zumindest bei der Direkten Endlagerung, durch die Hintertür das "Nukleare Entsorgungszentrum Gorleben" doch noch verwirklicht. Die bisher bekannten Fakten lassen zwar nicht unmittelbar erkennen, ob an gleicher Stelle nach der Pilotanlage auch die kommerzielle Konditionierungsanlage entstehen soll, es ist aber auch nicht auszuschließen. Was nach der Stillegung geschehen soll, ist nämlich im Sicherheitsbericht für die PKA unscharf formuliert. Es werden Varianten angegeben, die auch eine anschließende Weiternutzung mit größerer Kapazität zulassen würden [8]. Darauf weist auch die Beantwortung einer Anfrage der Grünen Landtagsfraktion in Niedersachsen hin [10].

2. Kurze Geschichte der PKA

Die "Geschichte" der PKA soll hier chronologisch kurz vorgestellt werden. Hinsichtlich der Aufgaben dieser Atomanlage war zunächst die Entscheidung über ein "Entsorgungskonzept" mit oder ohne Wiederaufarbeitung von hoher Bedeutung. Auch nach der Festlegung auf Wiederaufarbeitung blieb die eigentliche Hauptaufgabe der PKA jedoch unklar. Bis in die jüngste Zeit sind die objektiven Erfordernisse innerhalb des sogenannten "Brennstoffkreislaufes" nicht genau zu identifizieren. Zusätzlich werden von Seiten der EVU neue Anforderungen in die Diskussion gebracht. Von keiner Seite wurde bisher in Frage gestellt, ob eine zentrale Konditionierungsanlage überhaupt nötig und sinnvoll ist. Dazu am Ende dieses Kapitels ein paar Gedanken.

2.1 Chronologie

28.09.79 Der Bundeskanzler und die Ministerpräsidenten der Länder legen vorläufig die Wiederaufarbeitung von bestrahlten Brennelementen als obligatorischen Weg für die Entsorgung fest. Die Direkte Endlagerung soll im Rahmen eines Systemvergleichs weiter untersucht und nach Abschluß dieser Untersuchungen eine entgültige Entscheidung über den Entsorgungsweg getroffen werden. Die oberirdischen Anlagen sollen unabhängig vom Entsorgungsweg Ende der 90er Jahre betriebsbereit sein.

23.01.85 Die Bundesregierung beschließt nach AbschluR des Systemvergleichs t ohne Konsultation der Bundesländer) die Wiederaufarbeitung endgültig verbindlich vorzuschreiben. Die Direkte Endlagerung soll nur noch für BE, die nicht wiederaufgearbeitet werden können, weiter verfolgt werden.

04.02.85 Die DWK bekundet ihren Willen, in Gorleben eine Konditionierungsanlage zu bauen.

30.04.86 Vier Tage nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl stellt die DWK einen Antrag auf Genehmigung für den Bau und Betrieb einer Pilot-Konditionierungsanlage nach § 7 Atomgesetz.

25.03.87 Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wird vom Antragsteller (DWK) der Sicherheitsbericht für die Anlage vorgelegt.

04.12.87 Die Brennelementlager Gorleben mbH (BLG) tritt dem Genehmigungsantrag bei. Ein revidierter Sicherheitsbericht wird vorgelegt.

11.12.87 Das Niedersächsische Umweltministerium (NMU) gibt die Auslegung der Antragsunterlagen bekannt.

18.01.88 bis 17.03.88 Die Antragsunterlagen werden ausgelegt. Innerhalb der bis Frist werden über 12500 Einwendungen gegen den Bau und Betrieb der Anlage abgegeben.

25.05.88 bis 02.06.88 Der nach Atomrecht vorgesehenen Erörterungstermin bis findet statt. Eine Vielzahl von Befangenheitsanträgen gegen die Verhandlungsführung dokumentiert das tiefe Mißtrauen der EinwenderInnen gegenüber der Genehmigungsbehörde.

12.01.90 DDR-BürgerInnen beantragen, das Bürgerbeteiligungsverfahren nach § 4 Atomverfahrensordnung wieder aufzunehmen. Das NMU lehnt diesen Antrag wenig später ab.

17.01.90 Auf einer Tagung im Kernforschungszentrum Karlsruhe wird bekannt, daß die überwachung von Spaltmaterial in der Anlage nicht im vermuteten Umfang gewährleistet werden kann. Angegeben wird eine Meßgenauigkeit von 12 % (bei anderen Anlagen normalweise 1 - 2 X). Ministerialrat Fricke vom NMU fragt nach Einflüssen auf das laufende Genehmigungsverfahren.

30.01.90 Das NMU erteilt die "Erste atomrechtliche Teilgenehmigung zur Errichtung der Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben" und ordnet den Sofortvollzug an.

01.02.90 bis 06.01.90 Der Bauplatz für die PKA wird von der BI Lüchowbis Dannenberg und anderen Gruppen besetzt. Dies ist die erste erfolgreiche Bauplatzbesetzung der Anti-AKWBewegung seit 10 Jahren.

02.02.90 Fünf BRD- und vier DDR-BürgerInnen erheben Klage gegen die Teilgenehmigung. über diese Klage ist in der Sache zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht entschieden. Gleichzeitig wurde die Aufhebung des Sofortvollzuges gefordert, was einem Baustopp entsprochen hätte.

03.02.90 Erste gemeinsame Anti-AKW-Demonstration von BRD- und DDR-BürgerInnen. Sie führt zum Bauplatz der PKA. Im Vorfeld dieser Demonstration gab es einen Informationsaustausch zwischen BRD- und DDR-Sicherheitsbehörden.

07.02.90 Die Bauarbeiten beginnen, das Gelände wird planiert und ein Metallgitterzaun errichtet.

09.02.90 Das "Neue Forum" (DDR) übergibt im NMU 1423 Einwendungen von DDR-BürgerInnen aus Gemeinden, die an den Landkreis Lüchow-Dannenberg angrenzen.

27.03.90 Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg lehnt den Antrag auf Baustopp bis zur Hauptsacheentscheidung ab.

06.05.90 Rund 60 AtomkraftgegnerInnen besetzen für vier Stunden das PKA-Gelände. Es gelingt ihnen, die Sicherungsanlagen mit Leitern zu überwinden.

19.06.90 Nach den Landtagswahlen in Niedersachsen einigen sich SPD und Grüne in den Koalitionsvereinbarungen darauf, "alle rechtlichen Möglichkeiten aus(zu)schöpfen, die erste Teilerrichtungsgenehmigung zurückzunehmen oder zu widerrufen und weitere Genehmigungen nicht zu erteilen".

08.08.90 Der Leiter der BLG, Herr König, erwähnt in einem Gespräch, daß alle DWK-Projekte (auRer den auslaufenden wie WAK) mit Wirkung vom 01.01.90 von der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) übernommen worden sind.

2.2 Wechselspiel der Hauptaufgabe

Die PKA wurde in der Vergangenheit mit verschiedenen Aufgaben überfrachtet. Je nach momentaner Interessenslage von Antragsteller/Betreiber, Bundesregierung und Elektrizitätswirtschaft wurden ihr immer neue Aufgaben zugewiesen. Sollten diese alle erfüllt werden, müßte die Kapazität der PKA um ein vielfaches erhöht werden. Da der Jahresdurchsatz vom Antragsteller für das Genehmigungsverfahren jedoch zunächst auf 35 t Schwermetall (SM) festgelegt ist, bleibt nur, den Tätigkeitsschwerpunkt je nach Opportunität neu festzulegen.

Dem Namen "Pilot-Konditionierungsanlage" entsprechend, handelt es sich laut Sicherheitsbericht [8] um eine Versuchsanlage, deren primäre Aufgabe "die Erprobung und Demonstration von Konditionierungsverfahren" ist. Dabei wird ausdrücklich auf ausgediente BE, Brennstäbe (BS) und BE-Einbauteile abgehoben [8, S. I-3]. Nach den politischen Vorgaben sollte es sich um BE bzw. BE-Teile handeln, die für eine Wiederaufarbeitung aus technischen und/oder wirtschaftlichen Gründen nicht infrage kommen. Der Charakter der Anlage wird auch im Bescheid zur 1. Teilgenehmigung [11] mit "Erprobung und Demonstration" vorrangig für Brennelemente (S. 52) und "Forschungs- und Entwicklungsarbeiten" (S. 45) benannt.

Dem stehen jedoch eindeutig kommerzielle Aufgaben entgegen, die zum Teil als nachgeordnete Punkte auch im Sicherheitsbericht schon aufgeführt sind. Zunehmend wurde in den letzten 5 Jahren klar, daR die bei der Wiederaufarbeitung von bundesdeutschen BE im Ausland anfallenden radioaktiven Abfälle bei der vereinbarten Rücklieferung nicht den Spezifikationen für die Lagerung in der BRD entsprechen würden. Nach Angaben der Bundesregierung handelt es sich dabei allein aus den Altvertägen mit COGEMA und BNFL um 3600 Kokillen mit hochaktivem Abfall (HAW) und knapp 60000 andere Gebinde, die ab 1993 zurückgenommen werden müssen [9]. Ein Großteil dieser radioaktiven Abfälle muß nach heutigem Stand in der PKA nachkonditioniert werden. Die PKA wäre damit, die Verarbeitungskapazität im Sicherheitsbericht zugrundegelegt, etwa 5 Jahre voll ausgelastet. Es existiert also ein Sachzwang, der den Charakter der PKA in Richtung kommerzielle Nutzung verschiebt.

Eine noch weitergehende Kommerzialisierung würde sich ergeben, wenn dem Drängen der Elektrizitätswirtschaft nachgegeben würde. Nach dem drastischen Schwenk in der Wiederaufarbeitungspolitik Anfang 1989 und der Suche nach einem neuen "Energiekonsens" in der BRD wird für die PKA die Anerkennung als Entsorgungsvorsorgenachweis für den Betrieb von Atomkraftwerken gefordert. Die "Strategieüberlegungen" der VDEW [12] beschreiben in 2 Szenarien (insges. 3 Varianten) die Entsorgungssituation für den Gesamtanfall von bestrahlten BE aus bundesdeutschen AKW bis zum

Jahr 2024. Neben unterschiedlichen Mengen, die durch Wiederauf arbeitungsverträge mit dem Ausland abgedeckt sind, wird in jeder Variante die PKA als Entsorgungsanlage aufgeführt, und zwar mit der gesamten Kapazität von 35 t SM pro Jahr.

Darüberhinaus fordert die Elektrizitäts-Wirtschaft:

"Für einige EVU ist schon heute absehbar, daß der Entsorgungsweg "Direkte Endlagerung" unabdingbar ist, u.a. weil Reststoffe gegen Ende der Betriebszeit in ihren Anlagen nicht mehr rezykliert werden können. Der Entsorgungsnachweis ist deshalb auf die DE auszuweiten; insbesondere ist kurzfristig sicherzustellen, daß für BE, die ab 1991 für die PKA bereitzustellen sind, dieser Weg als Entsorgungsvorsorgenachweis anerkannt wird."

Es ist klar, daß die PKA all diese Aufgaben nicht gleichzeitig nachkommen kann. Inwieweit eine Verschiebung der Hauptaufgabe von der Entwicklung und Erprobung von Konditionierungsverfahren zu einer kommerziell genutzten Anlage dem Genehmigungsantrag widerspricht, ist zu prüfen.

2.3 Zentrale Konditionierung ?

Die grundsätzliche Notwendigkeit einer zentralen Konditionierungsanlage wurde öffentlich bisher nicht diskutiert. Aus der Beschreibung der Aufgaben in Kapitel 2.2 ist zu entnehmen, daß die PKA nur ein Vorläufer für eine größere Anlage ist, wenn das Atomprogramm beibehalten wird. Betreiber und Bundesregierung vertreten das Konzept einer zentralen Konditionierung aus vielen Gründen ganz offen und mit Nachdruck (zuletzt auf der Jahrestagung Kerntechnik 1990). Die SPD hat bisher nur den Standort in Frage gestellt; sie hält eine Konditionierungsanlage, auch die PKA, nur direkt am Endlagerstandort für sinnvoll. Anti-AKW-Bewegung und GRUNE stellen diese Anlage durch die übergeordnete Forderung nach Abschalten aller Atomanlagen in Frage.

Auf eine zentrale Konditionierungsanlage kann bei einem Ausstieg aus der Atomenergie auf jeden Fall verzichtet werden. Notwendig ist dazu der sofortige Rückzug aus den Wiederaufarbeitungsverträgen mit COGEMA und BNFL (wegen der Abfälle) und die direkte Verpackung unzerlegter BE in Endlagerbehälter nach entsprechender Zwischenlagerung am AKW-Standort. Durch den Ausstieg würde auch das Argument wegfallen, die begrenzte Endlagerkapazität erfordere ein Zerlegen oder Zerschneiden von Brennelementen. Die Konditionierung aller anderen radioaktiven Stoffe kann ebenfalls dezentral erfolgen.

 

3.Beschreibung der Anlage

3.1 Standort

Als Standort für die PKA wurde Gorleben im Landkreis LüchowDannenberg festgelegt. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte die Nähe zum vermeintlichen Endlagerstandort für wärmeentwickelnde Abfälle sein. Die Zwischenlager für bestrahlte Brennelemente und radioaktive Abfälle grenzen direkt an das PKA-Gelände (Abbildung 3-1). Gorleben gehörte bis zum November 1989 zum sogenannten Zonenrandgebiet. Diese Lage hatte zur Folge, daR die Vorbelastung der Gegend nicht im für Atomanlagen üblichen Umfang geprüft wurde: Die Standortbeschreibung hört an der Grenze zur DDR auf. Der Sicherheitsbericht enthält keine Angaben zum DDR-Gebiet, z.B. bezüglich Boden- und Wasser nutzung, örtliche Besonderheiten (wie geschätzte großräumige Grundwasservorkommen), Naturschutzgebiete und Bevölkerungsverteilung. Daraus folgt, daß eine Prüfung, ob sich durch die PKA Auswirkungen oder Einschränkungen für DDR-BürgerInnen, z.B. hinsichtlich landwirtschaftlicher Nutzung, Wasserwirtschaft oder Fischereiwirtschaft, nicht erfolgt ist.

Es ist auch nicht geprüft worden, ob sich im 10 km Umkreis auf DDR-Gebiet Betriebe oder Anlagen befinden, in denen explosive, toxische, korrosive oder entzündbare Stoffe in größerem Umfang gelagert oder gehandhabt werden. D.h., eine Prüfung, ob spezielle Besonderheiten auf DDR-Gebiet zu einer Einschränkung der Eignung des Standortes führen, ist nicht erfolgt. Auch die radiologische Vorbelastung des DDR-Gebietes wurde nicht geprüft. Mögliche Vorbelastungen durch kerntechnische Anlagen, Forschungszentren oder Krankenhäuser mit nuklearmedizinischen Abteilungen werden im Sicherheitsbericht ausdrücklich nicht berücksichtigt (8, Kap. 1.10.2).

Mit der Öffnung der Grenze zur DDR ändern sich auch die Verkehrsverhältnisse in der Umgebung der geplanten PKA. Da für die Atomanlage kein Bahnanschluß existiert, müssen alle Transporte über die Straße abgewickelt werden. Die relativ geringe Verkehrsdichte wird sich durch die Anbindung der Straßen an das DDR-Verkehrsnetz erhöhen, ebenso das Verkehrsaufkommen von gefährlichen Gütern. Zum Zeitpunkt der Erteilung der 1. TEG waren die beschriebenen Veränderungen der Behörde bekannt. Sie hielt es jedoch nicht für notwendig, die Voraussetzungen für den Bau der Anlage neu zu überprüfen.

Die Region um Gorleben besitzt eine wirtschaftlich eher schwache Struktur. Es wird hauptsächlich Land- und Forstwirtschaft betrieben. Gerade mit dem Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen versuchen die Anlagenbetreiber um Akzeptanz in der Bevölkerung zu werben. Die bereits in Betrieb befindlichen Zwischenlager und das sogenannte Erkundungsbergwerk für das Endlager sind mit mehr als 50 bzw. 100 Beschäftigten in der Gemeinde Gorleben die größten Gewerbebetriebe. Durch die PKA i sollen angeblich weitere 50 Dauerarbeitsplätze hinzukommen. Dies wurde vom NMU als ein Grund für die Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit und damit Einschränkung des Rechtsschutzes für Anwohner genannt. Dazu ist festzustellen, daß es in der Region weitaus größere Betriebe mit über 1000 Beschäftigten gibt, (z.B. SKF in Lüchow) und somit dieses Argument deutlich an Gewicht verliert.

Der Standort befindet sich im unmittelbaren Einzugsbereich der Elbe. Der Boden besteht aus Ablagerungen von verschiedenen Sanden und Kies mit darunter liegendem Geschiebemergel. Ab einer Tiefe von 26 m ist eine Tonschicht, der sich bis in Tiefen von 250 - 300 m tertiäre Sedimente anschließen. Darunter befindet sich der Gorlebener Salzstock t8].

Nach Aussagen von Behörden und Betreibern handelt es sich um ein Gebiet mit "sehr geringer Erdbebentätigkeit" (z.B. [8]). Schon diese Wortwahl zeigt jedoch, daß Erdbeben nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden können. In historischer Vergangenheit (in der Geologie müssen sehr lange Zeiträume betrachtet werden hat es auch in dieser Region starke Erdbeben mit tektonischer Ursache gegeben [13]. Auch Erdbeben aufgrund von Einstürzen von Hohlräumen, z.B. gebildet durch Gipshüte über Salzstöcken, oder Gebirgsschlägen können zu ähnlich hohen Intensitäten fahren und sind am Standort grundsätzlich möglich. Die Wahrscheinlichkeit für ein zukünftiges Erdbeben in der Region läßt sich durch eine Zahl nicht sinnvoll ausdrücken, ist aber nicht so verschwindend gering, wie die Betreiber saggerieren.

3.2 Aufgaben der PKA

In Kapitel 2 wurde bereits der Wechsel der Hauptaufgabe der PKA angesprochen. Die zwei Schwerpunkte werden, mit welcher Gewichtung auch immer, die Konditionierung von Brennelementen (BE) und die Nachkonditionierung von Abfällen aus der Wiederaufarbeitung im Ausland sein. Im folgenden werden diese und weitere untergeordnete Aufgaben, so wie sie im Moment vorgesehen sind, im Einzelnen dargestellt. Quelle ist dabei hauptsächlich der Sicherheitsbericht (8).

1. Zerlegen und Verpacken von LWR-BE

Abhängig von der zukünftigen Entscheidung 'Wiederaufarbeitung ja oder nein', werden entweder hauptsächlich BE aus Leichtwasserreaktoren (LWR) mit besonderen Kenndaten (z.B. hoher Abbrand, rezyklierter Brennstoff) konditionier-t, oder alle aus bundesdeutschen LWR stammenden BE. Die Mindestabklingzeit vor der Konditionierung beträgt drei Jahre, die Anfangsanreicherung der BE mit spaltbaren Stoffen soll i.d.R. maximal 4 % sein. Für die Standzeiten im Reaktorkern reichen die unterschiedlichen Angaben bis 70 GWd/t Schwermetall (SM). Die angelieferten BE werden zerlegt, die einzelnen Brennstäbe (BS) in Büchsen und die Struktur- und Einbauteile nach einer Kompaktierung durch Hochdruckpressung in Körbe eingeladen. Die Büchsen und Körbe werden dann zusammen in einem Endlagerbehälter verpackt. Die derzeit in Entwicklung befindlichen PolluxEndlagerbehälter fassen mit dieser Methode jeweils 8 DWR-BE bzw 24 SWR-BE (4)]. Geplanter Endlagerstandort: Gorleben.

2. Konditionierung von LWR-BE in Kokillen

Alternativ zur Konditionierung von LWR-BE unter 1., ist das Zerschneiden der BS in etwa 1 m lange Abschnitte vorgesehen. Diese BS-Abschnitte werden dann in Kokillen verladen (pro Kokille 0,5 DWR- bzw. 1,5 SWR-BE tl4]). Die Kokillen werden zunächst in einen Transport- und Lagerbehälter eingestellt, aus dem sie später für die Endlagerung wieder entnommen werden müssen. Die kompaktierten Struktur- und Einbauteile werden ebenfalls in Kokillen oder Fässern konditioniert. Die Kokillen sind in ihrer Form und Größe etwa vergleichbar den Kokillen mit verglasten hochaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung. Geplanter Endlagerstandort: Gorleben. 3. Verpacken von HTR-BE

Die BE aus Hochtemperaturreaktoren (HTR) sind völlig anders aufgebaut als LWR-BE. Es sind Graphit-Kugeln mit einem Durchmesser von 6 cm, in denen der Kernbrennstoff in kleinen Partikeln enthalten ist. Diese Brennelemente wurden in der BRD bisher im Versuchs-Atom-Reaktor der Kernforschungsanlage Jülich und im Thorium-HTR in Hamm benutzt. Entwicklungen zur Wiederaufarbeitung der Kugelelemente wurden wegen technischer Schwierigkeiten abgebrochen. Die angelieferten BE werden mit pneumatischer Förderung, abhängig vom Einlagerungsverfahren im Endlager, entweder in 400 lRollreifenfässer gefüllt und mit Quarzsand hinterfüllt, oder sie kommen in Pollux-Behälter [14]. Geplanter Endlagerstandort: Gorleben.

4. Umladen von HAW-Glaskokillen

Der hoch aktive Abfall entsteht bei der Wiederaufarbeitung von bestrahlten BE. Es handelt sich dabei um die von Uran und Plutonium abgetrennten und aufkonzentrierten Spaltprodukte, die in Glas eingeschmolzen sind. Diese Glasschmelze befindet sich in einer Edelstahlkokille. Wie die BE, haben auch die HAWKokillen eine beträchtliche Wärmeleistung (ca. 2000 W nach 7 Jahren Abklingzeit [14]). Die Aktivität der Kokille beträgt nach 8 Jahren (seit BE-Entladung aus dem Reaktorkern) immer noch 2,9 E16 Bq. Da die Behälter, in denen die Kokillen angeliefert werden, nicht die Spezifikation für eine Lagerung erfüllen, müssen die Kokillen bis zur Endlagerung in andere Behälter umgeladen werden. Geplanter Endlagerstandort: Gorleben.

5. Umladen von Fässern mit bitumierten Abfällen

Der bitumierte Abfall stammt aus den Wiederaufarbeitungsprozessen in La Hague. Es handelt sich um mittelaktive, nicht nennenswert wärmeentwickelnde Fällschlämme aus der dortigen Abwasserbehandlung. Die angelieferten Fässer mit einer durchschnittlichen Aktivität von 6,3 E12 Bq werden in End- und Zwischenlagerbehälter umgeladen. Geplanter Endlagerstandort: Schacht Konrad. 6. Umlaeden mit wärmeentwickelndem zementiertem Abfall

Auch dieser Abfall kommt aus der Wiederaufarbeitung. Es sind mit Zement übergossene Hülsen und Strukturteile von BE (La Hague und Sellafield) und mit Zement verrührte Feedklärschlämme (Sellafield). Die Abfälle werden in verschiedenen Behältern angeliefert. Die jeweilige Aktivität liegt in der GröRenordnung von E14 Bq. Die Behälter sollen nach gegenwärtiger Planung zunächst in Zwischenlagerbehälter umgeladen werden. Geplanter Endlagerstandort: Gorleben.

7. Umladen von technologischem Abfall

Die Lieferung von Abfällen dieser Art ist durch die Wiederaufarbeitungsverträge mit der COGEMA in La Hague festgelegt [8]. Es handelt sich um Anlagenteile, die ihre Lebensdauer erreicht haben bzw. bei einer Reparatur ausgewechselt werden müssen. Diese werden in Behältern mit Zement vergossen. Der Abfall enthält alpha-Strahler, ist aber nicht wärmeentwickelnd. Die Gesamtaktivität beträgt durchschnittlich 8,1 E11 Bq. In der PKA werden die Behälter in Container umgeladen und darin mit Beton vergossen. Geplanter Endlagerstandort: Schacht Konrad.

Für die aus der Wiederaufarbeitung stammenden Abfallgebinde (Punkte 4. bis 7.) sind auch Möglichkeiten für weitergehende Nachkonditionierungsmaßnahmen vorgesehen.

8. Konditionierung von nicht-wärmeentwickelndem Abfall

Hier geht es um Abfälle mit relativ geringer Aktivität, die entweder aus Atomanlagen in der BRD geliefert werden oder während der Konditionierung in der PKA selbst anfallen. Es handelt sich hauptsächlich um Filter, Dekontaminationsmaterial, Konzentrate und Kleidungsstücke, die zum Teil zementiert sind. Die Aktivität pro Gebinde kann mehr als 3,4 E10 Bq betragen. Sind die Abfälle in den Fässern bereits vorkonditioniert, d.h. mit Zement verfestigt bzw. packetiert, sollen die Fässer in endlagerfähige Container gestellt und die Zwischenräume mit Beton verfallt werden. Wenn die Abfälle aus der PKA selbst stammen, werden sie zunächst kompaktiert und/oder verfestigt und dann behandelt wie die anderen Fässer. Geplanter Endlagerstandort: Schacht Konrad.

9. Konditionierung von Flüssigabfall

Schwach radioaktive Flüssigabfälle fallen in der PKA selbst a sie können jedoch auch von anderen Atomanlagen angenommen wer den. Insbesondere sind Anlieferungen von kontaminierten Grubenwässern zu erwarten, wenn das Endlager Schacht Konrad in Betrieb gehen sollte. Aber auch Dekontaminationswässer aus anderen Anlagen sind möglich. Die Anlieferung erfolgt in Tank Die Aktivitätskonzentration soll maximal 3,7 E8 Bq/m3 betrage Die Flüssigabfälle werden zunächst konzentriert, dann in Zement gebunden oder getrocknet in Fässer eingebracht. Diese Fässer werden für die Endlagerung in Container verpackt. Geplanter Endlagerstandort: Schacht Konrad.

10. Umladen von Sonderelementen aus Brutreaktoren

Brenn- und Brutelemente aus Brutreaktoren sollen in der Regel wiederaufgearbeitet werden. Bei diesen Sonderelementen kann e sich z.B. um defekte Elemente handeln, die aus bestimmten Gründen nicht wiederaufgearbeitet werden können. Die Abklingzeit soll mindestens 6 Monate betragen.

Dieser Aufgabenbereich hat zwar durch die starken Verzögerung bzw. evtl. sogar Verzicht auf die Fertigstellung des Schnelle Brüters in Kalkar (SNR 300) an Bedeutung verloren, wird aber nicht wegfallen. Es ist nämlich auch die Konditionierung von Sonderelementen des Brut-Forschungsreaktors im Kernforschungs zentrum Karlsruhe KNK II vorgesehen. Die Sonderelemente befinden sich bei ihrer Anlieferung in ver schlossenen Büchsen. Sie sollen in einen geeigneten Endlagerbehälter (evtl. Pollux) verladen werden. Geplanter Endlagerstandort: Gorleben.

1Oa. Konditionieren von Kernelementen aus Brutreaktoren

Abschalt-, Regel-, Trimm- und Blindelemente enthalten keinen Brenn- oder Brutstoff. Sie sollten in Endlagerbehälter konditioniert werden (wird von der DWK nicht genauer beschrieben). Dies war allerdings nur für den SNR 300 vorgesehen.

11. Service für beschädigte Transport- und Lagarbehälter bzw. Endlagerbehälter

In der PKA sollen beschädigte Behälter ggf. nach Entladung der radioaktiven Stoffe wieder instandgesetzt werden. Gedacht ist dieser Service für Atomkraftwerke, aber insbesondere für das BE-Zwischenlager Gorleben, das nicht mit entsprechenden Einrichtungen ausgestattet ist.

3.3 Technik

3.3.1 Arbeitsablfiufe und Konditionierungstechnik (15)

Die PKA ist mit einer sogenannten Heißen Zelle ausgerüstet. Einrichtungen dieser Art sind notwendig, wenn mit Materialien hoher Aktivität offen umgegangen werden muß, also besondere Abschirmmaßnahmen zu treffen sind. Die Handhabungen und Arbeitsvorgänge in der "Heißen Zelle" finden fernbedient sta Für die Konditionierung der verschiedenen radioaktiven Materiealien sind jeweils Umbaumaßnahmen notwendig. Der Umfang diese Maßnahmen reicht von der Anpassung der Anschläge der Kräne für verschiedene zu be- und entladende Körper, bis zur Entfernun von Zwischenwänden. Die verschiedenen Arbeitsabläufe in der "Heßen Zelle" finden auf zwei Gebäudeebenen statt .

Bei der Konditionierung von leichtaktiven Abfällen wird die "Heiße Zelle" nicht berührt (mit Ausnahme der Abfälle, die be der Konditionierung in der PKA selbst anfallen). Die weitere Beschreibung der Anlage, die notwendigen Handhabungen von Behältern und radioaktiven Stoffen, sowie die Konditionierungstechnik soll in diesem Kapitel anhand der Vorgänge vom Eintreffen der Gebinde bis zum Ausschleusen der konditionierten Produkte beschrieben werden. Es wurden dafür drei Vorgänge ausgewählt, die alle wesentlichen Teile der Anlage durchlaufen. Die DWK behält sich laut Sicherheitsbericht vor, "die Einrichtungen zur Konditionierung von radioaktiven Materialien im Rahmen der weiteren Entwicklung und Erprobung" zu optimieren.

Welche Behälter für die Endlagerung wirklich benutzt werden sollen, steht noch nicht fest. Die DWK gibt lediglich Beispiele für Behälter an, z.B. den Pollux für Brennelemente.

3.3.1.1 Konditionierung von LWR-BE

Die Beschreibung dieses Vorganges erfolgt hier relativ detailliert, weil so die Komplexität der Anlage gezeigt werden kann und die Störanfälligkeit deutlicher wird. Zur besseren Übersicht kann der Weg der BE in Abb. 3-3 verfolgt werden.

Die BE werden in Transportbehältern aus den AKW oder in Transport- und Lagerbehältern aus den Zwischenlagern angeliefert. Das Transportfahrzeug fährt in eine Schleuse, wo zunächst Eingangskontrollen durchgeführt und die Stoßdämpfer demontiert werden. Der Behälter wird anschließend nach Öffnung einer Luke mit einem Decken- oder Brückenkran vom Fahrzeug in die sogenannte Behälterhalle, eine Gebäudeebene höher, gehoben. An einem "Arbeitsplatz" wird der Behälter abgesetzt und für das Entladen der BE vorbereitet (Abnehmen von Schutzdeckeln, Dekontamination usw.). Dann erfolgt das Einhängen des Behälters in einen Hängewagen. In diesem wird der Behälter zunächst im Absenkraum in die untere Ebene und dort durch einen Transportkanal unter die Entladezelle gefahren. Nach einer Luftspülung der Behälterinnenatmosphäre wird der Behälter von unten an die Entladezelle angedockt und der Primärdeckel abgezogen. Die BENummern werden registriert und die BE mit einem Zellenkran fernbedient entladen und im Pufferlager 1 in Lagergestelle eingesetzt. Diese Lagergestelle besitzen für jedes BE eine Lagerposition, die im wesentlichen aus einem geschlossenen Metallschacht besteht. Die Abfuhr der Nachzerfallswärme der BE erfolgt durch Naturkonvektion (s. Kap. 3.3.3.2). Ist das Pufferlager 1 mit der zur Weiterverarbeitung vorgesehenen Zahl von BE gefüllt, werden die BE einzeln wie folgt in die Zerlegezelle übergeben: Mit dem Zellenkran wird das BE aus dem Lagerschacht wieder in die Entladezelle gehoben und im Schleusraum in einen schienengebundenen Transportwagen gestellt. Dieser befördert das BE über eine schiefe Ebene mittels Seilwinden unter die Zerlegezelle. Die Verbindung zwischen Schleusraum und Entladezelle wird verschlossen und die zwischen Schleusraum und Zerlegezelle geöffnet. Das BE kann jetzt aus dem Transportwagen herausgenommen und mit der gleichen Vorrichtung auf den Zerlegetisch gelegt werden. Nach Verschließen des Schleusraumes werden zunächst, soweit vorhanden und nicht getrennt angeliefert, die Einbauteile (DWR: Steuer-, Absorberelemente und Neutronenquellen; SWR: Brennelementkästen) durch Fixierung des BE am Ziehtisch und Zurückfahren des Zerlegetisches entfernt und mit einem Skelettgreifer zur Presse transportiert und kompaktiert. Mit dem Zerlegetisch (Antrieb mit Elektro-Getriebemotor) wird das BE nun zur Brennstab-Reihenziehzange gefahren und die BS reihenweise von oben nach unten aus dem BE-Skelett gezogen. Fuß und Skelett des BE werden kompaktiert. Alle Struktur- und Einbauteile werden anschließend in einem Korb verpackt.

Der weitere Ablauf ist unterschiedlich, je nach dem, ob die Konditionierung in Büchsen oder Kokillen erfolgt.

Konditionierung in Büchsen

Die Brennstäbe fallen in einen Trog und werden ggf. mit einem Manipulator parallel ausgerichtet. Der Trog wird mit einem Deckel verschlossen, per Zellenkran zum Beladecaisson transpor tiert und dort mit einer angedockten Büchse verbunden. Die Brennstäbe werden in die Büchse geschoben und diese durch Einpressen eines Deckels verschlossen. Die beladenen Büchsen und Körbe werden über einen zweiten Schleusraum mit dem Zellenkran in das Pufferlager 2 eingestellt. Der Aufbau des Pufferlagers entspricht dem des Pufferlager 1.

Konditionieruna in Kokillen

Hier fallen die Brennstäbe nicht in einen Trog, sondern werden auf eine Vorlagepalette gelegt. Diese wird mit dem Zellenkran zur Kok-illenbefüllvorrichtung transportiert. Dort werden die BS einzeln mit einer Vorschub-Führungsrinne zur BS-Schere geschoben. Die Schere teilt die Brennstäbe in.0,88 m lange Stacke und verformt deren Enden, um ein Herausfallen der Pellets zu verhindern. Danach werden die BS-Abschnitte durch ein Füllrohr in die am Beladecaisson angedockten Kokillen gefüllt. Die Kokillen werden zunächst mit dem Primärstopfen verschlossen. Im Innern wird ein leichter Unterdruck erzeugt. Mit einem schienengebundenen Kokillenwagen wird die Kokille zum Schweißroboter gefahren, der die Sekundärplatte aufschweißt. Vom Beladecaisson wird die Kokille in die Beladezelle gefahren und von dort mit dem Zellenkran im Pufferlager 2 abgestellt.

Ab dem Pufferlager 2 sind die weiteren Arbeitsabläufe für die Konditionierung in Büchsen und Kokillen wieder gleich. Mit dem Zellenkran werden die Büchsen und Kokillen aus dem Pufferlager entnommen und in den an der Beladezelle angedockten End- oder Zwischenlagerbehälter eingestellt. Der Behälter wird mit dem Primärdeckel verschraubt und eine Helium-Innenatmosphäre hergestellt. Per Hängewagen wird der Behälter durch einen Transportkanal und einen zweiten Absenkraum in die Behälterhalle transportiert. Mit dem Hallenkran wird der Behälter aus dem Hängewagen gehoben und an einem "Arbeitsplatz" abgestellt. Dort wird der Sekundärdeckel aufgeschweißt und ein Abschirmdeckel aufgeschraubt. Mit dem Hallenkran wird der Behälter zur Fahrzeugschleuse transportiert und auf das Fahrzeug gelegt.

3.3.1.2 Umladen von Abfallgebinden

Für die aus der Wiederaufarbeitung kommenden mittel- und hochaktiven Abfälle ist laut Sicherheitsbericht in der Regel "nur" ein Umladen vorgesehen. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit für weitergehende Konditionierungsmaßnahmen. Die Umladevorgänge für HAW-Glaskokillen, bitumierte Abfälle, zementierten wärmeentwikkelnden Abfall und technologischen Abfall sind bis auf die Benutzung unterschiedlicher Behälter dieselben. Das Umladen wird hier beispielhaft für bitumierten Abfall beschrieben (siehe auch Abb. 3-4).

Der bitumierte Abfall befindet sich in 220 1-Fässern. Diese sind für den Transport in Behälter verpackt. Die Transportbehälter kommen mit dem Fahrzeug in die Schleuse. Von dort werden sie mit dem Hallenkran in die Behälterhalle gehoben. Nach der Vorbereitung des Behälters an einem Arbeitsplatz wird er mit dem Hallenkran in einen Wagen im Absenkraum gestellt. Eine Ebene tiefer wird der Behälter durch einen Transportkanal in die "Heiße Zelle gebracht und dort zunächst seine Innenatmosphäre gereinigt. Dann wird er von unten an die Entlade- zelle angedockt. Nach Entfernung des Deckels werden die Fässer mit den bitumierten Abfällen einzeln aus dem Transportbehälter herausgehoben und mit dem Zellenkran sofort in die benachbarte Beladezelle gebracht. Jedes einzelne FaR wird in einen unter der Beladezelle stehenden GuRbehälter gestellt und dieser mit einem Deckel verschlossen. Durch einen Transportkanal in der unteren Ebene wird der Gußbehälter in die Behälterhalle transportiert und von dort nach überprüfung auf das Fahrzeug in der Schleuse verladen.

3.3.1.3 Konditionierung flüssiger Abfälle

Eine Übersicht zum Verfahrensablauf gibt Abb. 3-5. Bei den flüssigen Abfällen handelt es sich um sogenannte schwach aktive Wässer (LAW-Wässer). Sowohl die eigenen als auch die Fremdabfälle werden in Sammelbehältern unterhalb der Fahrzeugschleuse gesammelt. Für den folgenden Verfahrensablauf wird zunächst durch Zugabe von Chemikalien der pH-Wert des Flüssigabfalls eingestellt. Durch eine Rohrleitung erfolgt die chargenweise Weiterleitung in den übernahme-/Vorlagebehälter im Erdgeschoß. Mittels einer Speisepumpe werden von dort die LAW-Wässer kontinuierlich durch einen Vorwärmer in den Ausdampfbehälter gepumpt. Die Menge ist abhängig vom Niveau im Ausdampfbehälter und wird mit einem Ventil gesteuert. Der Flüssigabfall wird erhitzt und verdampft. Nach der Verarbeitung von 40 - 50 m3 wird das Konzentrat chargenweise in den Konzentratbehälter gefördert. Dieses Konzentrat enthält nahezu die gesamte Aktivität. Das anfallende Destillat wird gleichzeitig durch den Vorwärmer im Gegenstrom zu den LAW-Wässern (zur Abkühlung) in Destillatbehälter geleitet. Dort wird geprüft, ob die Aktivitätsfreigrenze eingehalten ist und dann in das Betriebswassersystem übergeben.

Aus dem Konzentratbehälter werden Chargen in den Dosierbehälter einer mobilen Konditionierungseinrichtung in der Behälterhalle Ubergeben. Das Konzentrat kann dann entweder getrocknet in 400 1-Fässer gefüllt oder in Zement in 400 1-Fässern homogen verteilt eingemischt werden. Die Fässer mit dem verfestigten Konzentrat werden in der Behälterhalle zum Arbeitsplatz zur Beladung in Betoncontainern transportiert. Die nach dem Einstellen der Fässer in den Container (BC 6) verbliebenen Zwischenräume werden mit Zement vergossen und der Container mit einem Deckel verschlossen. Der Container wird durch die Behälterhalle zur Fahrzeugschleuse transportiert, auf das Fahrzeug geladen und abtransportiert.

Es folgen im Orginal nun drei Grundrißbilder , die wir nicht eingebaut haben, damit die Seiten für Sie schneller zur Verfügung stehen.

 


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